Im Wald trifft Ökologie auf Ökonomie

Memmingen: Waldbegehung im Stadtwald mit Oberforstdirektor Stefan Honold

Mountainbiker im Wald.
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Nach langem Hin und Her hat die Stadt im Dickenreiser Wald eine Mountainbike-Strecke mit Sprungschanzen errichtet.

Memmingen – Die Stadt Memmingen ist mit ihren Stiftungen der größte Waldbesitzer in der Region. 1.300 Hektar Wald nennt sie ihr Eigen. Gerade in Coronazeiten habe der Wald auch eine große Bedeutung für die Erholung der Menschen, so Stadtförster Stefan Honold bei einer Waldbegehung mit zahlreichen Stadträten im Dickenreiser Wald.

Neben dem Aspekt des Naturschutzes habe der Wald aber auch eine wirtschaftliche Bedeutung. Durch die Monokultur mit der Anpflanzung von reinen Fichtenwäldern in den vergangenen Jahren habe sich der Borkenkäfer stark vermehrt. Durch diesen Schädling und der steigenden Trockenheit sei der Holzpreis allerdings stark gesunken. Der ursprüngliche Buchenwald habe sich in den vergangenen Jahrhunderten zu einem Nadelholzwald mit 85-prozentigem Anteil von Fichten gewandelt. Grund dafür sei die gute Holzausbeute und die leichte Bearbeitung von Fichtenholz gewesen. Früher habe es auch nicht so viele Trockenphasen gegeben, die der Fichte mit ihrer geringen Wurzeltiefe großen Schaden zufügen. Diesem Umstand wirke man aber nun durch Aufforstung mit mindestens zehn verschiedenen Baumarten entgegen. Ein großes Problem bei der Aufforstung mit Jungbäumen sei allerdings der Wildverbiss, dem man durch Zäune und Bejagung Einhalt zu bieten versuche. Honold plädierte jedoch dafür, die Nutzung des Waldes als Holzlieferant nicht komplett stillzulegen, weil der Holzbedarf nicht nachlasse und das Baumaterial dann aus anderen Ländern importiert werden müsse, die nicht so nachhaltig produzieren. Als sinnvolle Baumarten für die Aufforstung nannte Honold neben den Harthölzern wie Eiche und Buche vor allem die schneller wachsenden Weichhölzer Douglasie und Tanne, die bis zu einer Tiefe von acht Metern wurzeln.

Neue Mountainbike-Strecke

Nach einem weiteren Spaziergang durch den Wald zeigte Honold den Teilnehmern eine Neuerung im Sportbereich. Nach einem ständigen Katz- und Mausspiel zwischen der Forstverwaltung und den Mountainbikern, die schon längere Zeit den Wald für sich entdeckten, entschloss sich die Stadt, eine Mountainbike-Strecke mit zahlreichen Sprungschanzen einzurichten. Um die Stadt aus der Haftung zu entlassen wurde dazu ein Verein mit eigener Versicherung gegründet. Nun haben die Jugendlichen einen eigenen Hügel und können ihrem Sport nachgehen, freut sich Honold.

Neues Informationszentrum

Auch über den geschichtlichen Teil des Waldes wurden die Stadträte informiert. So zeigte Honold einen Hügel, auf dem im zwölften Jahrhundert die Burg von Walter von Hausen stand, dem die Dickenreishausener Bürger ihren Tribut zahlen mussten. Früher hieß dieser Wald auch Bürgerwald, weil alteingesessene Bürger hier ihr Holz schlagen durften. Beim Thema Bejagung will Honold mehr Eigenbejagung durch die Stadt und weniger Verpachtung an „Akademiker, die nur auf Trophäen aus sind“. Honold stellte den Räten seine neueste Idee vor, die er schon mit Oberbürgermeister Manfred Schilder besprochen hat. Er wünscht sich ein Informationszentrum im Dickenreiser Wald, das auch von den Mitarbeitern des Forstamtes als Betriebsstelle mit Büros, Umkleiden und Duschen genutzt werden kann. Das Zentrum könne auch für Ausstellungen genutzt werden und sogar ein weiterer Waldkindergarten wäre auf dem Parkplatz am Ende der Dickenreishauser Allee möglich. Honold regte an, die Planungskosten in den nächsten Haushalt einzubringen. Die Dreikönigsstiftung könnte das Gebäude bauen und die Stadt dann anmieten. Oberbürgermeister Manfred Schilder bezeichnete dies als eine großartige Idee, die die Menschen anspreche. Das Erleben des Waldes hat in seinen Augen einen hohen Stellenwert. Zum Abschluss zeigten Forstmeister Florian Fink und der Auszubildende Tim Oecknick den Stadträten wie man sachgemäß eine Fichte fällt. (ew)

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