„Klimawandel ist eine weltpolitische Herausforderung“

Klimaforscher spricht in Erkheim

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Erkheim - Auf Initiative des Bundestagsabgeordneten Stephan Stracke sprachen der Klimaforscher Professor Dr. Wolfgang Buermann und die Beauftragte der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, MdB Dr. Anja Weisgerber, im Bistro „Akut“ zum Thema Klimaschutz als die große weltpolitische Herausforderung.

„Setzen wir auf Verbote oder bieten wir Anreize?“, dies fragte MdB Stephan Stracke in seiner Begrüßung. Die Wirtschaftsweisen haben ihr Gutachten auf den Tisch gelegt. „Wir setzen auf Innovation. Wir steigen sowohl aus der Atomenergie als auch aus der Braunkohle und Steinkohle aus.“ Die bisher verwendeten Klimamodelle müssen angepasst werden, die Lage des Weltklimas ist noch angespannter als bisher gedacht, so Klimaforscher Professor Dr. Wolfgang Buermann, Lehrstuhlinhaber am Institut für Physische Geographie der Universität Augsburg. Der Mensch ist Hauptverantwortlicher der Erderwärmung der letzten 50 Jahre. In einer ausführlichen Darstellung versuchte Buermann alle Auswirkungen einer weiteren Erderwärmung unter dem Motto „Hitze und Dürre in Deutschland“ aufzuzeigen. Dass das Thema Klimaschutz mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen sei, zeige nicht zuletzt die Schülerbewegung „Fridays for Future“.

In den nächsten Wochen werde es darum gehen, die Weichen in unserem Land so zu stellen, dass wir unsere Klimaziele erreichen, sagte auch die Beauftragte für Klimaschutz im Bundestag, Dr. Anja Weisgerber. „Der Klimawandel ist eine der größten Herausforderungen und kann nur international gelöst werden.“ Der Mensch trägt dafür eine Mitverantwortung und ist gleichzeitig in hohem Maße betroffen von den Auswirkungen klimatischer Veränderungen. „Wenn wir die Erderwärmung nicht nur auf 2 Grad, sondern sogar auf 1,5 Grad begrenzen, steigt der Meeresspiegel um einen halben Meter. Ganze Städte werden im Meer versinken – nicht nur Venedig, auch Jakarta in Indonesien. Wenn wir das Zwei-Grad-Ziel nicht erreichen, müssen wir mit 200 Millionen Klimaflüchtlingen rechnen, weil sich beispielsweise in Afrika Dürrezonen ausbreiten und Hitzeperioden ungeahnten Ausmaßes entstehen. Die Auswirkungen sind bereits jetzt spürbar. Ein Sechstel der Erdoberfläche sind Permafrostgebiete“, so die Politikerin. Wissenschaftler nehmen an, dass Permafrostböden, beispielsweise in Sibirien, Kanada oder Alaska, zwischen 1.300 und 1.600 Gigatonnen Kohlestoff in Forma von CO2 und Methan CH4 enthalten. Ein Abtauen der Permafrostböden gilt daher als möglicher Kippunkt im globalen Klimasystem.

Auch in Bayern sei der Klimawandel längst angekommen. Erwartet werde, dass ein Temperaturanstieg von bis zu 4,5 Grad bis Ende des Jahrhunderts eintreten könne. Aus München könne dann Verona werden, aus Nürnberg Turin. „Wir müssen handeln und zwar auf allen Ebenen – international, europäisch und national“, so Weisgerber. Das Paris-Abkommen mit einer Zwei-Grad-Obergrenze müsse unbedingt eingehalten und eine weitgehende Treibhausgasneutralitat bis 2050 erreicht werden. Laut Klimakonferenz von Kattowitz 2018 sollen ab 2022 neue Standards für Industrieländer und ab 2024 für Entwicklungs- und Schwellenländer gelten. Ab 2023 solle es zudem alle fünf Jahre eine globale Bestandsaufnahme geben, wo die Welt beim Klimaschutz steht. Bis 2030 wolle die EU ihre Treihausgasemission um 40 Prozent gegenüber 1990 mindern.

Ein wichtiges Instrument für den Industrie- und Energiebereich sei der Europäische Emissionshandel. Die Sektoren Energie, Industrie, Verkehr, Gebäude und Landwirtschaft müssten sinnvolle Maßnahmen zur Treibhausgasreduktion auf den Weg bringen. „Auf dieser Grundlage wollen wir ein Gesetz verabschieden, das die Einhaltung der Klimaschutzziele 2030 gewährleistet“, erklärte Weisgerber.

Der Klimaschutz vor Ort sei dabei nicht ohne eine Mobilität der Zukunft zu realisieren. Ein wesentlicher Bestandteil dabei werde die Elektromobilität sein. Auch die Potentiale im Gebäudebereich müssten ausgeschöpft werden. Empfohlen werde ebenso eine Ausweitung des Europäischen Emissionshandelssystems sowie eine ökologische Steuerreform. Klimaschutz brauche allerdings auch die Akzeptanz in der Bevölkerung: Er sei zwar eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, aber auch jeder einzelne können seinen kleinen Beitrag für mehr Klimaschutz leisten. (jw)

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