Die Königsforelle wog 1.840 Gramm

Walter IV., der Taucher, ist der neue Fischerkönig

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Auf dem großen Weinfass stehend verkündet Oberfischer Jürgen Kolb, unterstützt vom nun ehemaligen Fischerkönig Jürgen IV., der Waschbär, seinen Fischerspruch.
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Mit dem Böllerschuss beginnt das Bachausfischen.
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Der Andrang im Bach war wieder beachtlich.
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Der Andrang im Bach war wieder beachtlich.
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Oberbürgermeister Manfred Schilder empfängt die Ehrengäste im Rathaus. Von links: OB Manfred Schilder, Oberfischer Jürgen Kolb und der in diesem Moment noch amtierende Fischerkönig Jürgen IV., der Waschbär.
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Fetzige Musik von der Stadtkapelle in der voll besetzten Stadionhalle.
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Der alte König Jürgen IV., der Waschbär, wird verabschiedet.
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Es lebe der neue Fischerkönig Walter IV., der Taucher!

Memmingen - Walter IV., der Taucher, heißt der neu gekrönte Memminger Fischerkönig. 1.840 Gramm wog die Forelle, die Walter Gröner, wie der neue Regent mit bürgerlichem Namen heißt, aus dem Stadtbach zog. Dieses Gewicht bescherte ihm die Würden des Fischerkönigs.

Es lebe der neue Fischerkönig Walter IV., der Taucher!

Der Aufmarsch der einzelnen Musikgruppen auf dem Schrannenplatz ist immer wieder beeindruckend. Ebenso spannend die heitere und unnachahmliche Verkündung des Fischerspruchs in Original Memminger Mundart durch Oberfischer Jürgen Kolb. Auch heuer bildete er wieder der Auftakt des Fischertages und stand, zusammen mit dem amtierenden Fischerkönig Jürgen IV, der Waschbär, auf dem voluminösen Weinfass vor dem Weinhaus „Löwen“ und begann seine Rede mit „Dont a wenga losa, vor’s em Bach geit nasse Hosa“, um dabei allerlei Heiteres und Ungereimtes der Stadt preiszugeben.

Es gleicht fast einem Ausnahmezustand, wenn um Punkt acht Uhr nach einem Böllerschuss alle großen und kleinen Fischer mit ihren Bären in den Bach jucken, mit dem Ziel, die Königsforelle zu ergattern. Das kurzweilige Spektakel im Bach hält allerdings nicht lange an, denn schon heißt es, den Fang auf die Waage zu bringen. In aller Öffentlichkeit wird hier gewogen und jeder kann das Gewicht mitverfolgen, bevor anschließend Oberbürgermeister Manfred Schilder zum Empfang der Ehrengäste in die Rathaushalle einlädt und ein Eintrag der einzelnen Fischerkönige ins Goldene Buch der Stadt ansteht.

Höhepunkt beim Fest aller Feste der Maustädter ist erfahrungsgemäß jedoch der darauf folgende Krönungsfrühschoppen in der Stadionhalle. Tausende Besucher aus nah und fern, unter ihnen so manch hochrangige Persönlichkeit, füllen jedes Mal die Stadionhalle bis auf den letzten Platz, um dabei zu sein, wenn der amtierende Fischerkönig abgesetzt und der neue Fischerkönig in Amt und Würden kommt.

So war auch dieses Jahr, trotz schwülwarmer Witterung, die nicht nur die vielen Akteure zum schwitzen brachte, die Stadionhalle mit Besuchern wieder prall gefüllt. Auch die flotten Rhythmen der Stadtkapelle heizten kräftig ein, sodass die Krönungsfeierlichkeiten ein weiteres Mal zu einem vielbeachteten Highlight wurden. Wie es Brauch am Hofe der Fischersleute ist, trat zunächst der amtierende Fischerkönig Jürgen IV. der Waschbär, getragen von seinem Gefolge auf einer grobschlächtigen Sänfte vor sein Volk. Und das Volk tat wie von ihm erwartet. Es applaudierte und jubelte dem König zu, bis dieser auf dem berühmten Birkenthron, umgeben von seinen treuen Vasallen, dem Mundschenk und dem gestrengen Truchsess, seinen Platz einnahm.

Doch das Schicksal meinte es an diesem Tage nicht gut mit ihm. Er erfuhr, dass man ihm überdrüssig sei und ein neuer König seinen Platz beanspruche. Dies betrübte den König sehr und er ahnte Schlimmes. Doch das Volk hatte kein Mitleid mit seinem Regenten, überreichte ihm noch als Wegzehrung Brot, Wurst, Rettich und Bier und jagte ihn mit einem kräftigen Fußtritt und allerlei Schimpftiraden aus seinem Amt.

Währenddessen wartete bereits ein Nachfolger auf seinen großen Auftritt vor dem Volke. Auch er wurde unter Jubelgesängen hereingetragen und schließlich mit vielen Hochrufen zum neuen König der Fischer ausgerufen und für alle gut sichtbar auf den Birkenthron gesetzt. Sein Name: Walter IV., der Taucher. Der 61-Jährige juckt seit seinem 14. Lebensjahr in den Memminger Stadtbach.

Er versprach mit markigen Worten, seine Möglichkeiten zu nutzen um dem Volke in jeder Hinsicht zu dienen. Sein Vertrag wurde zwar nur auf ein Jahr begrenzt, dann muss er sich als Fischer wieder neu beweisen, ob das erworbene Glück ihm weiterhin hold bleibt, oder ob auch ihn das Schicksal seines Vorgängers ereilt und er letztlich vom Hof gejagt wird. (jw)

Rubriklistenbild: © Johannes Wiest

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