Eselsrücken und Katzenkopfpflaster

Memmingen: Neue Entdeckungen bei Sanierung der Stadtmauer

Die circa ein Quadratmeter große Stelle zwischen Mauer und Wohnhaus mit dem sichtbar gewordenen Katzenkopfpflaster.
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Die circa ein Quadratmeter große Stelle zwischen Mauer und Wohnhaus mit dem sichtbar gewordenen Katzenkopfpflaster.

Memmingen - Es geht weiter voran bei der Sanierung der Memminger Stadtmauer. Im Bereich rund um das frühere Kalchtor, neben der Mauer, die parallel zur Kohlschanzstraße verläuft, haben Grabungen jetzt ein altes Pflaster zutage gefördert. Und ein schon lange verbauter Formstein ist den Fachleuten erst jetzt ins Auge gesprungen.

Wie die Stadt Memmingen mitteilt, gab es früher zwischen dem Haus Nummer 47 in der Kalchstraße und der Stadtmauer eine kleine Gasse. „Ein Durchgang, gerade mal so breit, dass eine Person hier gut laufen konnte“, schildert Archäologe Fabian Hopfenzitz den Ort, wie er wahrscheinlich noch vor 150 Jahren existierte. Hier in der vergessenen Ecke, in der die Arbeiter der Sanierungsmaßnahme die Fundamente der Mauer untersuchen sollten, kamen nun nach rund einem halben Meter Schutt und Dreck die Steine eines recht gut erhaltenen Katzenkopfpflasters ans Licht.

Die Gasse, die seit dem Abbruch des Kalchtors nicht mehr öffentlich zugänglich ist, da der Zugang zwischen Mauer und Bürgerhaus zugemauert wurde, offenbart, wie die zeitlichen Abläufe für die Bauten hier waren. „An dieser Stelle kann man gut festmachen, was wann abgerissen, umgebaut oder neu hinzugekommen ist“, erläutert Architekt Ludwig Kögl die Entdeckung. Die Arbeiten – mühsam händisch mit Bohrhammer und Schaufel erledigt – führten dann noch mindesten 30 bis 40 Zentimeter tiefer, damit die Stadtmauerfundamente genauer betrachtet werden konnten. Wenn die Sanierung weiter voranschreitet, wird jedoch bald nichts mehr zu sehen sein vom alten Gassenbelag, da die Mauer in diesem Bereich abgestützt werden muss. Und dass wird an dieser Stelle dann später ein schlanker Stahlbetonpfeiler erledigen.

Neben der Sichtung des Grunds in der ehemaligen kleinen Gasse geht es auch daneben sichtbar voran. Entlang der Kohlschanze wurden die behelfsmäßig angebrachten Ziegel und Betonteile entfernt, die vor einigen Jahrzehnten provisorisch in die Mauer eingebracht wurden. „Wahrscheinlich sollten die Löcher einfach verfüllt werden, weshalb nicht auf das Material geachtet wurde“, mutmaßt Ludwig Kögl. Dieses wurde jetzt aber fachgerecht entfernt und vor allem die Mauerkrone wird nun wieder so hergerichtet, wie sie ursprünglich gebaut wurde. Die Ziegel werden dabei mit einer Schräge versehen und in drei Reihen nach oben gemauert.

Der gotische Formstein mit dem Eselsrücken.

Gemeinsam mit den Fachleuten wurde auch die Baustelle am Luginsland besichtigt, dabei fiel den Experten der Stadt und des Architekturbüros Kayser + Böttges | Barthel + Maus ein ungewöhnlich geformter Stein auf, der bisher noch nicht in den Untersuchungen erwähnt wurde. Der Stein mit sogenanntem Eselsrücken oder Kielbogen ist definitiv gotisch, ist also zwischen 500 und 800 Jahre alt. „Er zierte wohl früher mal ein repräsentatives Gebäude“, ist sich Christoph Engelhard, Leiter des Memminger Stadtarchivs, sicher. Ob es sich dabei jedoch um ein weltliches oder kirchliches Gebäude handelte, könne er nicht sagen. Da früher jedoch nichts weggeworfen wurde, das noch verwendet werden konnte, wurde er wahrscheinlich um das Jahr 1470 einfach bei den Bauarbeiten für die Stadtbefestigung verbaut. Die Stadtmauer im Bereich des Luginsland ist übrigens jünger, als der Teil an der Kohlschanze. Wer genau hinsieht, kann das auch an der gänzlich unterschiedlichen Mauerkrone erkennen.(MK)

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