Beschluss im II. Senat

Memmingen bekommt testweise einen Hundespielplatz

Hunde aller Größen und Rassen brauchen Auslauf. Darüber diskutierte der Bausenat in jüngster Sitzung.
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Hunde aller Größen und Rassen brauchen Auslauf. Darüber diskutierte der Bausenat in jüngster Sitzung.

Memmingen – Etwa 1.500 Hunde gibt es im Stadtgebiet und die sorgen nicht nur für uneingeschränkte Freude. Es gibt Hundeliebhaber, die nicht ohne ihren Vierbeiner können und es gibt Andere, die sich durch Gebell und Verunreinigungen gestört fühlen oder gar Angst vor Hunden haben.

Genau diese Diskrepanz in der Bevölkerung spiegelte sich bei den Stadträten im Umwelt-, Planungs- und Bauausschuss wider, als es um die Anträge von Gottfried Voigt (FW) und Heike Essmann (ÖDP) zur Errichtung von zentrumsnahen Freilaufflächen für Hunde ging. Die ÖDP sammelte 331 Unterschriften zur Unterstützung dieses Antrags, die dem Oberbürgermeister bereits übergeben wurden. Das Publikum, bestehend aus vielen Hundebesitzern, verfolgte die Diskussion aufmerksam.

Zu Beginn der Sitzung sprach sich die Stadtverwaltung aus verschiedensten Gründen gegen eine Freilauffläche für Hunde aus und schlug vor, die beiden Anträge abzulehnen. In keiner der umliegenden Städte gebe es etwas derartiges und die Begutachtung der vorhandenen Grünflächen durch das Garten- und Friedhofsamt habe auch keinen geeigneten Platz aufgezeigt. Weiter sollten die wenigen öffentlichen Flächen uneingeschränkt der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden, argumentierte die Verwaltung. Das Ordnungsamt befürchtete, dass die Umgebung solcher Hundespielplätze durch nicht entsorgte Hundekotbeutel „schleichend verschmutzt“ werde. Weiter ist die Verwaltung der Meinung, dass es in Memmingen und den Stadtteilen ausreichend Möglichkeiten gibt, in der freien Natur mit seinem Tier spazieren zu gehen.

Positive Erfahrungen

Voigt, dem als Antragsteller Rederecht eingeräumt wurde, obwohl er nicht Mitglied des II. Senats ist, bezeichnete den Hund als ältesten Freund der Menschheit. Der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft wollte der negativen Argumentation der Verwaltung nicht folgen und monierte, dass man dort so eine Freilauffläche einfach nicht wolle. Dabei habe man in 30 Städten bereits positive Erfahrungen mit solchen Hundespielplätzen gemacht. Ihm gehe es darum, gut erzogenen Hunden die Möglichkeit zu geben, unangeleint ihren Artgenossen zu begegnen. Voigt appellierte aber auch an die Hundehalter, die Verantwortung für ihre Tiere zu tragen. „Wer seinen Vierbeiner nicht im Griff hat, darf ihn auch nicht von der Leine lassen.“

Auch die ÖDP argumentierte mit positiven Erfahrungen in anderen Städten. So gebe es beispielsweise in Dortmund 16 Freilaufflächen, die jeweils mit einem 1,43 Meter hohen Zaun umgeben sind, die sehr gut angenommen würden. Auch strukturiere das tägliche Gassigehen den Alltag der Hundebesitzer und fördere die Beweglichkeit. Die Ökopartei schlug als Fläche für einen Hundespielplatz den Hubergarten am Kuhberg vor. 

Bernhard Thrul (Grüne) mag laut eigenen Angaben zwar keine Hunde, sprach sich aber für eine Probephase aus und auch Stefan Gutermann (CSU) meinte, wenn der Bedarf bestehe, solle man das ausprobieren. Gutermann warf aber auch ein, dass niemand verpflichtet sei, einen Hund zu halten. Die Zweite Bürgermeisterin Margareta Böckh bezeichnete den Antrag als „zumindest nicht unproblematisch“. Sie schütze lieber Kinder, als Hunde frei in Parkanlagen laufen zu lassen. Böckh zitierte in diesem Zusammenhang aus einem Zeitungsartikel, in dem über erhöhte Bissvorfälle in Bayern berichtet wurde, ohne aber darauf hinzuweisen, dass dies lediglich auf die angestiegene Anzahl von Hunden in Bayern zurückzuführen sei. Prof. Dr. Josef Schwarz (CSU), Besitzer eines Border Collie, sieht keinen Anlass für einen Hundespielplatz. „Wer glaubt, dass es für Hunde eine Lust ist, in einem abgesperrten Gelände mit anderen Hunden zu sein, der ist blauäugig“, so Schwarz.

Als Kompromiss beschlossen die Räte mit den Gegenstimmen von Stefan Liepert (Grüne) und Prof. Dr. Josef Schwarz, in 2021 probeweise den Hubergarten einzuzäunen und den Hunden und ihren Besitzern zur Verfügung zu stellen.
von Elmar Würth

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