Ausführliche Debatte über Eigenregie-Jagd in kommunalen Wäldern

Memminger Stadtrat mehrheitlich für „Wald vor Wild“-Beschluss

Jäger Hochsitz im Wald hinter Baum
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Ab April kommenden Jahres wird es in den Wäldern, die im Besitz der Stadt sind, keine privaten Jagdpachten mehr geben. Dies beschloss der Stadtrat jetzt mehrheitlich.

Memmingen - Bei der erneuten Beratung im Stadtrat Anfang der Woche über das Ende der Jagdrechtsvergabe an private Pächter konnte sich niemand mehr auf mangelhafte Information berufen. In der Stadtratssitzung vom 20. September (wir berichteten) wurde ein Beschluss darüber noch aus eben diesem Grund mehrheitlich vertagt. Am Ende beschloss das Gremium jetzt jedoch mit deutlicher Mehrheit ein Auslaufen der privaten Jagdpachtverträge Ende März 2022, nur noch fünf Stadträte stimmten dagegen.

In einer mehr als zweistündigen Debatte wurde das Für und Wider ausführlich diskutiert. Bereits zwischen der ersten Sitzung dazu im September und dem jetzigen Beschluss wurden zwischen privaten Jagdpächtern und städtischem Forstamt reichlich Stellungsnahmen, Gutachten und Argumente veröffentlicht. Memmingens Oberbürgermeister Manfred Schilder hatte zudem noch eine weitere Waldbegehung mit Stadträten, Jägern und Fachleuten am 4. Oktober anberaumt, um ausführliche Informationen vor Ort zu sammeln und sichten.

Thomas Schuhmaier, Rechtsdirektor und Leiter des Referats für öffentliche Sicherheit und Ordnung, eröffnete die Debatte mit dem Hinweis, dass der Gesetzgeber eine Vergabe von Jagdpachten an Private nur noch ermögliche, wenn die waldbaulichen Ziele erfüllt seien. Das sei jedoch in den kommunalen Wäldern in Memmingen nicht der Fall. Der eindeutig zu starke Verbiss durch deutlich zu hohe Schalenwildbestände erfordere dringend eine Änderung des bisherigen Jagdmanagements. Auch die Zahl der Auto-Wildunfälle stehe nach einer Studie der Ludwig-Maximilians-Universität in München in einem eindeutigen Zusammenhang.

Memmingens Forstamtsleiter Stefan Honold lieferte neue Berechnungen über die absehbaren Kosten der geplanten Übernahme der Jagden in die Eigenregie des Forstamtes. Er schloss dabei auch einen zusätzlichen Personalbedarf im Forstamt aus. Die Jagdzeit der städtischen Forstbediensteten sei keine Arbeitszeit.

Erfahrungen aus Immenstadt

Unterstützung bekam er von seinem (nicht verwandten) Amts- und Namenskollegen Gerhard Honold, der das städtische Forstamt in Immenstadt leitet. Der Immenstädter Forstamtsleiter konnte nach nunmehr neun Jahren Erfahrung mit der Jagd in städtischer Eigenregie Ergebnisse aus der Praxis liefern. Er berichtete ebenfalls von anfänglichen Widerständen der privaten Jagdpächter, sein Fazit bisher sei jedoch eindeutig positiv. Selbst wenn die Vermarktung des Wildfleisches in Immenstadt die dafür anfallenden Kosten nur annähernd decke, konnten die Kosten für aufwändige Pflegemaßnahmen deutlich reduziert werden. Zusätzlich habe man staatliche Mittel aus der so genannten Bergwaldoffensive bekommen und eine Förderung aus dem Naturverjüngungsprogramm.

Neben den eindeutig günstigeren Kostenstrukturen sei auch das biologische Ergebnis für die Natur äußerst positiv. Eine natürliche Verjüngung aller Baumarten konnte mittlerweile erreicht werden und die Lebensraumqualität für die Rehe sei ebenfalls deutlich gestiegen. Das könne am Gesundheitszustand der Rehe und an dem höheren Wildpretgewicht abgelesen werden. Die Biodiversität und Artenvielfalt sei eindeutig gestärkt worden.

Teil emotionale Debatte

In der teils sehr emotionalen Debatte versuchten einige Stadträte noch einen Kompromissvorschlag einzubringen. Danach sollten nicht alle vier private Jagdpachten auslaufen, sondern ein oder zwei, die bisher „tragbare“ Ergebnisse hervorgebracht hatten, weiter so belassen werden. In der Debatte wurde jedoch von verschiedenen Seiten ins Feld geführt, dass die Urteilskategorie „tragbar“ im Verbissgutachten nicht ausreiche für eine „vorbildliche Bewirtschaftung“ wie es der Gesetzgeber fordere und der Klimawandel es auf möglichst großen und vielen Flächen gebiete. Der eingebrachte Kompromissvorschlag fand letztlich nur zwölf Ja-Stimmen und wurde zugunsten des Beschlussvorschlags der Verwaltung abgelehnt. Ab April kommenden Jahres wird es in den Wäldern, die im Besitz der Stadt sind, also keine privaten Jagdpachten mehr geben. Die Jäger, die diese Pachten bisher betrieben, können jedoch über so genannte „Jagd-Begehungsscheine“, die eine Laufzeit von einem Jahr haben, nach wie vor in dem vom Forstamt zugeteilten Bezirk jagen. (Tom Otto)

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