Keine Toleranz gegenüber Intoleranz

Memmingen: Kundgebung und Ausstellung zum Kriegsende

Eine Kundgebung zum Kriegsende vor 75 Jahren – coronabedingt im kleinen Kreis – fand auf dem Memminger Marktplatz statt.
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Eine Kundgebung zum Kriegsende vor 75 Jahren – coronabedingt im kleinen Kreis – fand auf dem Memminger Marktplatz statt.

Memmingen – In ganz Europa wurde am 8. Mai an das Kriegsende vor 75 Jahren erinnert. So auch in Memmingen. Aufgrund der Corona-Krise wurde aber auf eine große Kundgebung verzichtet.

Der Soziokulturelle Verein Memmingen e.V. hat anlässlich des Tages der Befreiung vom NS-Regime und dem Ende des Zweiten Weltkrieges eine Kundgebung im kleinen Personenkreis auf dem Memminger Marktplatz abgehalten. Im Anschluss wurde eine 15-teilige Ausstellung zum Thema „Kriegsende, Aufarbeitung und Krieg heute“ entlang des Stadtbaches installiert.

Auf dem Marktplatz gab es zuerst Redebeiträge zum Thema Kriegsende, globale Kriege und seine Folgen heute. Hervorgehoben wurde dabei die Petition von Esther Bejarano und dem Verband der Verfolgten des Naziregimes mit dem Anliegen, den 8. Mai zum staatlichen Feiertag zu machen. Dieser Tag sei eine Mahnung an alle Menschen, dass sich so etwas wie der Nationalsozialismus nie wiederholen dürfe. Leider sei der Antifaschismus immer noch keine Selbstverständlichkeit, so die Redner. Mit der AfD gebe es erstmals seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges wieder eine Partei des extrem rechten Spektrums. Auch wenn zu Zeiten von Corona deren Umfragewerte wieder sinken, würden Rassisten in allen Parlamenten sitzen und könnten dort hetzen und rassistische Politik vorantreiben.

Die Aktivisten wiesen auch auf die rechten Umtriebe im Allgäu hin. Gruppierungen der extremen Rechten, wie im Allgäu vor allem „Voice of Anger“ oder die „Identitäre Bewegung“, arbeiten und vernetzen sich weltweit, um ihrer menschenverachtenden Ideologie verstärkt Gehör und Akzeptanz zu verschaffen. In Internetforen und Chatgruppen würden sich immer mehr Menschen radikalisieren, die gemeinsam rechtsradikale Aktionen und Anschläge planen und umsetzen. Es werde eine Politik vorangetrieben, die sich an der Sicherung des Wohlstands und der Privilegien Weniger orientiert, was dazu führe, dass Freiheitsrechte immer weiter eingeschränkt würden.

Ein Ergebnis dieser Aktivitäten sei, dass sich Rassisten immer weiter in ihren abstrusen Weltanschauungen bestätigt fühlen und versuchen würden, diese weiter zu verbreiten und umzusetzen. Außerdem führe es dazu, dass antifaschistische Arbeit mehr und mehr diskreditiert werde. Antifaschismus müsse zum unbestrittenen Grundsatz einer jeden Gesellschaft werden, forderten die Mitglieder des soziokulturellen Vereins. Es dürfe keine Rückzugsmöglichkeiten für Rassisten mehr geben und keine Toleranz gegenüber jeglicher Art von Diskriminierung. Die Ausstellung wurde entlang des Stadtbachs vom Marktplatz zum Schrannenplatz aufgehängt. Dort und im Stadtpark „Neue Welt“ ist sie noch bis zum 15. Mai zu sehen. Leider wurde bereits eine Stunde nach dem Aufhängen der Plakate entlang des Stadtbachs festgestellt, dass ein Plakat mit Kommentaren beschmiert wurde. Auch wenn es leider nicht allzu überraschend sein sollte, zeigt sich der Verein bestürzt, wie unmittelbar diese Ausstellung Menschen auf die Füße trete und sie zu solchen Handlungen bewege. Dies sei ein weiteres Zeichen dafür, dass die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verbrechen in der Gesellschaft nach wie vor wichtig und notwendig ist, so die Veranstalter. (ew)


Laut Auskunft des Soziokulturellen Vereins Memmingen e.V. wurden die Plakate der Spazierausstellung in Memmingen und Ottobeuren nur einen Tag später entfernt, beschädigt oder zerstört:

75 Jahre Kriegsende: Ausstellung in Memmingen und Ottobeuren beschädigt

 © Privat
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