Oberbürgermeister Schilder unterschreibt Memminger Manifest 

Memmingen ist jetzt „Stadt der Freiheitsrechte”

Zur Unterzeichnung des Dokuments war auch Memmingens Ehrenbürger Herbert Müller (links) gekommen. Zusammen mit Oberbürgermeister Manfred Schilder (Mitte) sind Memmingens Dritter Bürgermeister Dr. Hans-Martin Steiger, die Zweite Bürgermeisterin Margareta Böckh sowie Stadtrat MdL Klaus Holetschek im Bild. 
+
Zur Unterzeichnung des Dokuments war auch Memmingens Ehrenbürger Herbert Müller (links) gekommen. Zusammen mit Oberbürgermeister Manfred Schilder (Mitte) sind Memmingens Dritter Bürgermeister Dr. Hans-Martin Steiger, die Zweite Bürgermeisterin Margareta Böckh sowie Stadtrat MdL Klaus Holetschek im Bild. 

Memmingen – Bei seiner jüngsten Plenumssitzung hat der Stadtrat den Namenszusatz „Stadt der Freiheitsrechte“ beschlossen. Zusätzlich unterschrieb Oberbürgermeister Manfred Schilder das Memminger Manifest, in dem sich die Stadt dazu verpflichtet, sich für das Gedenken an die „Zwölf Bauernartikel“ in besonderer Art und Weise einzusetzen.

Stadtrat MdL Klaus Holetschek hatte zuvor den Antrag zum Namenszusatz „Stadt der Freiheit“ gestellt. In einem neu erarbeiteten Tourismuskonzept waren für die Entwicklung touristischer Angebote in Memmingen Alleinstellungsmerkmale definiert worden, wie Kulturamtsleiter Dr. Hans-Wolfgang Bayer in der Sitzung erläuterte. An vorderer Stelle stand dabei der Bezug auf die weit über die Stadtgrenzen hinaus bedeutsame Abfassung der „Zwölf Bauernartikel“. Dieser 1525 in der Memminger Kramerzunft verfasste Forderungskatalog gilt als die erste Niederschrift von Menschen- und Freiheitsrechten in Europa. Um dieses geschichtliche Ereignis angemessen zu würdigen und noch stärker in das Bewusstsein der Menschen zu rufen, solle Memmingen künftig den Namenszusatz Stadt der „Freiheit” tragen. Dieser unterstreiche auch die Demokratie, die ohne Freiheit nicht denkbar sei, so Bayer.

„Die Kramerzunft ist ein Gebäude, das historisch bedeutsam ist“, betonte auch Oberbürgermeister Manfred Schilder. Es handele sich hier um „ein Alleinstellungsmerkmal, auf das wir stolz sind, das aber auch Verpflichtungen für uns darstellt, sodass das Jubiläumsjahr 2025 mit einem gewissen Rahmen ausgestattet werden muss.“ Von der Verabschiedung des Memminger Manifestes solle ein Impuls in Richtung des 500. Gedenktages des Bauernkrieges gehen. Mit einer möglichst breitangelegten Palette von Veranstaltungsformaten und touristischen Angeboten soll die Stadt bis dahin angemessen in Szene gesetzt werden.

Zu diesem Thema ergriff auch Memmingens Dritter Bürgermeister, Dr. Hans-Martin Steiger, das Wort. Ihm zufolge sei dieses lange zurückliegende Ereignis nicht nur historisch zu sehen, sondern allgegenwärtig. „Deutschland, Deutschland über alles‘ - das, Herr Maier, ist unvereinbar mit dem Grundgesetz und mit dem, was das Memminger Manifest ausdrückt“, sagte er an seinen Stadtratskollegen Christoph Maier (AfD) gerichtet und fügte hinzu: „Mit dem Memminger Manifest bekennen wir uns zu dem, was mutige Bauern vor fast 500 Jahren in der Kramerzunft gefordert haben.“ Der Ruf nach Freiheit, Rechtsstaatlichkeit und Menschenwürde, die für alle gelte - unabhängig von Hautfarbe, Herkunft und Religion - müsse sich immer wieder neu zur Aufgabe und Verpflichtung gemacht werden. „Allein im letzten Jahr sind über 8.000 rassistische Straftaten festgestellt worden, die Dunkelziffer liegt weit höher. Und solche Übergriffe beginnen schon mit Worten. Sie bilden den Nährboden für Taten“, fuhr Steiger fort. „Wer, wie kürzlich Herr Maier von ‚Bevölkerungsaustausch und Islamisierung‘ spricht und dies zum Markenzeichen der AfD macht, (…) der beschränkt Freiheit auf Seinesgleichen, der sät Zwietracht, schürt Ängste, grenzt Andersdenkende und Andersglaubende aus, erhebt sich über andere. Wohin das führt, erfahren Sie, Herr Maier, jeden Tag, wenn Sie über Stolpersteine in Ihr Büro gehen.“ Dem ein anderes Handeln entgegenzusetzen, sei Inhalt des Memminger Manifests.

Klaus Holetschek pflichtete dem Dritten Bürgermeister bei: „Es ist viel mehr als nur ein Namenszusatz, es ist eine Haltung. Wir brauchen Signale in unserer Gesellschaft. Memmingen ist eine Stadt der Menschlichkeit.“ Zuletzt warf Stadtrat Matthias Reßler (SPD) ein, dass „Stadt der Freiheitsrechte“ ein noch treffenderer Zusatzname wäre als „Stadt der Freiheit“. Dieser passe besser zum historischen Kontext der Maustadt. Dem stimmte Manfred Schilder zu, der Beschluss fiel schließlich mit nur zwei Gegenstimmen von Christoph Maier und Genovefa Kühn (beide AfD). Damit trägt Memmingen von jetzt an den Titel „Stadt der Freiheitsrechte“. (jz)

Besuchen Sie den Memminger KURIER auch auf Facebook!

Auch interessant

Meistgelesen

Gemeinderat Ottobeuren diskutiert über neuen Norma
Gemeinderat Ottobeuren diskutiert über neuen Norma
Wegen Corona: Umbaumaßnahmen im Memminger Hermansbau
Wegen Corona: Umbaumaßnahmen im Memminger Hermansbau
Memmingen: Kämmerer Jürgen Hindemit offiziell verabschiedet
Memmingen: Kämmerer Jürgen Hindemit offiziell verabschiedet
Verbundleitung Memmingen - Heimertingen in Betrieb genommen
Verbundleitung Memmingen - Heimertingen in Betrieb genommen

Kommentare