Religion als Marketingkonzept

Kabaretttage: Aydin Isik im PiK

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Aydin Isik war mit seinem Programm „Bevor der Messias kommt“ im PiK zu Gast.

Memmingen - Vollbart, lange Hippiemähne, Kopftuch und sanfter Blick – so predigt Aydin Isik immer wieder von seiner Trittleiter herab, denn er ist der Messias. Der türkischstämmige Schauspieler, Regisseur und Kabarettist aus Köln fragt was passiert wäre, wenn Adam in den Apfel gebissen hätte und nicht Eva.

Isik bezeichnet die Bibel als erste sexistische Schrift der Menschheit. Während die Welt nur noch von Gier und Geld regiert wird, haben die drei Weltreligionen Islam, Christen- und Judentum auch ohne ständige Updates noch immer Milliarden von aktiven Nutzern, ein Marketingkonzept, von dem die Computerbranche nur träumen kann. Was ist also dran an diesen ominösen Geboten und Heilsversprechen? Mit wenigen Requisiten und vielen Rollenwechseln beleuchtet Isik Tagespolitik und Philosophie und zeigt sich dabei als schillernder Verwandlungskünstler der Kulturen. Seine Show sprengt die Grenzen von politischen Kabarett und plakativem Comedy-Humor, ohne jedoch wirklich spritzig zu wirken.

Aydin Isik erzählt über die erneute Ankunft des Messias in Nazareth mit dem Auftrag, Europa zu erreichen. Aber er stellt auch die Frage, ob er es überhaupt soweit schafft. Wenn Jesus wie damals vor über 2.000 Jahren wieder in Nazareth auf die Welt kommen sollte, wird er einige Probleme haben, aus dem Nahen Osten ohne Visum nach Europa zu kommen. Auch sein Aussehen mit Vollbart und langen Haaren wird ihm da nicht hilfreich sein. Oder landet der Heiland bei seinem ersten Versuch, europäischen Boden zu erreichen, im Knast? Vielleicht sogar Guantanamo? Fast makaber wirkt es, als er „Oh Mittelmeer, wie blass sind deine Leichen“ singt und vom gekenterten Flüchtlingsboot erzählt, das den Messias veranlasste, übers Wasser wieder zurückzulaufen.

Auch vor deutscher Literatur macht Isik nicht halt und zeigt mit Goethes Erlkönig die Grausamkeit der abendländischen Kultur auf. Der Kabarretist versuchte zwar alles, kam beim Memminger Publikum aber nicht wirklich an und so blieb der Beifall auch überschaubar. (ew)

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