Mit kreativem Krisenmanagement in die neue Spielzeit

Landestheater trotzt „frustrierenden Perspektiven“

Frau sitzt auf Stuhl auf einer Bühne zwischen zwei Männern mit Maske
+
Auf der Zweckverbandsversammlung des Landesthaeters Schwaben gab die Intendantin Katrin Mädler einen Überblick über die wirtschaftliche Entwicklung in der „Corona-Zeit“ und einen Überblick über das Programm der nächsten Spielzeit.

Memmingen - Auf der jüngsten Versammlung des Zweckverbandes Landestheater Schwaben (LTS) gab die Theaterleitung um Intendantin Dr. Kathrin Mädler einen Überblick über die Wirtschaftlichkeit der zurückliegenden Zeit und einen Ausblick auf die nahe Zukunft. Vize-Intendant und Oberspielleiter Peter Kesten erläuterte die Zahlen aus dem Jahr 2019, das vorläufige Ergebnis des „Corona-Jahres“ 2020 sowie die Entwicklung des vom Spielverbot gekennzeichneten laufenden Jahres.

Das „Normaljahr“ 2019 konnte demnach mit einer allgemeinen Rücklage von 415.000 Euro erfolgreich abgeschlossen werden, der Jahresabschluss wurde einstimmig festgestellt und Memmingens Oberbürgermeister Manfred Schilder als Verbandsvorsitzender ebenso einstimmig entlastet. Das Jahr 2020 konnte überraschend mit einem vorläufigen Ergebnis von etwa 280.000 Euro ebenfalls positiv abgeschlossen werden. Peter Kesten erläuterte, dass diese Situation auf die meisten Theater in Deutschland zutreffe, obwohl sehr viele Spielstätten keine oder nur minimale staatliche Überbrückungshilfen bekommen hatten. Für das LTS waren das bei einem Gesamtvolumen von etwa 3,7 Millionen Euro gerade einmal 11.000 Euro direkte Staatshilfe. Vor allem das Kurzarbeitergeld aus der Arbeitslosenversicherung hat jedoch geholfen, 2020 über die Runden zu kommen. Bisher spielt das Kurzarbeitergeld auch im laufenden Jahr 2021 eine wichtige Unterstützungsrolle. Noch, wie Kesten betonte. Was die Zukunft bringe, stehe noch in den Sternen und verbreite auch Zukunftsängste.

Lob für Abonnenten

Unabhängig von den „frustrierenden Perspektiven“ für die Theaterlandschaft, so Intendantin Kathrin Mädler, bleibe man „agil und flexibel“ und habe bereits viele kreative Lösungsansätze mit allen Partner des LTS vorbereitet und angefangen umzusetzen. Ziel ist es, alle Partner vom Publikum bis zu den Partnern in den Mitgliedsgemeinden vor Ort zu ermutigen, damit die Bühnen, Programme und Kulturinitiativen möglichst überall erhalten bleiben. Zu diesen kreativen Lösungen gehört das so genannte „DIVE-In“-Projekt aus der Reihe „neues Schwaben, neues Glück“, für das schnell ein Förderantrag bei der Kulturstiftung des Bundes gestellt und bewilligt wurde. Dabei handelt es sich um ein „Multi-Plattform Story Telling“-Projekt, so Mädler. Das Projekt bezieht aktiv die Partner vor Ort ein, um deren Kulturgeschichten zu sammeln und zu erzählen. Das können theatrale Formen sein, Filme, Kunst-Ausstellungen und Geschichten rund um die Kultur vor Ort. All diese Elemente sollen dann zu einer digitalen multimedialen Darstellung zusammengeführt werden. Ideen aus dem Zweckverbandsgebiet sind gerne willkommen.

Streamen gut angenommen

Das Streaming von Aufführen des LTS gehört ebenfalls zu den Pluspunkten, die man entwickeln konnte. Diese kostenpflichtige Angebote werden für die Theatermacher überraschend gut angenommen und bringen zusätzliche Einnahmen, die so nicht erwartet werden konnten. Peter Kesten sprach in diesem Zusammenhang ein großes Lob für das Publikum und die geduldigen Abonnenten aus. Von den insgesamt etwa 1400 verschiedenartigen Abos sind im vergangenen Jahr einige wenige tatsächlich corona-bedingt gekündigt worden. Das sei zwar schade, dennoch verständlich, bedeute aber gleichzeitig eine sehr hohe Verbundenheit des treuen Publikums mit dem LTS. Den Abonnenten werde man in Kürze das Angebot machen, die bisherigen nicht genutzten Zahlungen auf den Abschluss eines Abos für die neue Spielzeit anzurechnen. Abgesprungene Abonennten wieder zurück zu gewinnen, sei deutlich schwieriger, als mit den vorhanden in Dialog und Verbindung zu bleiben.

Zweckverband LTS:

Dem Zweckverband des Landestheaters Schwaben (LTS) gehören der Bezirk Schwaben und die Landkreise Ober-, Unter- und Ostallgäu sowie Günzburg und Dillingen an. Darüber hinaus sind die Städte Memmingen, Bad Wörishofen, Friedberg, Füssen, Günzburg, Kaufbeuren, Kempten, Lindenberg, Marktoberdorf, Mindelheim, Nördlingen und Sonthofen sowie die Gemeinden Oberstdorf, Nesselwang und Pfronten vertreten.

Aufgabe des Zweckverbandes ist die Sicherstellung eines Theaterangebotes im Regierungsbezirk Schwaben sowie dessen Finanzierungsgrundlagen und künftige Ausrichtung.

Das Programm der neuen Spielzeit, die voraussichtlich nicht vor Juli unter den bekannten Einschränkungen aufgenommen werden könne, trägt den Titel“ Reset now“ . Es folgt auf „Zwischen den Zeiten“ der Spielzeit 20/21 und soll dazu beitragen, der „gesellschaftlichen Spaltung entgegen zu wirken“, so Intendantin Mädler. Für sie ist es die letzte Spielzeit in Memmingen, bevor sie zum Theater in Oberhausen wechselt.

Intendanz-Nachfolge

Derweil haben sich nach Angaben von Zweckverbandsvorsitzendem Manfred Schilder bereits deutlich über 60 Bewerbungen für die freiwerdende Intendanz angesammelt. Sowohl die große Zahl der Bewerbungen als auch das hohe Ansehen, das bei allen Bewerbungen gegenüber der neu geschaffenen „jungen Sparte“ zu lesen war, freut Schilder sehr. Momentan werde eine Auswahl der möglichen Kandidat/innen für die Zweckverbandsversammlung am 8. Juni vorgenommen. Dann sollen sich die ausgewählten Anwärter/innen vorstellen und eine Entscheidung von der Versammmlung über die Nachfolge von Dr. Mädler getroffen werden. (Tom Otto)

Auch interessant

Meistgelesen

„jetzt red i“ kommt in die Mehrzweckhalle Hawangen
„jetzt red i“ kommt in die Mehrzweckhalle Hawangen
Etwas andere Abiturfeier am Memminger Vöhlin-Gymnasium
Etwas andere Abiturfeier am Memminger Vöhlin-Gymnasium

Kommentare