Ober- und Unterallgäu geben Gas

Klinikfusion: Memmingen ist erst einmal außen vor

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Es kommt Bewegung ins Thema Klinikfusion. Nur Memmingen bleibt wohl außen vor.

Memmingen/Mindelheim – Nachdem die Verhandlungen über eine Fusion mit Memmingen von Landrat Weirather auf Eis gelegt wurden und er stattdessen Gespräche mit dem Verbund Kempten-Oberallgäu aufgenommen hat (wir berichteten), kommt schnell Bewegung in die Geschichte. Nach einem zweiten Lenkungsausschuss-Treffen in Mindelheim zeichnet sich ab, dass bereits zum 1. Januar 2020 der gemeinsame Betrieb aufgenommen werden könnte.

Um weiter über die Möglichkeiten und Rahmenbedingungen einer gemeinsamen institutionellen Zusammenarbeit zu sprechen, kamen am Dienstag Vertreter der Aufsichtsgremien des Klinikverbundes Kempten-Oberallgäu und der Kreiskliniken Unterallgäu zu ihrem zweiten gemeinsamen Lenkungsausschuss zusammen. Das Treffen fand im Landratsamt in Mindelheim statt. Eine Besichtigung der Kreisklinik Mindelheim ergänzte den Rahmen der Zusammenkunft, die, so heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung, „in einer offenen Atmosphäre geführt wurde“. Auf der Tagesordnung standen Punkte wie der Vergleich von wirtschaftlichen Kennzahlen der Verhandlungspartner, eine Betrachtung des jeweiligen Krankenhausunternehmens im Hinblick auf die in den nächsten Jahren notwendigen Investitionen sowie die Strukturen des neuen Aufsichtsgremiums und des Managements.

Auch über die mögliche Unternehmensstruktur des neuen Klinikverbundes wurde beraten. Die Vertreter der Landkreise Oberallgäu und Unterallgäu sowie der kreisfreien Stadt Kempten verständigten sich darauf, dass auch der neue Klinikverbund unverändert in kommunaler Trägerschaft gehalten wird. Die Übernahme aller Mitarbeiter zu den bestehenden Tarifbedingungen wird garantiert, heißt es in der Pressemitteilung weiter.

Ein drittes Treffen des gemeinsamen Lenkungsausschusses ist noch vor der Sommerpause 2019 geplant. Die Verhandlungsführer planen dazu, die Kreistage der Landkreise Oberallgäu und Unterallgäu sowie den Stadtrat der kreisfreien Stadt Kempten Mitte des Jahres umfassend zu informieren. Damit könnten die nötigen Beschlüsse für die Klinikfusion noch dieses Jahr gefasst werden, um den gemeinsamen Betrieb zum 1. Januar 2020 aufzunehmen. Als gemeinschaftliches Ziel wurde ausgerufen, für alle Allgäuer Patienten ein starker und zuverlässiger medizinischer Ansprechpartner in allen Gesundheitsfragen zu sein.

Damit, so sieht es auch Oberbürgermeister Manfred Schilder auf Nachfrage unserer Zeitung, ist Memmingen erst einmal außen vor. Das komme jedoch nicht wirklich überraschend. Zwar habe Landrat Weirather die letzten Beschlüsse des Memminger Stadtrates vom Januar, wonach die Stadt einem Beteiligungsverhältnis von 50:50 sowie der Begleitung des Fusionsprozesses durch die Bayerische Krankenhausgesellschaft zugestimmt hatte (wir berichteten) „wohlwollend zur Kenntnis genommen“. Gleichzeitig aber klar gemacht, an den vereinbarten Gesprächen mit dem Klinikverbund Kempten-Oberallgäu festzuhalten. Gebhard Kaiser, Aufsichtsratsvorsitzender des Klinikverbundes Kempten-Oberallgäu, hatte zudem klargestellt, dass aus seiner Sicht Memmingen zunächst noch einige „Hausaufgaben zu erledigen hat“. Unter anderem werde das Memminger Klinikum noch als Abteilung der Stadt geführt, was nicht mehr zeitgemäß sei. Dem stimmte Schilder zu und verwies auf einen kürzlich erfolgten Stadtratsbeschluss, um das Haus in ein Kommunalunternehmen umzuwandeln. „Das braucht seine Zeit, allerdings sicher keine drei Jahre, wie Gebhard Kaiser meint“, so der OB.

Die Geschwindigkeit der Verhandlungen zwischen dem Ober- und Unterallgäu überraschte Schilder auch nicht wirklich und stelle für ihn jetzt auch kein Schreckensszenario dar. Ob Memmingen letztlich alleine überlebensfähig wäre, sei auch nicht die Frage. Vielmehr müsse man weit über solche engen Grenzen hinaus denken und planen. „Die bestmögliche medizinische Versorgung unserer Bevölkerung wird eine zentrale Herausforderung für das gesamte Allgäu sein – ob dieser mit jenem fusioniert oder wir es alleine machen können, ist aus meiner Sicht Getöse. Um bestehen zu können, beispielsweise auch gegenüber Augsburg oder München, insbesondere auch was den künftigen Bedarf an medizinischem und pflegerischem Fachpersonal betrifft, müssen letztendlich alle im gesamten Allgäu an einem Strang ziehen“, ist Memmingens OB überzeugt.(MK/es)

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