Nach 18 Jahren geht eine Ära zu Ende

Memmingens Polizeichef Bethke in den Ruhestand verabschiedet

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Der scheidende und der neue Leiter der Polizeiinspektion Memmingen von links: Polizeioberrat Eberhard Bethke und Kriminaloberrat Joachim Huber.

Memmingen – Seit 2001 leitete er die Geschicke der Polizeiinspektion: Polizeioberrat Eberhard Bethke wurde nun im Memminger Rathaus von zahlreichen Wegbegleitern, Kollegen und Ehrengästen in den Ruhestand verabschiedet.

Polizeipräsident Werner Strößner, Oberbürgermeister Manfred Schilder und Landrat Hans-Joachim Weirather berichteten über die konstruktive Zusammenarbeit mit dem Memminger Inspektionsleiter. Die Redner lobten unter anderem sein gutes Urteilsvermögen, sein fabelhaftes Gespür und seine Besonnenheit. Eberhard Bethkes berufliche Laufbahn begann 1974 bei der Bereitschaftspolizei in Eichstätt. Dank konsequenter Fortbildung hatte Bethke bereits mit 24 Jahren seine erste Führungsaufgabe inne. Viele Jahre – bis zur Auflösung der Grenzpolizei Ende der 90er Jahre - war er in der Nähe der österreichischen Grenze tätig. 2001 übernahm Bethke, der 44 Jahre lang Polizist war, dann die Leitung der Memminger Polizeiinspektion. 

Mit Schrecken erinnerte sich der Präsident des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West in seiner Ansprache an den Amoklauf an der Lindenschule, als 2012 ein Achtklässler wahllos auf Kinder und Einsatzkräfte schoss. Mehr als 70 Schüsse seien von dem Schüler abgegeben worden. „Dass der Amoklauf damals so unspektakulär über die Bühne ging, ist viel der Besonnenheit und Umsicht Eberhard Bethkes zu verdanken”, betont Strößner. Es grenze an ein Wunder, dass bei diesem Einsatz niemand verletzt worden sei. 

Eine große Veränderung habe auch die Eröffnung des Allgäu Airports in Memmingerberg gebracht: Waren es 2007 noch an die 100.000 Fluggäste, waren es ein Jahrzehnt später schon mehr als eine Million, denn auch die Flughafensicherheit falle in die Zuständigkeit der PI Memmingen. Eine Aufgabe, die mit den steigenden Zahlen an Passagieren immer größer und schwieriger geworden sei. 

In seiner humorvollen Dankesrede gab Polizeipräsident Strößner ebenfalls einen kleinen Einblick in die vielfältigen Hobbies und Vorlieben Bethkes. Obwohl am 24. Dezember 1956 in Kitzbühl geboren und in Sonthofen aufgewachsen, habe Bethkes Leidenschaft nicht dem Ski-, sondern dem asiatischen Kampfsport gehört. Körperliche und geistige Entspannung habe er hingegen in Meditation und Buddhismus gefunden. Nun beginne für den 62-Jährigen ein neuer Lebensabschnitt – mit viel Zeit zum Reisen. 

Landrat Hans-Joachim Weirather bedankte sich beim scheidenden Polizeioberrat: „Man konnte sich immer auf Ihr gutes Urteilsvermögen verlassen. Gemeinsam haben wir dafür gesorgt, dass so mancher Unfallschwerpunkt im Unterallgäu heute sicherer ist.” Großes Bedauern äußerte Oberbürgermeister Manfred Schilder über Bethkes Weggang, schließlich habe er ihn in all den Jahren der Zusammenarbeit sehr gut kennengelernt. Nicht nur die Sicherheitsgespräche, sondern auch eine Reise in die Memminger Partnerstadt Teramo waren dem Stadtoberhaupt gut in Erinnerung geblieben. „Vielen Dank für die vertrauensvolle Zusammenarbeit und die verlässliche Partnerschaft der Polizei mit der Stadt.” 

Mit den Worten „sche, dass Ihr alle da seid”, begrüßte der scheidende Leiter der Memminger Polizeiinspektion „seine” Gäste. „Es ist schwer, 44 Jahre in eine kurze Rede zu packen”, so Bethke. „Ich beherzige den guten Rat von Hans-Jürgen Memel und halte meine Rede kurz”, sagte der zukünftige Ruheständler an den ehemaligen Leiter des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West gerichtet, der sich ebenfalls unter den Ehrengästen befand. Er dankte seinen Vorrednern, dass sie bereits einen Großteil davon übernommen hätten. Allen voran habe Polizeipräsident Werner Strößner in launig-humorvoller Art Anekdoten aus seiner Dienstzeit Revue passieren lassen - mit dem „Weichzeichner des Wohlwollens” oder dem „Mantel des Schweigens”. „Es war für mich wie eine Zeitreise durch Erinnerungen”, sagte der scheidende Polizeichef mit einem Augenzwinkern. 

Der Polizeioberrat lobte seinerseits die offene, immer an Lösungen orientierte Zusammenarbeit mit der Stadt Memmingen und dem Landkreis Unterallgäu. Es habe ihn sehr gefreut, dass die Nöte der Polizei nicht auf taube Ohren, sondern vielmehr auf Verständnis gestoßen seien. Da ihm bereits die meisten Punkte abgenommen wurden, wäre es nur noch notwendig seiner engagierten Mannschaft, seiner Frau Daniela Schweizer-Bethke und seiner Familie seinen Dank auszusprechen. „Ihr seid einfach klasse, ein toller Haufen”, dankte ein mittlerweile sichtlich gerührter Polizeichef seinen Kolleginnen und Kollegen. „Die 1974 getroffene Berufswahl war für mich ein Glücksfall”, lautete Bethkes Fazit seiner Polizeikarriere.

Stellvertreter verabschiedet 

Bei der Feier im Rathaus wurde neben dem Leiter der Polizeiinspektion auch sein langjähriger Vertreter verabschiedet. Winfried Dorn wird zum 1. März in den Ruhestand gehen. Er war 43 Jahre bei der Polizei und fungierte 15 Jahre lang als Eberhard Bethkes Stellvertreter.

Wechsel an der Spitze

Die Nachfolge Bethkes als Leiter der Memminger PI mit ihren rund 150 Mitarbeitern soll ab 1. Februar Joachim Huber übernehmen. Der 50-jährige Landsberger leitet aktuell beim Landeskriminalamt (LKA) in München das Sachgebiet Personenschutz. Er bringt außerdem Berufserfahrungen in den Bereichen Drogen, Zahlungsmittelfälschungen und Verkehr mit. Auch er hatte es sich nicht nehmen lassen, an der Verabschiedung seines Vorgängers teilzunehmen.(mb)

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