„Sich des eigenen Verstandes bedienen“

Memmingen: Demonstration gegen „Querdenker“ auf dem Westertorplatz

Rund 80 Menschen demonstrieren auf dem Westertorplatz in Memmingen gegen eine „Querdenker“-Demo.
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Rund 80 Menschen demonstrierten unter dem Motto „Gemeinsam achtsam - mit Abstand zusammenhalten“ am Freitag auf dem Westertorplatz gegen die zeitgliech stattfindende „Querdenker“-Demo.

Memmingen – „Wir, Die Linke, sind überzeugt, dass wir die Corona-Pandemie nur gemeinsam mit Rücksicht und Solidarität lösen können. Egoismus und die Spaltung der Gesellschaft ist definitiv kein Weg.“ So war der Tenor der Demonstration auf dem Westertorplatz gegen die „Querdenker“-Demo am vergangenen Freitag.

Den Artikel zur „Querdenken“-Demonstration in Memmingen finden Sie hier.

Die Partei „Die Linke“ brachte rund 80 Teilnehmer zusammen und demonstrierte gegen Rechtsextremismus und Verschwörungstheorien im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Unter dem Motto „Gemeinsam achtsam – mit Abstand zusammenhalten“ fordert die Partei neben der wirtschaftlichen Unterstützung eine parlamentarische und öffentliche Diskussion zu den Maßnahmen. Die Parlamente in Bund und Ländern dürfen ihrer Meinung nach nicht weiter umgangen werden. Je länger die Pandemie dauert, umso intensiver müssten die Volksvertreter und die Bürger mit einbezogen werden und umso mehr müsse darüber nachgedacht und diskutiert werden, wie eine Gesellschaft strukturiert sein muss, um diesen Gefahren in Zukunft besser begegnen zu können. Neben Linken-Politikern und dem Kinderarzt Peter Büttner sprach auch die Juso-Vorsitzende und Memminger Bundestagskandidatin für die SPD, Regina Leenders, zu den Demonstranten.

Die Schauspielerin am Landestheater Schwaben warb dafür, dass die Beschäftigten des Gesundheitssystems endlich angemessen bezahlt werden. Leenders sprach sich aber auch gegen Maßnahmen wie die pauschale Schließung von Freizeiteinrichtungen aus und will die Regierungen und Parlamente darauf aufmerksam machen, wo sie besser differenzieren müssten, welche Berufsstände sie bei ihren Hilfsmaßnahmen vergessen. Sie mahnte an, dass Kultur keine Freizeit sei, sondern einen Bildungsauftrag habe.

Fragwürdige Online-Quellen

Aber dann gebe es diese Menschen, die sich ein Zitat von Immanuel Kant auf die Fahne geschrieben haben: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.“ Sie meinten laut Leenders damit, dass man nur tief in sich hineinhorchen müsste, ob etwas logisch oder unlogisch erscheint. Dabei würden sie sich auf dubiose Quellen aus dem Internet beziehen, die eine Gemeinsamkeit haben, nämlich die Abkehr von den sogenannten „Mainstream-Medien“ und der „Mainstream-Wissenschaft“. Sie gehen auf die Straße, weil sie glauben, dass Masken bei der Verbreitung eines Virus irrelevant seien. Sie glauben, dass es durch das Tragen von Masken zu gesundheitlichen Schäden komme oder weil sie glauben, eine Maske würde ihnen ihre Freiheit zur Meinungsäußerung stehlen und sie deshalb als „Maulkorb“ bezeichnen. Diese Menschen denken laut Leenders, dass sie nur für ihr Leben verantwortlich sind und diejenigen, die an Masken und auch an die Gefährlichkeit von Corona glauben, ja gerne eine Maske tragen könnten. Die Bundestagskandidatin kritisiert, dass diese Menschen nur die erstbesten Artikel fragwürdiger Internet-Quellen lesen, die allein ihren Glauben und ihre banale Angst bestätigen, anstatt sich ernsthaft zu informieren. Sie seien diejenigen, die in ihrer Unmündigkeit verharren und Leenders rät ihnen, den Mut zu haben, sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen. (ew)

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