Stadtrat diskutiert über Luftreinigungsgeräte in Schulen

Memmingen: „Nicht der Weisheit letzter Schluss“

Hofeinfahrt zu einer Schule in Memmingen
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Das Umweltbundesamt empfiehlt bei Schulen die intervallartige Lüftung über weit geöffnete Fenster auch in der kalten Jahreszeit. Diese Maßnahmen seien rasch und einfach umsetzbar und böten einen wirksamen Schutz, da die Außenluft nahezu virenfrei sei. Im Bild beispielhaft die Notker-Schule im Memminger Westen.

Memmingen - In welchem Umfang und zu welchen Kosten der Einsatz von Luftreinigungsgeräten in den städtischen Schulräumen sinnvoll sei, wurde im Finanz- und Hauptausschuss der Stadt kürzlich diskutiert. Oberbürgermeister Manfred Schilder wies zu Anfang darauf hin, dass dieses Thema mittlerweile in der Öffentlichkeit zu einem Glaubenskrieg ausgeartet sei und appellierte an eine sachliche Auseinandersetzung.

Nach der rein fachlich-technischen Einschätzung des städtischen Klimaschutz- und Energiemanagers Mario Hönisch kommt der Oberbürgermeister zu der Erkenntnis, dass die Luftreinigungsgeräte „nicht der Weisheit letzter Schluss“ seien. Es müsse nach wie vor regelmäßig gelüftet werden, die Geräte verursachen meist einen Lärmpegel, der für den Unterricht deutlich störend sei, der Energieverbrauch dieser Technik sei sehr hoch und auch die Folgekosten durch den Filtertausch seien nicht unerheblich.

Sinnvoll in Ausnahmefällen

Stadtkämmerer Gunther Füßle betonte , dass es nicht ausschließlich finanzielle Gründe seien, die einem flächendeckenden Einsatz der Geräte entgegen stehen. Leistung, Verbrauch, Folge- und Anschaffungskosten rechtfertigten einen solchen Einsatz allenfalls in Ausnahmefällen. Klimaschutzmanager Hönisch hatte zusammen mit dem Schulverwaltungsamt intensiv überprüft, ob in den Memminger Schulen Räume vorhanden seien, die ein Luftreinigungsgerät benötigen oder nicht.

Fensterlüften funktioniert

Bei den ursprünglich von den Schulen gemeldeten insgesamt 21 Räumen konnte jedoch durch Instandhaltungsmaßnahmen sichergestellt werden, dass eine Lüftung über Fenster funktionierte. Von daher könne abschließend festgehalten werden, dass weder in Memminger Klassen- noch Lehrerzimmern Luftreinigungsgeräte nötig seien. Zudem böten alle vier der eingesetzten Technologien bei den Geräten unterschiedliche Nachteile und letztlich keine echte Sicherheit vor Infektionsmöglichkeiten. Zu diesem Ergebnis kommt neben dem Bundesumweltamt auch der Verband der Verbraucherzentralen.

Lösungen im Einzelfall

Auch die vom Freistaat angebotene Förderung der Anschaffungskosten – maximal 1700 Euro pro Gerät bei Kaufpreisen von über 5.000 Euro – können das Kosten-Nutzen-Verhältnis eines flächendeckenden Einsatzes der Geräte nicht verbessern. Der Finanz- und Hauptausschuss beschloss letztlich einstimmig, auf die flächendeckende Anschaffung der Geräte zu verzichten und stattdessen für eventuell auftauchende problematische Einzelfälle jeweils besondere Lösungen zu finden. (to)

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