„Mir wollet frei sein“

Memmingen stellt Projektbüro „Stadt der Freiheitsrechte“ vor

Gemälde von vier Männern im Spätmittelalter an Hausfassade
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Das Bild an der Fassade der Kramerzunft erinnert an die Abfassung der 12 Bauernartikel im Jahr 1525 in Memmingen.

Memmingen – Im Jahr 2025 jährt sich die Abfassung der „12 Bauernartikel“ 1525 in Memmingen zum 500. Mal. Für dieses Ereignis haben die Stadtverwaltung und die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern ein Projektbüro ins Leben gerufen, um dieses denkwürdige Jubiläum mit einigen Aktionen zu begehen und in vier Jahren dann auch gebührend zu feiern.

Zur Erläuterung luden Oberbürgermeister Manfred Schilder, die 2. Bürgermeisterin Margareta Böckh, der 3. Bürgermeister Dr. Hans-Martin Steiger sowie die Projektbeteiligten zu einem Pressegespräch ins Rathaus ein.

Christliche Grundsätze

In vier Jahren ist es genau 500 Jahre her, dass etwa 50 Vertreter der Bauernhaufen in der Stube der Kramerzunft mit dem Memminger Manifest, das aus zwölf Artikeln besteht, Freiheitsrechte gegenüber dem Schwäbischen Bund erhoben. Diese Forderungen basierten auf den christlichen Grundsätzen, wie sie auch im Evangelium beschrieben sind. So prangerten sie in den 12 Artikeln herrschaftlichen Zwang und Gewalt an - die schwäbischen Fürsten unterdrückten die ländliche Bevölkerung durch Leibeigenschaft, Willkür und Enteignung. Die Memminger Bauern führten in ihren Artikeln christliche Grundsätze an - gefordert werden Christliche Nächstenliebe, eine Abschaffung der Leibeigenschaft, Gewaltverzicht und eine kommunale Selbstverwaltung.

So fordern die Bauern im ersten Artikel, dass jede Gemeinde ihren Pfarrer selbst wählen und absetzen darf. Es wird gefordert, dass die Frondienste, denen die Bauern unterworfen sind, nicht immer weiter ausgedehnt werden dürfen oder dass vom „großen Zehnten", einer Abgabe, die alle zu leisten hatten, der Pfarrer bezahlt, die Armen im Dorf unterstützt und auch die Kriegssteuer bezahlt werden soll. Artikel 3 fordert die Freiheit der Menschen: „Ist der Brauch bisher gewesen, dass man uns für Leibeigene gehalten hat, welches zu Erbarmen ist, angesehen, dass uns Christus alle mit seinen kostbarlichen Blutvergießen erlöst und erkauft hat, den Hirten gleich wie den Höchsten, keinen ausgenommen. Darum erfindet sich mit der Schrift, dass wir frei sind und sein wollen.“

Wichtiger Text des „Bauernkrieges“

In seiner Eröffnungsrede erläuterte der Oberbürgermeister die Geschichte der zwölf Artikel und die bis heute geltende Strahlwirkung. Das Memminger Manifest war der wichtigste Text des Bauernkrieges und nach der Magna Carta von 1215 als eine der ersten niedergeschriebenen Forderungen nach Menschen- und Freiheitsrechten in Europa und zeige erstaunliche Parallelen zu den modernen Menschenrechtskonventionen. Der Wunsch der Stadt ist es, die immense Wichtigkeit der Ereignisse von 1525 in das Bewusstsein der Bürger zurückzubringen und auch kulturelle sowie touristische Erfolge zu erzielen. Dabei ist die Arbeit des Projektbüros darauf ausgerichtet, langfristig in der Stadt zu wirken. Wobei es auch die Frage zu stellen gilt „Was macht Memmingen aus?“

Der Weg zum Titel „Stadt der Freiheitsrechte“ hat bereits vor 20 Jahren begonnen: Der Memminger Freiheitspreis wurde im Jahr 2000 initiiert und bereits vier Mal verliehen. Am Weinmarkt steht ein Freiheitsbrunnen, und es gibt einen Info-Point zu den Zwölf Artikeln. Memmingen ist als „Ort der Demokratie in Bayern“ benannt und wurde zuletzt auch in die Arbeitsgemeinschaft „Orte der Demokratiegeschichte“ aufgenommen. Auf all dem wird das Projektbüro aufbauen und Ziele anpeilen, wie zum Beispiel die Förderung eines Dialogs in der Bürgerschaft.

Zwei Projektstellen geschaffen

Und für das neue Projektbüro „Stadt der Freiheitsrechte“ hat die Stadtverwaltung zwei Projektstellen geschaffen. Die Wirtschaftswissenschaftlerin und Redakteurin Sabrina Demmeler (32) ist dabei für den Bereich Kultur und Veranstaltungen verantwortlich. Bernadette Menzel (27) studierte Ressortjournalismus, arbeitete als Produktmarketing- und Social Media-Managerin und ist im Projektbüro mit Marketing und Öffentlichkeitsarbeit betraut. Beide sind in Memmingen aufgewachsen. Eine dritte halbe Projektstelle wird von Pfarrer Claus Ortmann (57) ausgefüllt, der viel Erfahrung aus dem Schuldienst und als Gemeindepfarrer mitbringt. Die Evangelische Kirche hat die Stelle eingerichtet unter dem Titel „Mir wollet frei sein“ – ein theologischer Beitrag zum gesellschaftspolitischen Diskurs der Gegenwart im Rahmen des Jubiläums 500 Jahre Bauernartikel.

Die jungen Frauen stellten sich der versammelten Presse vor und erläuterten mithilfe einer Präsentation die kurz- und mittelfristigen Ziele der Stadt Memmingen für die Etablierung einer überregional bekannten Marke „Stadt der Freiheitsrechte“.

Herbert Müller erinnerte zum Schluss noch daran, dass es die einfachen Leute waren, die diese zwölf Forderungen stellten und dies auf der Erkenntnis beruhte, dass alle Menschen gleich sind.

Zum neu gebildeten Team gehören auch noch Dekan Christoph Schieder, der Initiator des „Memminger Freiheitspreises 1525“, Herbert Müller, Kulturamtsleiter Dr. Hans-Wolfgang Bayer, Alexandra Hartge, Leiterin Stadtmarketing, Doreen Seeberger, Leiterin Tourist Information, Matthias Fähndrich, Leiter der Bürgerhilfsstelle und Stadtarchivar Christoph Engelhard. (rb)

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