Abgefaulter Balken – Situation war gefährlich

Memmingen: Turmkreuz von St. Martin abgenommen

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Das Turmkreuz von St. Martin musste demontiert werden.

Memmingen – Schon wieder stand am Mittwoch ein Autokran in der Memminger Zangmeisterstraße. Nachdem dort vor rund drei Wochen der Dachstuhl des denkmalgeschützten Färberhauses zusammenzubrechen drohte (wir berichteten), ging es diesmal um den Turm von St. Martin: Aufgrund eines durchgefaulten Balkens ("Kaiserstiel") drohte das Kreuz samt Unterkonstruktion einzustürzen.

Einer Nachbarin und Mitarbeiterin des evangelisch-lutherischen Dekanats war bereits kurz vor Ostern aufgefallen, dass das Turmkreuz schief steht: Wie sich laut Dekan Christoph Schieder herausstellte, war ein tragender Balken, der sogenannte "Kaiserstiel", morsch. „Wir haben dann überlegt, was zu tun ist und wie wir am besten vorgehen. Die ganze Situation stellte sich als nicht so einfach heraus“, erzählt Schieder im Gespräch mit unserer Zeitung. Es sei schließlich nicht so einfach, in einer Höhe von über 60 Metern entsprechende Arbeiten zu verrichten. 

Die Turmkugel mit ihrem Durchmesser von einem Meter musste bei der Bergung halbiert werden.

Da dem Problem vom Inneren des Turmes nicht beizukommen war, habe man sich dazu entschlossen, mit einem Kran die gesamte, rund fünf Meter hohe und circa 250 Kilogramm schwere Konstruktion, bestehend aus Wetterfahne, Metallkreuz und goldener Kugel, von außen abzunehmen. Dazu mussten entsprechende Genehmigungen von der Stadt, der Feuerwehr und der Polizei eingeholt und qualifizierte Handwerker organisiert werden. Deshalb, so Dekan Schieder, habe es verhältnismäßig lange gedauert, bis endlich am Mittwoch der Abbau durchgeführt werden konnte.

Für diese Aufgabe war ein 70-Meter-Autokran im Einsatz. Laut Schieder war diese Maßnahme aus Sicherheitsgründen notwendig. Rund zehn Stunden waren die Fachleute im Einsatz. Insbesondere der Spenglerei Rainer Albrecht aus Heimertingen, der Zimmerei von Jürgen Kolb aus Memmingen und dem erfahrenen Kranfahrer Joe Haas gilt Dekan Schieders Dank. „Sie alle haben einen tollen Job gemacht. Die rund zehnstündige Aktion ist Gott sei Dank reibungslos verlaufen“, so der dankbare Dekan von St. Martin. Nun gehe keine akute Gefahr mehr von dem Turm und der Konstruktion aus, die Situation sei unter Kontrolle. Zum Schutz vor Witterungseinflüssen wird der Turm abgedeckt. Die Kosten für den Abbau des Kreuzes und der weiteren Teile beziffert Schieder auf 5.000 bis 7.000 Euro.

So präsentiert sich der Zustand des Kaiserstiels - die senkrechte Spitze der Turmkonstruktion, auf dem das Turmkreuz aufgesetzt war. Er zeigt die Dringlichkeit der Arbeiten.

Das sei aber im wahrsten Sinne nur die Spitze des finanziellen Eisberges, denn schließlich müsse nun die gesamte Konstruktion saniert werden. Schieder befürchtet massive Kosten, konkrete Angaben können er noch keine machen. „Die ganze Sache muss zunächst von Statikern und weiteren Fachleuten begutachtet und die notwendigen Maßnahmen herausgearbeitet werden. Erst dann lässt sich in etwa abschätzen, was das alles kostet“, so Christoph Schieder. Da der 65 Meter hohe Turm von St. Martin eines der Wahrzeichen der Stadt ist, hofft er, dass sich eventuell auch die Stadt an den Kosten beteiligen könnt. Auch wie lange es dauert, bis das Kreuz wieder an seinem angestammten Platz steht, sei momentan nicht absehbar.

Das unterste Geschoss des heutigen Turms wurde um 1325 erbaut, ein Weiterbau des fünften Obergeschosses wird um 1370 datiert. Die weiteren Stockwerke kamen um 1405 bis 1410 hinzu. Seit dem Bau gehörte der untere Teil der Kirchengemeinde, der obere Teil der Stadt. Nach der Renovierung 1927 übergab die Stadt ihren Teil ebenfalls der Kirchengemeinde. Der Turm wurde 1966 und 2012 letztmals renoviert. Bei der letzten Sanierung vor sieben Jahren seien keine Auffälligkeiten festgestellt worden, so Schieder.(es/am)


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