Mitgliederversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft Memmingen e.V.

Der Klimawandel macht sich auch im Wald bemerkbar

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Der Borkenkäfer hat im vergangenen Jahr wieder deutliche Schäden hinterlassen.

Memmingen/Benningen - „Es war wie schon 2017 kein normales Forstwirtschaftsjahr“, begann der Vorsitzende Josef Lohr seine Ansprache bei der Mitgliederversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft Memmingen e.V. in der Benninger Festhalle. Der Borkenkäfer habe mit 25.000 Festmeter fast so schlimme Schäden verursacht wie im Jahr zuvor. Der extrem heiße und trockene Sommer habe dies mehr als unterstützt.

Dass der Klimawandel auch in Deutschland angekommen ist, zeigten die verheerenden Sturmschäden in Mitteldeutschland, so Lohr weiter. Wenn man Mitteleuropa gesamt betrachte, komme man auf eine Schadholzmenge von 70 Millionen Festmetern im vergangenen Jahr. Solche Mengen wirken sich negativ auf die Rundholzpreise aus und „die Vermarktung des Holzes macht zur Zeit keinen Spaß“. Lohr wünscht sich für 2019 ein klimatisch normales Jahr, damit sich die Holzpreise wieder erholen.

Der Vorsitzende ging in seinen Ausführungen auch auf den Schneebruch ein. Dieser sei im Januar sehr hoch gewesen – den den endgültigen Schaden man noch noch gar nicht ausmachen. Auch müssen die Schäden bis Mitte April aufgearbeitet werden, „sonst füttert man den Borkenkäfer“.

Positive Nachrichten hatte Lohr zum Thema Bissschäden. Diese seien zurückgegangen, aber es müsse in bestimmten Gebieten trotzdem darauf geachtet werden, dass für die Jäger punktgenaue Abschusspläne erstellt werden. Nur mit einem abgestimmten Wildbestand könne man die Ziele erreichen und klimatolerante Mischwälder hochbringen. Lohr erwartet auch keine steigende Rundholzpreise. Die Sägewerke werden immer weniger und das mache das Leben für die Waldbesitzer nicht leichter.

Intaktes Naherholungsgebiet

Der CSU Bundestagsabgeordnete Stephan Stracke meinte, der Wald habe als Naturraum, als Holzbeschaffer und auch als Arbeitsstelle eine sehr große Bedeutung. Die Forstbetriebsgemeinschaft Memmingen sei eine hervorragende Selbsthilfeeinrichtung und sorge seit 50 Jahren dafür, dass es dem Wald gut geht und er ein intaktes Naherholungsgebiet bleibt. Stracke ging auch auf das Volksbegehren zum Artenschutz ein und sprach sich für mehr Mischwälder aus. Bayern lege einen Schwerpunkt auf den Ausbau zukunftsfähiger Mischwälder und dafür würden vom Freistaat auch Fördermöglichkeiten geschaffen.

Waldpakt 2018

Der Hauptredner, Ministerialrat Urban Treutlein, ging in seiner Rede auf die Umsetzung des „Waldpaktes 2018“ ein. Ministerpräsident Dr. Markus Söder und Forstministerin Michaela Kaniber hätten diesen Pakt, der den Waldbesitzern zur Seite stehen soll, im Juni 2018 unterzeichnet. Der Waldpakt diene unter anderem dazu, die Artenvielfalt und den naturschützenden Wert der Wälder zu erhalten und die Verwendung von Holz bei öffentlichen Bauten voranzubringen. Man habe in Bayern eine gute forstwirtschaftliche Struktur, um die andere Bundesländer neidisch wären, führte Treutlein weiter aus.

Man habe mit den Forstverbänden inzwischen ein Niveau erreicht, welches die beste Unterstützung der Waldbesitzer garantiere. Gerade Waldbesitzer mit kleineren Flächen seien auf diese Unterstützung angewiesen. Die Belange der Waldbesitzer und die Notwendigkeit, den Herausforderungen zu begegnen, seien inzwischen auch in der Politik angekommen und hätten zu klaren Beschlüssen für den Wald geführt.

Auf der anderen Seite beschreibt Treutlein eine derzeit prekäre Lage mit den Sturmschäden, der Dürre, dem Holzpreisverfall und dem Borkenkäfer. Auch wenn der Allgäuer Raum dabei noch vergleichsweise gut davon gekommen sei, stehe eine schwierige Aufgabe bevor und man müsse sowohl in der Gesellschaft als auch in der Politik darum kämpfen, dass die Belange des Waldes wahrgenommen werden.

Der Waldpakt 2018 treffe zwei klare Aussagen. Es gehe sowohl um das Schützen als auch um das Nutzen des Waldes. Mit einer integrativen Waldbewirtschaftung habe man schon das richtige Konzept. Es sei der Bevölkerung allerdings schwer zu vermitteln, dass nicht alle Probleme mit einfachen Rezepten gelöst werden könnten. Die Zusammenhänge in der Waldwirtschaft seien sehr kompliziert und viele Menschen hätten auch keinen Bezug zum Thema Wald und würden daher sehr schnell einseitige Positionen beziehen.

Klimawandel stellt vor Herausforderungen

Vom Artensterben sei man laut Treutlein nicht betroffen und der Wald sei nach wie vor einer der naturnächsten Räume unseres Landes. Man könne aber trotzdem einiges für den Umweltschutz tun, beispielsweise die abgeschaffte Förderung der alten Samenbäume wieder einführen. Die Waldumbauoffensive 2030 mit dem Hauptziel der Entwicklung gesunder Mischwälder sei letztlich ein ganz zentraler Punkt, vor allem in Anbetracht des Klimawandels. „Wir haben im Regierungsentwurf des Doppelhaushaltes eine gute Fördermittelausstattung bekommen“, freute sich Treutlein. Von dieser müsse man allerdings auch Gebrauch machen. Der Ministerialrat versprach auch 30 neue Försterstellen, um die Beratung der Waldbesitzer beim Waldumbau zu fördern. (ew)

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