Leise sein, obwohl man schreien möchte

Memmingen: Landestheater Schwaben inszeniert „Dienstags bei Kaufland“ auf der Studiobühne

David Lau in der Rolle der Roberta in „Dienstags bei Kaufland“ am Landestheater Schwaben.
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David Lau in der Rolle der Roberta in „Dienstags bei Kaufland“.

Memmingen - Ein alter Sessel, mehrere Steh- und Tischlampen drumherum drapiert, ringsum an der Wand Sofas und Sessel, zu denen die Zuschauer einzeln geführt werden. So präsentierte das Landestheater Schwaben das erste Stück auf der Studiobühne in Zeiten von Corona.

Roberta, dargestellt von David Lau, hieß früher Robert und sie ist melancholisch. Seit dem Tod ihrer Mutter kümmert sich die transsexuelle Roberta jeden Dienstag um ihren Vater, der sie noch immer Robert nennt. Sie macht den Haushalt, putzt und bügelt und anschließend gehen die Beiden zum wöchentlichen Großeinkauf zu Kaufland.

Von Akzeptanz und innerlicher Befreiung

Die Problematik des Stücks ist schnell umschrieben. Der Vater kann nicht akzeptieren, dass er keinen Sohn mehr hat, sondern von nun an eine Tochter, die endlich so sein kann, wie sie es schon immer fühlt. Doch kann sie es wirklich?

Thematik ausdrucksstark umgesetzt

Die tragische Komödie erzählt aus der Perspektive von Roberta von ihr, ihrem Vater, den sie über alles liebt, und den Problemen, die ihre Transsexualität mit sich bringt. Roberta „zwingt sich, leise zu sein, obwohl sie schreien möchte“. Diesen Ausspruch setzte Intendantin und Regisseurin Dr. Kathrin Mädler im gesamten Stück ausdrucksstark um, indem sie Lau leise Robertas Geschichte erzählen ließ – nur ihre Gedanken wurden laut hinausgeschrien. Die Beziehung Robertas zu ihrem Vater, verbunden mit dem sehr melancholisch spielenden David Lau, regt den Zuschauer mitunter sogar an, über die eigene Beziehung zu den Eltern nachzudenken.

Rückfall in alte Verhaltensmuster und neue Erkenntnisse

In der zweiten Hälfte des Stückes streift Roberta das altbackene Kostüm ab und ein kurzes glitzerndes Kleid kommt zum Vorschein, sie tanzt zu lauter Musik auf dem Sessel und versucht sich so von ihrer Melancholie zu befreien, was ihr aber letztendlich misslingt. Wieder fällt sie zurück in alte Verhaltensweisen und versucht krampfhaft, die Zuneigung ihres Vaters zu erlangen. Als die beiden auf dem Heimweg eine Bekannte des Vaters treffen, merkt Roberta dann jedoch, dass sie ihren Vater nicht so gut kennt, wie sie bisher dachte. (ew)

Weitere Vorstellungen:

„Dienstags bei Kaufland“ wird noch am 24. September (20 Uhr), 26. September (16 Uhr), 4. Oktober (19 Uhr) und 13. Oktober (20 Uhr) auf der Studiobühne am Landestheater Schwaben in Memmingen aufgeführt.

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