„Mutmacher und Aufklärer“

Memminger Freiheitspreis 2021 geht an Journalist Heribert Prantl

Der Journalist Heribert Prantl erhält nächstes Jahr den Memminger Freiheitspreis.
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Der Journalist Heribert Prantl erhält nächstes Jahr den Memminger Freiheitspreis.

Memmingen – Nächstes Jahr wird der Memminger Freiheitspreis bereits zum fünften Mal verliehen – und zwar an den Journalisten, Publizisten, Buchautor und politischen Kommentator Prof. Dr. Heribert Prantl. Das gab Oberbürgermeister Manfred Schilder nun bei einem Pressegespräch im Rathaus bekannt.

Heribert Prantl war Richter und Staatsanwalt, bevor er 1988 als politischer Redakteur und Leitartikler zur Süddeutschen Zeitung ging. Dort leitete er 25 Jahre lang das Ressort Innenpolitik und baute im Anschluss das Ressort Meinung Print und Online auf. Von 2011 bis 2019 war er Mitglied der Chefredaktion. Seit März 2019 ist Prantl ständiger Kolumnist der Süddeutschen Zeitung sowie Kommentator und Essayist von sueddeutsche.de.

Wie Oberbürgermeister Manfred Schilder ausführte, habe sich die Jury „in großer Einhelligkeit“ dazu entschieden, den Memminger Freiheitspreis 1525 im kommenden Jahr an Prantl zu verleihen. „Mit seinen kenntnisreichen und scharfen Analysen unserer Gesellschaft sieht sich Heribert Prantl als Journalist und als Autor dem kritischen Diskurs verpflichtet, wo andere mit der Angst der Menschen Politik machen“, so Schilder. Prantl stelle sich dem fahrlässigen Umgang mit der Wahrheit entgegen und verfechte den Journalismus als eine der Grundsäulen der demokratischen Gesellschaft.

Bei der Bekanntgabe des Preisträgers des Memminger Freiheitspreises im Rathaus (von rechts): die Jurymitglieder Dekan Christoph Schieder, Herbert Müller, Vorsitzender des Kuratoriums Memminger Freiheitspreis 1525, und Oberbürgermeister Manfred Schilder, der die Freiheitsmedaille in Händen hält. Isabel Brey und Fritz Brey jun., beide Mitglieder im Kuratorium Memminger Freiheitspreis 1525, als Vertreter der Stifterfamilie des Preisgelds.

Laut Herbert Müller, Vorsitzender des Kuratoriums Memminger Freiheitspreis 1525, ist die freie Presse „eine der Säulen unserer Demokratie“. Es müsse mit aller Entschiedenheit denen widersprochen werden, die mit Kampfbegriffen wie „Lügenpresse“ das Vertrauen in die Presse zersetzen wollten. „Sie greifen nicht nur Zeitungen, Fernsehsender und andere Medien an, sondern unsere Demokratie, unser Grundgesetz“, so Müller. Prantl sei ein „Mutmacher und Aufklärer“, der für einen Journalismus werbe, dem die Leute trauen und vertrauen. „Die große Frage lautet nicht, wie man Klicks, Reichweite und Auflage schafft. Die große Frage lautet: Wie schafft man Vertrauen!“, zitierte Müller den Preisträger. Diesen selbst aufgestellten Kriterien sei Prantl gerecht geworden und treu geblieben. „Mit der Absicht, den gesellschaftlichen Alltag zum Besseren zu verändern, redet und schreibt er von der Freiheit. Er macht sie publik, besonders dort, wo sie klammheimlich eingeschränkt wird“, sagte Jurymitglied Dekan Christoph Schieder über Prantl. Er behalte sich den Blick für den „offenen Himmel“ und sei fest verankert in der christlichen Botschaft.

Der Memminger Freiheitspreis 1525 besteht aus einer Urkunde, einer Ehrenmedaille und einem Geldpreis von 15.000 Euro, gesponsert von der Familie Brey. Die Preisverleihung mit einem Festakt in der Martinskirche und einer Veranstaltung auf dem Marktplatz soll im kommenden Frühjahr stattfinden, ein genauer Termin steht jedoch noch nicht fest.

Die Zwölf Bauernartikel

Im Verlauf des Deutschen Bauernkrieges schlossen sich die Vertreter der oberschwäbischen Bauern im März 1525 in der Memminger Kramerzunft zusammen. Die aus dieser Versammlung hervorgegangenen Zwölf Bauernartikel gelten als erste demokratische Verfassungsurkunde auf deutschem Boden. Darin forderten die Bauern unter anderem Abgabenerleichterung, die Erweiterung der Gemeinderechte und die Abschaffung der Leibeigenschaft. (am)

Die Mitglieder der Jury des Memminger Freiheitspreises 1525:

  • Oberbürgermeister der Stadt Memmingen Manfred Schilder Kuratoriumsvorsitzender Herbert Müller
  • Evangelischer Dekan Christoph Schieder
  • Evangelischer Landesbischof und EKD-Ratsvorsitzender Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm Bundesministerin für Familie und Jugend a.D. Renate Schmidt
  • Bundesfinanzminister a.D. Dr. Theo Waigel
  • Historiker Prof. Dr. Bernd Roeck

Die bisherigen Preisträger:

  • 2005: der ehemalige Außenminister der Volksrepublik Ungarn und spätere Ministerpräsident der Republik Ungarn, Dr. Gyula Horn
  • 2009: der Schriftsteller und Lyriker Reiner Kunze
  • 2013: die pakistanische Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzai
  • 2016: der österreichisch-brasilianische Bischof Dr. Erwin Kräutler

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