Das „Juwel“ nicht aus der Hand geben

Bürgerinitiative fordert Umdenken bei der Planung des Bahnhofareals

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Die Bürgerinitiative Bf/4 fordert ein Umdenken bei der Planung des Memminger Bahnhofareals und strebt einen Bürgerentscheid an, bei dem das bereits geplante und vom Stadtrat beschlossene Projekt komplett umgekrempelt werden soll.

Memmingen – Es gibt Bürgerinnen und Bürger, denen der Entwurf zur Neugestaltung des Bahnhofsareals nicht in allen Punkten gefällt. Eine lose Initiative mit dem Namen Bf/4 fordert nun mehr Mitbestimmung und strebt einen Bürgerentscheid an, bei dem das gesamte, bereits fest geplante und vom Stadtrat beschlossene, Projekt komplett umgekrempelt werden soll.

In einem Presse- und Informationsgespräch erläuterten die beiden Sprecher der Gruppe, Franziska Mamitzsch und Jakob Gutermann, die Gründe für ihren Vorstoß. Die Beiden stoßen sich zuerst an der Tatsache, dass die Stadt mit dem Bahnhofsareal ein 7.500 Quadratmeter großes „Juwel“ einfach so verkaufe und damit ein Gebiet mit weiterem Wertanstieg aus der Hand gebe. Weiter habe die Stadt die Bürgerschaft nicht genügend über ihre Pläne informiert, auch was erhaltungswürdige, teilweise über 500 Jahre alte Gebäude betreffe, die im derzeitigen Plan einfach abgerissen würden. Der Beschluss des Stadtrates sei wenig bindend und nichtssagend, was die Fassadengestaltung betreffe und bei der Frontansicht des langen Blockes entlang der Bahnhofsstraße seien die Ein- und Ausfahrten der Parkgarage und der Lieferzugänge nicht berücksichtigt worden, um ein optisch besseres Bild für die Entscheidungsgremien darzustellen. 

Weiter kritisierten Mamitzsch und Gutermann die zu große Parzellierung und die gewaltigen Höhenunterschiede der Gebäude im Planungsentwurf. Neben den baulichen Planungen kritisiert das Bündnis auch die sozialpolitische Struktur des derzeitigen Entwurfs. Mamitzsch erinnerte dabei an das Wohnungsproblem in der Innenstadt. Es seien zwar 39 Wohnungen vorgesehen, was aber viel zu wenig sei, wenn man die vom Stadtrat festgelegten Rahmenziele „Belebung des Quartiers“ und „Stärkung der Wohnfunktion in der Innenstadt“ berücksichtige. Weiter handle es sich nicht um „bezahlbaren Wohnraum“, da die ausführende Hand ein Investor mit Gewinnabsichten sei. 

2.800 Unterschriften benötigt

Für das geplante Bürgerbegehren benötigt die Gruppe Bf/4 etwa 2.800 Unterschriften, die sie bis Februar nächsten Jahres beisammen haben will. Die Frage wird dann lauten „Sind Sie dafür, das laufende Verfahren für die Neugestaltung des Bahnhofsareals nicht weiter zu verfolgen, um ein neues Verfahren mit Beteiligungsprozess für die Bürgerinnen und Bürger und unter Begleitung eines unabhängigen Fachgremiums zu ermöglichen?“ Wenn die Unterschriften zusammen sind, müssen sie noch von der Stadtverwaltung erfolgreich geprüft werden und dann könnte am Tag der Europawahl auch über das Bürgerbegehren abgestimmt werden. Bürgerinnen und Bürger können sich jeden Mittwoch ab 19 Uhr im Café Konnex (ehemals Mohrenapotheke am Marktplatz) über das Projekt informieren und auch ihre Unterschrift dort abgeben. In absehbarer Zeit plant Bf/4 auch, Unterschriftenlisten in Memminger Geschäften auszulegen. (ew)

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