Visionen entwickeln – Ängste abbauen

Landestheater Schwaben stellt Stücke der neuen Spielzeit vor

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Dramaturg Thomas Gipfel, Chefdramaturgin Anne Verena Freybott, Intendantin Kathrin Mädler und die Pressereferentin Eva-Maria Trütschel, stellten das Programm der neuen Spielzeit am Landestheater Schwaben vor.

Memmingen – Die Spielzeit am Landestheater Schwaben geht langsam zu Ende und so wurde es Zeit, den neuen Spielplan der Öffentlichkeit vorzustellen. Die Motivation der Verantwortlichen des LTS war dabei deutlich zu spüren.

„Wir treffen uns in einem euphorischen Moment“, begann Intendantin Kathrin Mädler ihre Ausführungen. Hatte man doch einen Tag vorher erfahren, dass das LTS den Theaterpreis des Bundes gewonnen hat.

Dieser Preis ist mit 75.000 Euro dotiert und das Geld wird laut Mädler in die künstlerische Arbeit fließen. Die kommende Spielzeit werde eine sehr politische, berichtet die Intendantin und fügt hinzu, man befinde sich in einem sehr drängenden weltpolitischen Moment. Fragen, welche die Zukunft Europas und die der ganzen Welt angehen, stünden auf der Agenda. Andererseits gebe es Tendenzen, welche die Demokratie in Frage stellen und Freiheiten aufs Spiel setzen. Man müsse die Ängste besiegen und Visionen entwickeln, wie es weitergehen soll, mahnte Mädler. Diesen drängenden Fragen stellen sich dann auch fast alle Stücke der kommenden Spielzeit und deshalb auch das Motto: „Es kommt darauf an“.

Ein absolutes Highlight der Spielzeit werden laut Mädler dieBayerischen Theatertage vom 20. bis 31. Mai sein. Dessen Motto „Wir können aus anders!“ verspreche ein lebendiges Festival, welches Theater als Gegenwartskunst und gesellschaftspolitischen Akteur präsentiert. Erstmals wird das große Theaterfestival Bayerns kuratiert. Eine Jury aus Kritikern und Theaterfachleuten holt an zwölf Festivaltagen die aufregendsten und interessantesten Produktionen der bayerischen Theater nach Memmingen.

Großes Haus

Passend zur „Fridays for Future“-Bewegung eröffnet das Landestheater die Spielzeit mit der „Mutter“ aller Stücke zum Aufstand der jungen Generation: Die junge Regisseurin Julia Prechsl wird Friedrich Schillers „Die Räuber“ inszenieren. Im November folgt die deutsche Erstaufführung von „Der Reisende“, inszeniert von Kathrin Mädler. Der Roman des jungen Autors Ulrich Alexander Boschwitz schildert die Leidensgeschichte eines jüdischen Kaufmanns nach dem Novemberpogrom 1938.

Im Familienstück zur Weihnachtszeit, „Konrad oder das Kind aus der Konservenbüchse“, inszeniert wieder von Ingrid Gündisch, erhält Frau Bartolotti postalisch ein Kind, das sie gar nicht bestellt hat. Christine Nöstlinger verschenkt mit diesem Stück ein charmantes, anarchisches, fantasievolles Theatervergnügen für Kinder und Erwachsene.

„Ewig jung“, inszeniert: von Peter Kesten, ist ein komisches und berührendes Songdrama von Erik Gedeon, in dem sich die Protagonisten selbst in 40 Jahren verkörpern und über die Sehnsucht nach der Jugend und die Last der Endlichkeit musikalisch unterhaltsam philosophieren.

Eine außergewöhnliche, höchst ambivalente Frauenfigur, die sich mit den tödlichen Gesetzen von Krieg und Kapitalismus auseinandersetzt, zeigt Bertolt Brechts „Mutter Courage und ihre Kinder“. Den modernen Klassiker wird Pia Richter inszenieren.

Im April zeigt das LTS das neue Stück des libanesisch-kanadischen Dramatikers Wajdi Mouawad.„Vögel“ ist ein poetisches Märchen, eine emotionale Familiengeschichte und politisches Drama zugleich. Vor dem Hintergrund des israelisch-palästinensischen Konflikts erzählt das Stück in der Inszenierung von Thomas Ladwig über die Kraft der Liebe und die Traumata der Gewalt, die Menschen einander antun.

Studio und Foyer

Ein großartiges Frauentrio eröffnet die Spielzeit im Studio: In „Demut vor deinen Taten Baby“, inszeniert von Anne Verena Freybott, simulieren drei Frauen Terroranschläge, um den Menschen das herrliche Gefühl des „Davongekommenseins“ zu vermitteln. Das Stück der Erfolgsautorin Laura Naumann spielt boshaft mit unseren kultivierten Ängsten und Glücksversprechen.

Eine brisante Premiere folgt im Oktober: Es ist gelungen, die Uraufführung der Autobiografie von Heidi Benneckenstein „Ein deutsches Mädchen“ ans Landestheater zu holen. Die Geschichte einer Aussteigerin aus der deutschen Neonazi-Szene schafft verstörende Einblicke in eine hermetische und bestens organisierte rechtsradikale Parallelwelt. Von Mirko Böttcher inszeniert, ermutigt der Text zum eigenen politischen Denken. Das Landestheater kooperiert bei dieser Produktion mit „Allgäu rechtsaußen“ und der Amadeu Antonio Stiftung. Die Produktion richtet sich an Erwachsene und Jugendliche ab zwölf Jahren.

In der Reihe „Werkstatt – Ensemble macht Theater“ zeigt Jens Schnarre im Herbst einen Liederabend für das große Gefühl. „Liebe!!!“ setzt sich humorvoll, romantisch, ironisch und schmerzhaft mit der Sehnsucht nach dem Einen, der Einsamkeit in der Zweisamkeit und all den chaotischen Emotionen, die ein Leben begleiten, auseinander.

In „Ich rufe meine Brüder“, inszeniert von Oliver D. Endreß, erzählt Jonas Hassen Khemiri von unserer Gesellschaft nach der sogenannten „Flüchtlingskrise“: Wie leben wir zusammen in einer diverser werdenden Gesellschaft mit all unseren Vorurteilen, Ängsten und unserem Misstrauen? (ew)

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