Die Vakanz ist endlich vorbei

Neuer Pfarrer Sebastian Wieder in Steinheim ins Amt eingeführt

Dekan Christoph Schieder bei der Aussendung von Pfarrer Sebastian Wieder in Steinheim. Dahinter Patrizia Herrmann.
+
Dekan Christoph Schieder bei der Aussendung von Pfarrer Sebastian Wieder. Dahinter Patrizia Herrmann.

MM-Steinheim – „Alle freuen sich, dass sich eine Lücke geschlossen hat“. Mit diesen Worten führte Dekan Christoph Schieder den neuen evangelischen Pfarrer für Steinheim, Sebastian Wieder, in einem feierlichen Gottesdienst in sein Amt ein.

Auch Oberbürgermeister Manfred Schilder sprach von einem besonderen Tag, denn das Amt des Pfarrers sei nicht nur ein Verwaltungsposten, sondern eine große Verantwortung für die Kirchengemeinde. Der Vorsitzende des Fördervereins Dorfgemeinschaftshaus, Thomas Barth, äußerte sich froh darüber, dass die Stelle wieder mit einem vielversprechenden Kandidaten besetzt ist. In seiner Predigt kündigte Sebastian Wieder an, das Gespräch mit der Kirchengemeinde zu suchen. Weitere Grußworte kamen vom Vorsitzenden des Bürgerausschusses, Klaus Kern, der Vertrauensfrau des Kirchenvorstands, Andrea Reusch, dem katholischen Dekan Ludwig Waldmüller, dem Vorsitzenden des Sportvereins, Bernd Wassermann, und Stefan Gutermann vom Diakonischen Werk.

Der Memminger KURIER sprach mit dem 36-jährigen Priester über seinen Werdegang und seine Ziele als Steinheimer Pfarrer.

KURIER: Sie kommen aus Weiden in der Opferpfalz, erzählen sie unseren Leserinnen und Lesern etwas über ihre Kindheit, Jugend und über ihren Werdegang.

Pfarrer Wieder: Ich bin ganz normal kirchlich sozialisiert worden, in der evangelischen Pfarrei groß geworden, richtig klassisch mit Kindergottesdienst und Posaunenchor. Im Zuge des Konfirmandenunterrichts ist mir die Idee gekommen, das mit dem Pfarrberuf könnte etwas sein. Ich hatte auch einen guten Bezug zu unserem damaligen Pfarrer. In der Schule hatte ich schon Latein und Altgriechisch belegt und beschloss dann irgendwann, Theologie zu studieren. Für das Studium musste ich ein Praxisjahr machen und ich wusste, ich muss noch Hebräisch lernen. Ich war dann ein Jahr in Israel als Volontär tätig und 2006 ging es dann ab ins Studium. Israel ist ein spannendes Land und gab mir einen Einblick in die konfessionelle Vielfalt des Islam, Judentums und Christentums. Es war interessant zu sehen, wie man in Israel lebt. Man bemerkt, dass es ganz anders ist, als in den Medien dargestellt. Israel ist nicht nur der Konflikt mit den Palästinensern, sondern es herrscht dort eine breite Vielfalt an Lebensfreude, das Zusammenleben funktioniert vor Ort sehr gut. Die ersten Monate habe ich in einem Kibbuz, was eine interessante Lebensform ist, erst in der Großküche und dann in einem Kuhstall gearbeitet. Das war sozusagen ein Heimspiel, weil ich aus einer elterlichen Landwirtschaft komme. Die nächste Station war ein Kinderkrankenhaus in Jerusalem, wo ich mich um Kinder und junge Erwachsene gekümmert habe, die an Muskelschwund litten und 24 Stunden Intensivpflege benötigten.

KURIER: Wie ging es dann weiter als sie aus Israel zurückgekommen sind?

Pfarrer Wieder: Dann kam das Studium mit zuerst fünf Semestern in Neuendettelsau. Danach bin ich für zwei Semester wieder nach Israel zurückgekehrt. Dort habe ich mich an der Hebräischen Universität mit rabbinischen Schriften beschäftigt. Nach diesen zwei Semestern bin ich vom nahen Osten in den deutschen Osten gewechselt und habe zwei weitere Semester in Leipzig studiert. Die Vorbereitung auf das Examen und das Examen selbst machte ich dann wieder in Neuendettelsau. Danach ging es ins dann ins Vikariat nach Neustadt an der Aisch. Dort hatte ich sehr gute Mentoren, die mich angeleitet haben. Im Anschluss daran bekam ich die Möglichkeit zu einer Spezialausbildung, durch ein Sondervikariat in Jerusalem. Dort war ich Assistent der Studienleitung und gleichzeitig in der evangelischen Erlöserkirche tätig. Danach ging es nach Ingolstadt, wo ich für die Kinder-, Jugend- und Konfirmandenarbeit zuständig war. Dieses Jahr lernte ich dann über eine gemeinsame Freundin meine liebe Kollegin und jetzige Lebensgefährtin, Patrizia Herrmann, kennen, bin auf Steinheim aufmerksam geworden und habe mich für die Pfarrstelle beworben.

KURIER: Es gibt ja bei den christlichen Kirchen schon seit Jahren einen großen Mitgliederschwund. Welches Rezept haben sie gegen diese Entwicklung?

Pfarrer Wieder: Da habe ich kein Rezept. Ich kann nur tun, was ich kann und das ist Leute ansprechen und für den Glauben werben, Gottesdienste halten und einen guten Religionsunterricht machen. In Steinheim versuche ich jetzt in die Gemeinde hineinzuhören, was sie bewegt, welche Bedürfnisse da sind. Es ist vielleicht auch ein Zeichen der Zeit. Früher waren die politische Gemeinde und die kirchliche Gemeinde quasi deckungsgleich. Heute wird das Fernbleiben von der Kirche nicht mehr sozial geächtet. Ich bin ganz froh, dass da kein Zwang mehr besteht, auch wenn es den Preis hat, dass die Mitglieder und damit auch die Kirchensteuereinnahmen schwinden.

KURIER: Was für einen Eindruck haben sie bisher von Steinheim?

Pfarrer Wieder: In Steinheim leben sehr engagierte Leute, die was schaffen und sehr gute Christen sind. Durch die vielen Neubaugebiete gibt es aber die „alten“ und die „neuen“ Steinheimer und das ist schon eine Herausforderung, eine Gemeinschaft aufzubauen, wozu die Kirchengemeinde eine gute Plattform bietet. Hier kann man sich begegnen und kennenlernen. Sehr schön ist auch die Initiative der Nachbarschaftshilfe, die sich in Steinheim gegründet hat. Viele ältere Menschen sind alleinstehend und brauchen Hilfe. Unkomplizierte Nachbarschaftshilfe auf niederschwelliger Ebene funktioniert und wir haben sogar schon eine Mitarbeiterin auf Minijobbasis angestellt, die sich um die Nachbarschaftshilfe kümmert.

Interview: Elmar Würth

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Corona: Mikrobiologe kritisiert FFP2-Maskenpflicht als „Aktionismus“
Corona: Mikrobiologe kritisiert FFP2-Maskenpflicht als „Aktionismus“
Memmingen: Drei Männer wollen Jugendliche ausrauben
Memmingen: Drei Männer wollen Jugendliche ausrauben
Corona in Memmingen: „Lass den Klick in deiner Stadt“ - Mit „Click & Collect“ den lokalen Einzelhandel unterstützen
Corona in Memmingen: „Lass den Klick in deiner Stadt“ - Mit „Click & Collect“ den lokalen Einzelhandel unterstützen
Klinikum engagiert weitere Pflegekräfte aus dem Ausland
Klinikum engagiert weitere Pflegekräfte aus dem Ausland

Kommentare