Vier große Projekte im Stadtgebiet angestoßen:

Memminger Bauausschuss löst Sanierungsstau auf

Weißer Flachdachbau an einer Straße
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Im Sommer 2023 soll die „sehr marode Edith-Stein-Grundschule im Memminger Osten generalsaniert und erweitert werden. Aufgrund des künftigen Schulprofils „Inklusion“ und „offene Ganztagsschule“ müssen auch Räumlichkeiten neu gebaut werden.

Memmingen. Auf seiner jüngsten Sitzung hat sich der Bau-, Planungs- und Umweltausschuss der Stadt mit schön länger anhängigen Sanierungsprojekten an verschiedenen Punkten in Memmingen beschäftigt. Für die dringend fälligen Sanierungsarbeiten in der Edith-Stein-Schule, im alten Amendinger Rathaus und an der Hohen Wacht zwischen Kempter Tor und Soldatenturm wurde der Startschuss gegeben sowie ein neues Bürger-Projekt im Memminger Osten vorbereitet.

Für die Kinder an der Edith-Stein-Schule und deren Eltern wird sich zwar erst ab Sommer 2023 einiges ändern, aber dafür können sie bereits zwei Jahre später in eine fast neue und technisch sehr moderne Schule zurückkehren. Zwischenzeitlich soll die ehemalige Realschule an der Buxacherstrasse genutzt werden und den Schulbetrieb für die Edith-Stein-Grundschüler sicherstellen. Das Schulgebäude mit Pausenhalle, Mehrzweckraum, Einfachturnhalle und Hausmeisterwohnung wurde 1963 gebaut. Seitdem wurden verschiedene kleine Umarbeiten und Unterhaltsmaßnahmen vorgenommen. „Die Generalsanierung der Edith-Stein-Schule und der Turnhalle ist aufgrund des baulichen und energetischen Zustand erforderlich“, so Baureferatsleiter Fabian Damm, die Schule sei schon „sehr marode“. Außerdem seien aufgrund des künftigen Schulprofils „Inklusion“ und „offene Ganztagsschule“ Räumlichkeiten für den Ganztagesbereich, Küchen- und Speiseräume neu zu schaffen. Die Gebäudeausstattung sei auf einen technisch aktuellen und digitalisierungstauglichen Stand zu bringen, die Energieeffizienzklasse des Gebäudes deutlich zu erhöhen.

CO²-Bilanz verbessern

Die Gebäudehülle der Turnhalle wird ebenfalls energetisch saniert, die gesamte Haustechnik komplett erneuert und eine zentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung installiert. „Die Wärmeversorgung wird über eine Hackschnitzelanlage mit optimaler CO²-Bilanz gewährleistet und auf dem Dach soll eine Photovoltaikanlage die Stromversorgung unterstützen“, betont Damm die zeitgemäß geplanten Standards.

Baubeginn soll nach dem Schuljahresende im Sommer 2023 sein, die Fertigstellung der Maßnahme ist für Sommer 2025 geplant. Schneller geht es nicht, da immerhin insgesamt etwa 15,5 Millionen Euro für das Projekt veranschlagt werden. Dafür braucht die Stadt eine staatliche Förderung, deren Zusage jedoch nicht vor Sommer nächsten Jahres erwartet wird. Danach werden die Ausschreibungen vorgenommen und im Sommer 2023 dann mit den Arbeiten begonnen. Der Bau-, Planungs- und Umweltausschuss stimmte den Planungen einstimmig zu.

Umbau des Gemeindehauses

Ab Sommer 2023 soll der jetzt beschlossene Umbau und die Generalsanierung des Amendinger Gemeindehauses abgeschlossen sein. Dann wird auch der Amendinger Musikverein, der derzeit in den Räumen des Amendinger Kindergartens untergebracht ist, ein neues Domizil beziehen können. Im Dachgeschoß, das dann ausgebaut und nutzbar ist, soll der Musikverein einen etwa 180 Quadratmeter großen Raum zum Üben bekommen.

Die Generalsanierung ist aufgrund des baulichen und energetischen Zustands erforderlich. Die Räumlichkeiten der dort untergebrachten städtischen Ämter entsprechen nicht den Anforderungen. Aktuell sind dort Straßenverkehrsamt, Kfz-Zulassungsstelle, Schilderdienst sowie das Veterinäramt untergebracht. Dafür muss die Gebäudetechnik auf den aktuellen Stand gebracht und auch die Barrierefreiheit für die oberen Geschosse neu gebaut werden. Im Zuge dessen wird auch das bisher ungenutzte Dachgeschoss ausgebaut. Neben dem großen Raum für den Musikverein soll auch ein weiterer Versammlungsraum von gut 70 Quadratmetern Fläche für Seminare und Treffen der Bürgergemeinschaft dort entstehen.

Kosten 3,5 Millionen Euro

Auch hier soll eine möglichst hohe, mit wirtschaftlichen Mitteln vertretbare Energieeffizienzklasse des Gebäudes angestrebt. Insgesamt wird die Sanierung und der Umbau Mittel von etwa 3,5 Millionen Euro erfordern. Dafür sollen ebenfalls Fördermittel der Bezirksregierung Schwaben beantragt werden. Der Baubeginn ist dann für März kommenden Jahres vorgesehen, die nun einstimmig beschlossenen Pläne sollen bis Sommer 2023 umgesetzt und fertig sein.

Unterhalb der Stadtmauer vom Kempter Tor über die „Hohe Wacht“ bis zum „Soldatenturm“ soll das gesamte Freizeitgelände bis hinunter zum Kaisergraben saniert werden. Der Bereich außerhalb der Stadtmauer ist in seinem derzeitigen Zustand unübersichtlich und nicht zugänglich. Dies schränkt die Erlebbarkeit der Stadtmauer mit ihrem originalen Wehrgang erheblich ein. Eine fußläufige Verbindung außerhalb der Stadtmauer zwischen dem Kempter Tor und dem Soldatenturm ist derzeit nicht möglich.

Neue Wege und Spielplätze

Die Aufwertung des Freizeitgebietes „An der Hohen Wacht“ im Südwesten der Altstadt wird in verschiedenen Untersuchungen als wichtige Maßnahme genannt. „Bereits in den Vorbereitenden Untersuchungen für das Sanierungsgebiet „Südwestliche Altstadt“ aus dem Jahr 2003 wird der gestalterische und funktionale Mangel an dieser Stelle beschrieben“, so Baureferatsleiter Fabian Damm. Die Schwächen des Areals, so Damm, liegen aber laut Stärken-Schwächen-Analyse „in den sanierungsbedürftigen Wegen, im geringen Spielwert der vorhandenen Spielplatzflächen, in den zum Teil gestörten Blickbeziehungen auf die Stadtmauer und in der zum Teil nicht begehbaren Stadtmauer.“

Spielbereich am Soldatenturm

Die jetzt von den Ausschussmitgliedern einstimmig beschlossene Planung sieht die Schaffung einer durchgängigen Wegeführung entlang der Stadtmauer vor, flankiert von Sitzgelegenheiten. Der Freiraum soll an die Kempter Straße über einen Rampenweg angebunden, die pflegebedürftigen Wege saniert und drei Spielbereiche für unterschiedliche Zielgruppen geschaffen werden. Der Spielbereich am Soldatenturm soll in erster Linie für Kleinkinder geeignet sein, der Spielbereich im Kaisergraben mit Basketball- und Bolzplatz soll für die Zielgruppe der Jugendlichen gestaltet werden. „Der neu zu schaffende Spielplatz „An der Hohen Wacht“ soll dem Ort eine besondere Identität geben“, so das „Planungsbüro Freiraum“ aus Freising. Es soll ein neuer Spielbereich im Vorfeld der Stadtmauer mit dem Thema „Lagerleben vor den Toren der Stadt“ entstehen. Das Angebot ist auf die Altersgruppe 0 - 12 Jahre ausgerichtet und lädt auch Erwachsene ein.

Hoffen auf Zuschüsse

Die Gesamtkosten der gewünschten Ausführung werden voraussichtlich etwa eine knappe Million Euro betragen. Falls die erforderlichen Mittel aus der Förderung der Regierung von Schwaben und dem städtischen Haushalt nicht ausreichen, sollen die Gesamtkosten durch teilweisen Verzicht auf Spielgeräte und Basketballplatz reduziert werden. Stadträtin Sabine Rogg von der CSU findet ein Zusammenstreichen von Spielgeräten jedoch „sehr schade“ und regte gegebenenfalls auch ein Sponsoring zur Mittelbeschaffung an. Oberbürgermeister Manfred Schilder fragte nach den zusätzlichen Kosten, die anfallen, falls die Spielgeräte erst später angeschafft und eingebaut würden. Die Planerin erläuerte, dass dann noch erheblich mehr Kosten entstünden, weil abgesehen von Preissteigerungen bis dahin die erforderlichen Baugeräte bei der Zufahrt zu den geplanten Spielplätzen die bereits vorher sanierten Wege wieder erheblich beschädigen würden.

Der Bau-, Planungs- und Umweltausschuss griff diese Einwände auf und stimmte dem Entwurf zur Neugestaltung „An der Hohen Wacht“ im Rahmen des Städtebauförderprogramms „Lebendige Zentren“ unter dem Vorbehalt einer Förderung durch die Regierung von Schwaben und der städtischen Haushaltsmittel einstimmig zu. Der geplante Baubeginn ist für das Frühjahr kommenden Jahres geplant.

Neubau Bürger- und Familienhaus

Für die Bevölkerung im Memminger Osten soll nach dem Willen der Stadtverwaltung am „Müncher Kreisel“ zwischen Münchener Straße und Bayernring ein neues Bürgerhaus- und Familienhaus samt Freizeitgelände entstehen. Im Bau-, Planungs- und Umweltausschuss wurde die Idee eines Realisierungswettbewerbs für dieses Vorhaben vorgestellt. Dort sollen danach ein Bürgerhaus, ein Jugendzentrum und eine KiTa mit fünf Gruppen samt einem etwa Tausend Quadratmeter großen Spielplatz neu gebaut werden. Zum Projekt gehört auch eine unterirdische Parkgarage. Dafür soll in Kürze ein Architekten-Wettbewerb ausgelobt werden. Dieser „Ort der Begegnung für alle Generationen und Kulturen“ soll zusammen mit einem Wohnhaus inklusive Café, Terrasse und einer Bankfiliale eines privaten Eigentümers geplant und erschlossen werden.

Baubeginn erst 2024

Bis Herbst dieses Jahres soll der Wettbewerb abgeschlossen sein, die Beauftragung zur konkreten Planung dazu soll dann nach Klärung der finanziellen Möglichkeiten und Förderungen Anfang kommenden Jahres vergeben werden. „Mit einem Baubeginn ist dann im optimistischen Fall im Frühjahr 2024 zu rechnen“, so Baureferatsleiter Fabian Damm. Nach einer voraussichtlichen Bauzeit von etwa eineinhalb Jahren sollte das Projekt dann Ende 2025 fertig gestellt sein. Der Ausschuss gab mit einer Gegenstimme dazu seine Zustimmung.

(Tom Otto)

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