Memmingen: Stadtrat diskutiert Masterplan Digitalisierung der Schulen

Mühsamer Aufbruch aus der digitalen Wüste

Kind im Homeschooling bedeckt die Augen
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Eltern kritisieren in einem offenen Brief die äußerst unterschiedlichen digitalen Rahmenbedingungen an den Memminger Grundschulen. Leidtragende sind wieder die Kinder.

Memmingen - Bei der jüngsten Sitzung des städtischen Kultur-, Bildungs- und Sozialausschusses gab die Leiterin des städtischen Schulverwaltungsamts, Sabine Ganser, einen Zwischenbericht über den Fortgang des „Masterplans Schuldigitalisierung“. Dieser Masterplan wurde bereits im Juli vergangenen Jahres vom Stadtrat beschlossen und soll die Schulen mit der dringend benötigten digitalen Infrastruktur ausstatten.

Dabei konnte Ganser eine Menge Maßnahmen benennen, die bei verschiedenen Schulen bereits umgesetzt wurden, musste jedoch auch deutliche Verzögerungen einräumen, die bei allen Beteiligten für Konfliktstoff sorgen.

Offener Brief des Gesamtelternbeirats

Diese Auseinandersetzung wurde auch tags zuvor durch einen offenen Brief des Gesamtelternbeirats der Memminger Grundschulen befeuert. Darin kritisieren die Eltern die äußerst unterschiedlichen digitalen Rahmenbedingungen an den Memminger Grundschulen: „Cloudbasiertes Arbeiten, videogestützter Unterricht, das Abspielen von Lernfilmen sowie E-Mail-Kontakt zur Lehrkraft wird durch fehlendes Internet an Schulen beziehungsweise nicht vorhandene Endgeräte unmöglich,“ heißt es dort. Die Unterstützung seitens der Stadt Memmingen sei nahezu null. Die Stadt leiste weder den wünschenswerten Support, noch gebe es ausführliche Antworten auf Anfragen über die digitale Ausstattung. Die technischen Probleme in den Schulen würden teilweise durch die jeweiligen Elternbeiräte selbst behoben. Die heftige Kritik an der Verwaltung gipfelt in der Forderung nach einem zeitnahen Termin, um im Rahmen einer guten Kooperation gemeinsam das Thema Digitalisierung in die richtige Richtung voranzutreiben, um für die Schulen die beste Lösung zu bekommen.

Die Debatte im Ausschuss war geprägt von diesem Elternbrief und der Anwesenheit des Vorstandes des Gesamtelternbeirats im Zuschauerraum. Verwaltung und Ausschussmitglieder zeigten großes Verständnis für den Unmut der Grundschuleltern und versuchten Erklärungen zu finden oder Lösungsansätze aufzuzeigen. Nina Hartge von der ÖDP versuchte es mit konstruktiver Kritik und schlug zum Beispiel vor, mobile WLAN-Geräte zu beschaffen, um die Schulen schnell mit Internetzugängen zu versorgen und um nicht auf den mehrjährigen Ausbau im Rahmen des Masterplans warten zu müssen.

Geräte nicht lieferbar

Schulamtsleiterin Sabine Ganser und Stadtkämmerer Gunther Füßle verwiesen darauf, dass der Verwaltung in diesen Beschaffungsfragen weitestgehend die Hände durch eine entsprechende Rechtslage gebunden sei. Die Vorschrift, größere Aufträge europaweit auszuschreiben, verzögere vieles. Darüber hinaus sei in vielen Fällen die aktuelle Marktlage bei den erforderlichen Geräten und Anschaffungen katastrophal. So seien noch immer 157 bestellte Convertibles (eine Mischform zwischen Notebook und Tablet) nicht lieferbar. Auch erforderliche Handwerker- und IT-Technikerleistungen ließen auf sich warten, da die Auslastung bei diesen Dienstleistern sehr gut und daher kaum jemand zu bekommen sei.

Lehrer-Laptops gedeckelt

Ivo Holzinger von der SPD kritisierte die bayerische Staatsregierung dafür, dass sie den Kommunen die Ausstattung des beim Staat angestellten und beamteten Lehrpersonals aufbürde. Kämmerer Füßle bestätigte, dass der Staat zwar Mittel aus dem Digitalpakt zur Verfügung stelle, aber die Stadt zum Beispiel damit Laptops für Lehrer besorgen müsse. Gunther Füßle brachte dabei seinen Unmut gegenüber dem Finanzgebaren und der Vorgehensweise der Staatsregierung deutlich zum Ausdruck. So seien beispielsweise die Beschaffungskosten für Lehrer-Laptops mit 750 Euro pro Stück gedeckelt, jeder Experte gebe aber eine Summe von etwa 1.300 Euro pro Laptop an, wenn dieser einigermaßen qualitativ geeignet sein soll.

Professor Dr. Josef Schwarz von der CSU forderte einen dringenden Appell um zusätzliche Unterstützung und Mittel des Freistaates an die Staatsregierung über das Stadtratsmitglied Klaus Holetschek, der ja auch immerhin Mitglied des bayerischen Kabinetts sei.

Zu wenig investiert

Oberbürgermeister Manfred Schilder bemühte sich abschließend um Ausgleich. Die Klärung von Schuldfragen sei nur bedingt hilfreich. Fakt sei jedoch, dass „in der Vergangenheit deutlich zu wenig in die Schulinfrastruktur investiert worden ist und andere Länder uns hier abhängt“ hätten. Er räumte ein, dass die Kommunikation zwischen allen Beteiligten verbessert werden kann und appellierte trotz steigendem Druck an die Geduld von Eltern, Schülern und Lehrenden.

Der Gesamtelternbeirat bekräftigte seine kritische Haltung später gegenüber dem Memminger Kurier: „Es geht uns hier nicht um eine vollständige Digitalisierung im Eiltempo, uns geht es um eine schnelle Hilfe, um die aktuelle Corona-Lage in den Grundschulen zu überbrücken.“

(Tom Otto)

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