Unternehmensberatung stellt im Stadtrat Betriebskonzept vor

Ein Kombibad als sinnvollste Lösung für Memmingen? Stimmen Sie ab!

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Auf große Zustimmung stieß bei den Memminger Stadträten*innen das Konzept eines kombinierten Hallen- und Freibades der renommierten Unternehmensberatung Altenburg.

Memmingen – Die Planungen für ein neues Kombibad gehen in die nächste Runde. Zuletzt hatte der Stadtrat sich entschieden, zuerst eine Bedarfsanalyse für das geplante Kombibad am Standort des Freibades in Auftrag zu geben, bevor man viel Geld ausgibt.

Diese Analyse führte die auf Bäder spezialisierte Unternehmensberatung Altenburg aus Düsseldorf durch, die jährlich 40 bis 50 Städte in Sachen Bäderinfrastruktur berät. Dietmar Altenburg und Marco Steinert stellten die Ergebnisse ihrer Analyse dem Stadtrat in jüngster Sitzung vor. Es sei richtig, in Memmingen ein Kombibad zu errichten, lobte Dietmar Altenburg die bisherige Entscheidungsfindung. Eine Sanierung der bestehenden Bäder, wie von den Grünen ursprünglich gefordert, sei aus Kostengründen dagegen nicht sinnvoll und auch dem Plan, ein Spaßbad für über 41 Millionen Euro zu errichten, wie es hauptsächlich die CSU haben wollte, erteilten die Bäderspezialisten eine Absage. 

Dietmar Altenburg mahnte die Räte an, realistisch zu bleiben. Ein Freizeitbad nach dem Motto „Wünsch dir was" sei für Memmingen überdimensioniert und nicht bezahlbar, denn die Baukosten eines Freizeitbades seien nicht nur viel zu hoch, sondern erfordern darüber hinaus einen jährlichen Zuschuss der Stadt von fast vier Millionen Euro. Altenburg führte weiter aus, dass es zudem bereits viele Konkurrenzbäder in der Umgebung gibt. Es sei daher schwer, sich hier als zusätzlicher Anbieter zu positionieren und wer mit seiner Familie am Wochenende in ein Spaßbad möchte, nehme auch eine halbe Stunde Anfahrtszeit in Kauf. Das selbe gelte für eine Saunalandschaft. Nach seiner Meinung ist die Bereitstellung einer solchen nicht Aufgabe einer Kommune und würde die Stadt über 200.000 Euro im Jahr kosten.

Für ein Kombibad in Memmingen schlägt Altenburg im Innenbereich ein 25-Meter-Becken mit sechs Bahnen, einen Sprungturm sowie ein Lehrschwimmbecken und ein Kursbecken vor. Im Außenbereich soll es ein 25-Meter-Becken mit sechs Bahnen oder ein 50-Meter- Becken mit vier Bahnen sowie ein Nichtschwimmerbecken und ein Kleinkinderbecken, welches im ursprünglichen Plan nicht vorgesehen war, geben. 

Als zu teuer und nicht notwendig sehen die Planer weitere Erlebnisangebote wie ein beheiztes Ganzjahresbecken im Freien, Saunalandschaft, Gastronomie oder eine große Spaßrutsche. Das von Altenburg vorgeschlagene Bad kostet etwas über 30 Millionen Euro und ist damit erheblich günstiger als die bisher diskutierten Pläne in Höhe von über 41 Millionen Euro. Auch die Folgekosten waren ein Thema. Ein Bad sei für jede Kommune ein Zuschussprojekt führte Altenburg aus, aber bei seiner Version kommen auf die Stadt jährlich nur etwa 2,5 Millionen Euro zu. Bislang bezuschusst die Stadt die Bäder mit rund einer Million Euro.

Eintrittspreise steigen moderat

Ein wichtiges Kriterium für viele Stadträte ist der Eintrittspreis, der derzeit im Hallenbad bei 3,20 Euro und im Freibad bei 2,30 Euro liegt. Im bayernweiten Vergleich sei das sehr günstig und Altenburg zollte in diesem Zusammenhang dem Stadtkämmerer Jürgen Hindemit Respekt, dass man bisher nicht mehr Geld von den Besuchern genommen hat. Die endgültigen Eintrittspreise wird zwar der Stadtrat dann festlegen, aber Altenburg sieht den Eintritt beim neuen Bad bei etwa vier Euro für einen Erwachsenen, ermäßigt bei zwei Euro. 

Die Bedarfsanalyse betrachtet auch die Wasserflächen. Im bestehenden Hallenbad seien die Wasserflächen mit etwa 440 Quadratmeter viel zu klein, im Freibad mit 2125 Quadratmetern dagegen viel zu groß. Das neue Bad soll neben den Schwimmbecken ein Kursbecken mit Hubboden bekommen, welches auch als Ersatz für das Bewegungsbad des Klinikums dienen könne. Altenburg hob hervor, dass Kursteilnehmer eine wichtige Zielgruppe seien. Im Außenbereich sehen die Planer wesentlich kleinere Wasserflächen als bisher vor. Da das Kombibad das ganze Jahr über geöffnet ist, seien die kleinen Wasserflächen durchaus ausreichend, meint Altenburg, weil man ja zum Schwimmen auch in die Halle gehen könne. 

Die große Liegewiese soll bestehen bleiben und auch einen Kiosk soll es dort weiterhin geben. Ein Gastronomiebetrieb sei im Innenbereich nicht kostendeckend und deshalb empfiehlt Altenburg einen Wintergarten mit Liegen und Sitzplätzen, der über einen Getränkeautomaten verfügt.

Sanierungspläne vom Tisch

Der Vortrag wurde von den Stadträten begeistert aufgenommen. Lediglich Corinna Steiger von der Grünen-Fraktion sprach sich immer noch für die Sanierung der bestehenden Bäder aus. Ganz im Gegensatz zu ihrem Fraktionskollegen Prof. Dr. Dieter Buchberger, der die Pläne Altenburgs begrüßte, aber auch bessere Öffnungszeiten einforderte. SPD-Fraktionschef Matthias Ressler war auch begeistert von dem Vortrag und teilte später in einer Pressemitteilung mit, „Damit sind die Sanierungspläne der Grünen und die große 'CSU-Lösung' vom Tisch. Dies hätten wir uns schon viel früher gewünscht“, so Ressler weiter. 

Mit den Untersuchungen von Altenburg sei auch die CSU-Lösung eines Erlebnisbades vom Tisch. „Gottseidank konnte der Beschluss für solch ein Monsterbad in der Oktobersitzung verhindert werden“, so Ressler. Michael Hartge von der ÖDP sprach sich trotz eines jährlichen Defizits von gut 200 000 Euro für eine Sauna aus. MdL Klaus Holetschek (CSU) fragte nach, ob es denkbar wäre, dass ein privates Unternehmen den Bau und den Betrieb eines Kombibads in Memmingen übernehmen könne. Altenburg antwortete darauf mit einem klaren „Nein“, weil solche Investoren Gewinn erwirtschaften wollen und das mit einem Bad für Schwimmer, Vereine und Schüler nicht vereinbar sei.

KURIER-LESERUMFRAGE

Die Leserumfrage endet am Montag, den 02.12.2019 um 24 Uhr.


Von Elmar Würth

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