„Entdeckung der Langsamkeit“

Memmingen: Verkehrsausschuss beschließt weitere Tempo-30-Zonen

OB Schilder nimmt Petition gegen Autobahnlärm entgegen
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Noch vor Beginn der Sitzung des Verkehrsausschuss übergaben Vertreter einer privaten Initiative aus dem Gebiet Berliner Freiheit Oberbürgermeister Manfred Schilder eine Petition gegen den Autobahnlärm am Memminger Kreuz. Bereits über 900 Bürger fordern dabei Lärmschutzmaßnahmen für das Wohngebiet entlang der Autobahn.

Memmingen - Die Sitzung des Verkehrsausschusses des Memminger Stadtrates vom vergangenen Montag stand ganz im Zeichen der „Entdeckung der Langsamkeit“. Birgit Haldenmayr, Leiterin des Straßenverkehrsamts, stellte zwei neue Tempo-30-Zonen im Mitteresch sowie Dickenreishausen vor, die beide auch einstimmig beschlossen wurden.

In beiden Fällen handelt es sich um die Anordnung von innerörtlichen streckenbezogenen Geschwindigkeitsbeschränkungen von 30 km/h im unmittelbaren Bereich von Kindergärten, Kindertagesstätten, allgemeinbildenden Schulen, Förderschulen, Alten- und Pflegeheimen oder Krankenhäusern. Im Mitteresch wird eine Strecke von 300 Metern im Bereich der dortigen Kindertagesstätte mit Tempo 30 eingerichtet und in Dickenreishausen eine Strecke von 570 Metern in der Oberdorfstraße im Bereich des Kindergartens und der Grundschule. Beide Geschwindigkeitsbeschränkungen gelten jeweils von Montag bis Freitag von 7 bis 17 Uhr.

30 Mal Tempo 30

Darüber hinaus stellte Haldenmayr sieben weitere Tempo-30-Zonen vor, die bereits im vergangenen Oktober und November verkehrsrechtlich angeordnet wurden. Dabei handelt es sich um die Unterdorfstraße und Umgebung in Dickenreishausen, Unteresch und Leutkircher Eck, im Bereich Baum- und Blumenviertel, im Einödweg und Umgebung in Amendingen sowie in Volkratshofen die Bereiche Nord-Ost, Süd-Ost sowie Süd-West. Bis auf die letztgenannte Tempo-30-Zone wurden die übrigen auf Initiative von Anwohnern angeordnet.

Insgesamt verfügt Memmingen im gesamten Stadtgebiet damit über mittlerweile knapp dreißig Tempo-30-Zonen, so Birgit Haldenmayr. Alle neuen Geschwindigkeitsbeschränkungen werden im Frühjahr vom Bauhof umgesetzt, sobald die aktuellen Winterdienste nicht mehr erforderlich sind.

Geänderte Verkehrsführung

Ab sofort soll der Verkehr auf der Brücke „Illerfelder Weg“ zwischen Volkratshofen und Kieswerk über die Autobahn 96 eingeschränkt werden, so Urs Keil, Sachgebietsleiter Straßenbau im Tiefbauamt. Die letzte Brückenprüfung durch die Autobahn GmbH ergab, dass die Lager der Brücke dringend erneuert werden müssen Die Brücke wird meist von Schwerlastern der angrenzenden Kieswerke mit 40 Tonnen Gesamtgewicht befahren. Da die Brücke lediglich für bis zu 30 Tonnen Gewicht gebaut wurde, muss der Begegnungsverkehr zweier Lkw ausgeschlossen werden.

Bis zum Baubeginn wird die Fahrbahn verengt, so dass die Begegnung von Lkw auf der Brücke ausgeschlossen wird. Diese Maßnahme wird auch nach der Sanierung nicht geändert, die Fahrbahnbreite jedoch auf fünf Meter reduziert. Für Fußgänger und Radfahrer bringt das eine deutliche Verbesserung, da für sie künftig ein gesicherter Weg auf der Brücke entsteht. Der Baubeginn für die Sanierungsarbeiten ist für Sommer 2021 geplant. Bauende soll im Dezember 2021 sein. Während der Bauzeit ist die Brücke voll gesperrt. Der Verkehr wird über Ferthofen beziehungsweise Brunnen umgeleitet.

Verlängerung der Fahrradstraße

Urs Keil, der auch das Amt des städtischen Fahrradbeauftragten ausübt, stellte darüber hinaus auch die Einrichtung einer Fahrradstraße in der Buxacher Straße zwischen Frundsbergstraße und Im Mitteresch vor. Vorliegende Messergebnisse auf Höhe des MeWo-Parks vom Juli 2020 belegen, dass die Fahrradstraße vorrangig von Radfahrenden genutzt wird. Immerhin über 70 Prozent des durchschnittlichen täglichen Verkehrs sind Radfahrende, so Keil. Im Radverkehrskonzept, dessen Umsetzung 2020 beschlossen wurde, wird die noch fehlende Radinfrastruktur in diesem äußeren Abschnitt bemängelt und damit erledigt.

Für den Verkehr in Fahrradstraßen gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h. Der Radverkehr darf weder gefährdet noch behindert werden. Wenn nötig, muss der Kraftfahrzeugverkehr die Geschwindigkeit weiter verringern. Das Nebeneinanderfahren mit Fahrrädern ist erlaubt. Oberbürgermeister Manfred Schilder betonte, dass in Fahrradstraßen der Radverkehr zwar Vorrang habe, dies jedoch keinen Freibrief darstelle. Er bat alle Verkehrsteilnehmer um Kooperation und gegenseitige Rücksichtnahme.

(to)

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