Nach Missbrauchsvorwürfen gegen katholischen Geistlichen

Koordinationsteam übernimmt Seelsorge in Pfarreiengemeinschaft Memmingen

Kreuz im Schatten vor wolkenverhangenem Himmel
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Von einer volljährigen Frau werden Missbrauchsvorwürfe gegen den seit letzter Woche suspendierten katholischen Memminger Dekan erhoben.

Augsburg/Memmingen - Der Generalvikar des Bischofs von Augsburg, Monsignore Harald Heinrich, hatte sich das Ende seiner Amtszeit als Chef der Bistumsverwaltung und Stellvertreter des Bischofs sicher anders vorgestellt: Heinrich musste am Freitag in einer Pressemitteilung des Bistums bestätigen, dass es „erschütternde“ Aussagen gegen einen Priester und Dekan aus dem Bistum gibt. Wie mittlerweile bekannt wurde, erhebt eine volljährige Frau den Missbrauchsvorwurf gegen den katholischen Memminger Dekan.

Der Generalvikar hatte zuvor umgehend die dafür zuständige Staatsanwaltschaft Memmingen über einen sehr ernst zu nehmenden Vorwurf des sexuellen Missbrauchs gegen den Priester informiert. Die Staatsanwaltschaft in Memmingen bestätigte bislang nur die laufenden Ermittlungen, betonte jedoch, dass im aktuellen Stadium der Ermittlungen die Unschuldsvermutung für den Mann gelte.

Von Amt entpflichtet

Entsprechend der kirchlichen Leitlinien für den Umgang mit sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche hat der Bischof von Augsburg Dr. Bertram Meier im Vorfeld die dafür zuständige Kongregation für die Glaubenslehre in Rom informiert und um Entscheidung gebeten. Der betroffene Geistliche wurde daraufhin mit sofortiger Wirkung von seinem Amt als Pfarrer und Dekan entpflichtet und damit von allen seinen Aufgaben freigestellt.

Ein großer Schock

Generalvikar Heinrich, der Anfang September 2021 die Leitung der Pfarreiengemeinschaft Dillingen übernehmen wird, äußerte sich sehr betroffen über die Vorwürfe: „Mir ist schmerzlich bewusst, dass diese Nachricht besonders für alle Gläubigen in den betroffenen Gemeinden, wie für die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein großer Schock sein muss. Wir bemühen uns zeitnah Klärungen über das weitere Vorgehen und die Nachfolge herbeizuführen. Dabei werden wir selbstverständlich auch die Verantwortlichen in der Pfarreiengemeinschaft miteinbeziehen“. Um welches der 23 Dekanate des Bistums und damit um welche Pfarrei es sich konkret handelt, ließ sowohl der Generalvikar als auch die Staatsanwaltschaft offen.

Das Bistum Augsburg verfolge im Kampf gegen Missbrauch eine Null-Toleranz-Politik und ruft dazu Betroffene auf, sich aktiv zu melden und entsprechenden Signalen sofort nachzugehen.

Team aus Geistlichen und Laien übernimmt Seelsorge

Die Seelsorge in der Pfarreiengemeinschaft Memmingen wird vorübergehend von einem Team aus Geistlichen und Laien wahrgenommen. Diese Entscheidung, die im Einvernehmen mit Bischof Dr. Bertram Meier getroffen und von Generalvikar Msgr. Harald Heinrich per Dekret bekannt gemacht wurde, ist am Sonntag in allen Gottesdiensten der Pfarreiengemeinschaft als Mitteilung verlesen worden.

Rechtliche Grundlage für diese Entscheidung ist der kirchenrechtliche Canon 517 § 2 CIC. Die Moderation der Hirtensorge übernimmt übergangsweise Prodekan Pfarrer Ralf Czech. Er wird gemeinsam mit einem sechsköpfigen Koordinationsteam die Pfarreiengemeinschaft leiten. Dem Koordinationsteam gehören an: Dr. Maria Weiland (Leiterin der City-Seelsorge Memmingen), Kaplan P. Johannes Roland Reiber FSO, Diakon Roland Pressl, Enrico Schwarz (stellv. Kirchenverwaltungsvorstand), Andrea Schnug, (Pastoralratsvorsitzende) und Brigitte Auer-Marten (Pfarrgemeinderatsvorsitzende Amendingen). Die Koordinierung dieser Gruppe liegt in den Händen von Dr. Maria Weiland.

Es gilt die Unschuldsvermutung

Generalvikar Heinrich bittet in seiner Mitteilung an die Gläubigen um „tatkräftige Unterstützung, gegenseitige Ermutigung und vor allem Zusammenstehen.“ Die am Sonntag veröffentlichte Erklärung des Anwalts des entpflichteten Geistlichen hat die Diözese, so der Generalvikar, „zur Kenntnis genommen“. Jedwede Bewertung der Vorgänge obliege allerdings der ermittelnden Staatsanwaltschaft und der Glaubenskongregation in Rom.

Wie der Anwalt in seinem Schreiben betont, gelte für seinen Mandanten die Unschuldsvermutung. Der „Anfangsverdacht strafbarer sexueller Handlungen“ sei der Grund dafür, warum die Staatsanwaltschaft Memmingen Ermittlungen eingeleitet hat. Dies sei laut Anwalt die geringste Stufe eines Verdachts. Auch die Suspendierung sei kirchenrechtlich vorgeschrieben, aber keine Aussage darüber, ob die Vorwürfe zutreffen. Die Vorwürfe werden von einer volljährigen Frau erhoben. (to/pba)

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