Neues Lichtkonzept bei Stadtrundgang erläutert

Die Memminger Altstadt mit Licht erlebbar machen 

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Eindrucksvolle Beleuchtung am Bettelturm.

Memmingen – Langsam wird es dunkel und der Marktplatz wird immer voller. Menschen drängen sich zwischen Brunnen und Rathaus, aber nicht alle haben das gleiche Ziel. Während sich die Teilnehmer der Stadtführung langsam in Richtung Martinskirche aufmachten, harrte der Rest unter beleuchteten Schirmen der Dinge, die da kommen.

Nachdem das „Memminger Altstadtleuchten“ im Mai dieses Jahres wegen schlechten Wetters verschoben werden musste, wurde die Veranstaltung vergangenen Samstag nachgeholt. Mit dem Lichtmasterplan Memmingen hat das Büro „licht raum stadt planung“ aus Wuppertal ein Konzept entwickelt, das die nächtliche Wirkung der Altstadt herausarbeitet und stärker erlebbar machen soll. Uwe Knappschneider und Katrin Höpfner von „licht raum stadt planung“ führten die Interessierten in Gruppen durch den vom Stadtplanungsamt organisierten Rundgang.

Keine dunklen Ecken

So könnte der Einlass in Zukunft beleuchtet sein.

Mit dieser Lichtinstallation wolle man Beispiele geben, wie die Beleuchtung in der Stadt künftig aussehen kann, führte Oberbürgermeister Manfred Schilder in seiner Einführung aus. Das Thema Licht habe in der Stadt ganz viele unterschiedliche Bedeutungen. Auf der einen Seite das Thema Sicherheit: Man wolle keine dunklen Ecken, sondern dass die Menschen sich sicher fühlen. Auf der anderen Seite dürfe man es aber mit der Beleuchtung auch nicht übertreiben. „Wir wollen etwas hervorheben, aber doch nicht grell beleuchten“, so der Rathauschef. Schilder wies aber auch auf die Verantwortung hinsichtlich Ökonomie und Ökologie hin. Ein Lichtkonzept müsse einerseits wirtschaftlich sein und auf der anderen Seite aber auch das Thema Artenschutz nicht außer acht lassen. Deshalb wolle man beispielsweise versuchen, Licht so einzusetzen, dass nachtfliegende Insekten einen schutzwürdigen Raum finden. Das alles miteinander zu vereinen ist laut Schilder nicht ganz einfach und darum habe man sich des Büros „licht raum stadt planung“ bedient, um miteinander zu überlegen, wie man ein Lichtkonzept für die Altstadt von Memmingen erreichen kann.

Masterplan bis Sommer

An acht verschiedenen Stellen wurden Lichtinstallationen eingerichtet, die dann in Gruppen durchwandert wurden. Die Stadt hat im Vorfeld schon einen Fragebogen gestaltet, in dem die Bewertung der Installationen abgefragt wurde. Schilder wies darauf hin, dass dies nur Beispiele sein sollten. Den endgültigen Masterplan wolle man bis zum Sommer 2020 abschließen, was aber nicht heißt, dass da schon alles umgesetzt sei, fügte der OB hinzu. Man wolle mit diesem Masterplan die Stadt auch bei Nacht erlebbar machen und damit die Lebensqualität und Wahrnehmung in der Stadt stärken. Dies geschehe auch im Einklang mit dem Umweltschutz. Schilder wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Stadt aufgrund des neuen „Versöhnungsgesetzes“ zum Artenschutz die Beleuchtung des Rathauses und anderer öffentlicher Gebäude um 23 Uhr ausschalten müsse.

Wenig ultraviolettes Licht

Weil „die Memminger ihren Stadtbach so lieben“, zeigte Uwe Knappschneider beim Rundgang zuerst eine kleine Lichtinstallation am Bach, welche er sich punktuell entlang des gesamten Bachverlaufes vorstellen könnte. Auf dem Weg in die Ulmer Straße betonte der Lichtplaner, dass es besonders für Gäste wichtig sei, zentrale Orientierungspunkte wie Stadttore zu beleuchten, damit sie sich besser zurechtfinden.

Beim Thema Energie erläuterte Knappschneider, man versuche mit entsprechenden Leuchtmitteln möglichst viel Energie einzusparen. So komme man beispielsweise bei der Beleuchtung des Grimmelhauses mit 25 Watt aus. Knappschneider ging im Verlauf des Spaziergangs auch auf den Umweltschutz ein. Auf die Frage, ob man wegen der Insekten nicht gelbes Licht verwenden müsse antwortet der Lichtexperte. „Wenn wir ein warm-weißes LED-Licht einsetzen, haben wir keine ultraviolette Strahlung, was wichtig für die Insekten ist, weil diese hauptsächlich auf blaues Licht anfliegen.“ Als Beispiel zeigte er den Bettelturm, wo solch ein warm-weißes Licht mit einer Lichtfarbe von 3.000 Kelvin verwendet wird. Bei den letzten beiden Strahlern bis zum Schwagertörchen habe man absichtlich aber kälteres Licht mit 4.000 Kelvin eingesetzt, um den Unterschied sichtbar zu machen. (ew)

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