Die Fronten haben sich verhärtet

Memmingen: Amtsgericht gibt am Montag (31. August) Urteil im Streit um den Fischertagsverein bekannt

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Dürfen zukünftig auch Frauen und Mädchen beim Fischertag in den Stadtbach jucken? Das mit Spannung erwartete Urteil wird am Montag bekannt gegeben.

Memmingen – Die Maustadt ist nach den Memminger Prozessen Ende der 80er Jahre wieder in den bundesweiten Schlagzeilen. Der Bayerische Rundfunk, die Süddeutsche Zeitung und sogar der Spiegel berichteten über den Streit, ob Frauen am Fischertag in den Stadtbach jucken dürfen oder nicht.

Dabei gibt es die Diskussion schon seit Jahren. Zwei Mal lehnte die Delegiertenversammlung des Fischertagsvereins den Antrag dazu mit großer Mehrheit ab. Laut der Satzung des Fischertagsvereins du?rfen ausschließlich männliche Vereinsmitglieder in die Gruppe der Stadtbachfischer aufgenommen werden. Dies umfasst auch Jungen ab dem sechsten Lebensjahr. Mädchen und Frauen dürfen nur zuschauen. Jetzt sah die Tierärztin und Hundetrainerin Christiane Renz, bereits seit über 30 Jahren Mitglied im Verein, nur noch die Möglichkeit, ihren Wunsch gerichtlich durchsetzen zu lassen. Die Klägerin beruft sich dabei auf den Gleichbehandlungsgrundsatz gemäß Artikel 3 des Grundgesetzes und das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Diese würden geschlechtsspezifische Diskriminierungen verbieten. Es gibt laut der Gesellschaft für Freiheitsrechte auch keine sachlichen Gründe dafür, Frauen und Mädchen vom Ausfischen auszuschließen. Das Bundesverfassungsgericht habe bereits 1991 entschieden, dass allein die gelebte Tradition nicht ausreiche, eine Ungleichbehandlung zu rechtfertigen, argumentiert die Klägerin. Die Gesellschaft für Freiheitsrechte geht in ihrer Argumentation noch weiter. „Als alleiniger Ausrichter des wichtigsten städtischen Kulturevents nimmt der Verein eine zentrale Rolle im gesellschaftspolitischen Gefüge in Memmingen ein. Frauen und Mädchen würde somit ein bedeutender Teil des sozialen Lebens der Stadt verwehrt. Die Klägerin ist mit dem Fischertag groß geworden und wollte schon immer beim Ausfischen mitmachen wie ihr Bruder und ihr Neffe. Auch ihre Anwältin sieht keinen sachlichen Grund, der dagegenspricht.

Tradition seit über 100 Jahren

Der Fischertagsverein argumentiert erwartungsgemäß komplett anders. Er beruft sich auf die Tradition und das Vereinsrecht. Den Memminger Fischertag gibt es seit dem 16. Jahrhundert und wird seit über 100 Jahren in seiner jetzigen Form begangen. Die Regelung, dass nur Männer den Bach ausfischen dürfen gibt es bereits seit 1931. Der Verein argumentiert auch mit dem Artikel 9 des Grundgesetzes. Dort ist die Selbstbestimmung der Vereine geregelt. Der Vorsitzende des Fischertagsvereins, Michael Ruppert, beruft sich auch auf die Delegiertenversammlung des Vereins, der zwei Anträge der Klägerin auf Satzungsänderung abgelehnt hatte. Die Richterin fragte bei der Verhandlung, warum der Vorstand keine Ausnahmen genehmigen wolle, was laut Satzung möglich sei. Rupert entgegnete darauf, man wolle an der Tradition festhalten.

Gemeinnützigkeit in Gefahr

Ganz egal wie das Urteil am kommenden Montag ausfällt, beide Seiten ließen durchblicken, bei einer Niederlage in die nächsthöhere Instanz zu gehen. Die Anwältin der Klägerin zeigte sich sogar bereit, bis zum Bundesverfassungsgericht zu gehen. Die ganze Geschichte hat natürlich auch einen finanziellen Aspekt. Im Falle einer Niederlage würde der Verein die Gemeinnützigkeit verlieren, was beträchtliche finanzielle Einbußen zur Folge hätte. Ein großes Thema ist der Streit auch in den sozialen Medien. Auffällig dabei ist, dass viele Frauen sich gegen eine Satzungsänderung aussprechen und lieber als Kübelesmädels am Rand stehen und auf die gefangenen Forellen aufpassen wollen. Auf jeden Fall wird das Thema die Gemüter noch eine ganze Zeit lang weiter bewegen. Und ob es in Zeiten von Corona jemals wieder einen Fischertag in gewohnter Form geben wird, steht auch in den Sternen. (ew)

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