„Während des Einsatzes funktioniert man“

Mitgliederversammlung des Kreisfeuerwehrverbands Unterallgäu

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Josef Heinzler (links) wurde für seine besonderen Verdienste von Alexander Möbus, Kreisbrandrat und Verbandsvorsitzender, mit dem Ehrenkreuz in Silber ausgezeichnet.

Westerheim – Jugendarbeit, starke psychische Belastung und das – vermeintliche – Schneechaos: Bei der Mitgliederversammlung des Kreisfeuerwehrverbands Unterallgäu und der Frühjahrsdienstversammlung in Westerheim gab es auch in diesem Jahr viel zu besprechen.

Im Unterallgäu sind in 130 Freiwilligen Feuerwehren und einer Werksfeuerwehr insgesamt 5.560 Mitglieder aktiv, darunter 906 Atemschutzgeräteträger. Für den Nachwuchs ist dabei gesorgt: In 38 Jugendfeuerwehren bereiten sich 501 Anwärter – darunter 106 Mädchen – auf dieses Ehrenamt vor.

Mit 2.153 Einsätzen 2018 waren die Unterallgäuer Wehren trotz eines leichten Rückgangs im Vergleich zum Vorjahr (2.219) schwer beschäftigt. Den Großteil machen hier übrigens nicht die Brände aus (15,05 Prozent), sondern Technische Hilfeleistungen (39,11 Prozent), zum Beispiel bei Verkehrsunfällen oder Unwettern. 2018 haben die ehrenamtlichen Helfer insgesamt 158 Personen gerettet und 159 Menschen medizinisch erstversorgt beziehungsweise betreut. Für 24 kam dabei aber jede Hilfe zu spät. Im vergangenen Jahr wurden auch sechs Feuerwehrleute im Einsatz verletzt, glücklicherweise aber nicht schwer.

Solche Einsätze sind für die Helfer nicht nur körperlich, sondern auch psychisch eine große Belastung. „Nackte Zahlen können nicht vermitteln, was an menschlichem Leid hinter jedem Einsatz steht. Nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für die Einsatzkräfte“, sagte Verbandsvorsitzender und Kreisbrandrat Alexander Möbus. „Während des Einsatzes funktioniert man, erst danach hat man Gelegenheit, das Erlebte emotional zu verarbeiten.“ Dafür sei es wichtig, sich mit den Kameradinnen und Kameraden auszutauschen. Auch die Psychosoziale Notfallversorgung für Einsatzkräfte (PSNV-E) ist hier ein wichtiger Ansprechpartner.

Auch wenn die „Schneekatastrophe“ erst in diesem Jahr ein Thema war, ging Möbus trotzdem kurz darauf ein. Die Unterallgäuer Feuerwehren hatten – der Wetterlage entsprechend – auch in diesem Winter ein durchaus normales Einsatzaufkommen. Kritik übte der Kreisbrandrat an den Medien, die „das Schneechaos […] derart ausgeschlachtet“ hätten, dass sich die Landespolitik zum Handeln gezwungen gesehen habe. Das Unterallgäu sei zum gefährdeten Gebiet erklärt worden, „obwohl dies aus Sicht der Feuerwehr nicht angemessen war“, sagte Möbus. Einladungen seitens der Landesregierung, um den Helfern für ihren Einsatz zu danken, hatte der Kreisbrandrat deshalb abgelehnt. Seines Erachtens wäre es unangemessen gewesen, sich auf die Schulter klopfen zu lassen, wenn andere Regionen und Einsatzkräfte deutlich schwerer betroffen waren als das Unterallgäu.

Wer 25 Jahre aktiven Dienst leistet, bekommt das Feuerwehrehrenzeichen in Silber verliehen. 2018 waren das 97 Feuerwehrleute. 47 Ehrenamtliche sind schon seit 40 Jahren aktiv und wurden für diese beachtliche Leistung mit dem Ehrenzeichen in Gold gewürdigt. Zur Anerkennung bekommen sie außerdem einen einwöchigen Aufenthalt im Feuerwehrheim in Bayerisch Gmain. Dieser wird für die Feuerwehrleute vom Freistaat finanziert. Ehepartner, die in der Regel mitfahren, müssten ihren Aufenthalt theoretisch selbst bezahlen.

Mittlerweile konnten laut Möbus aber viele Gemeinden überzeugt werden, die Kosten für diese Partnerplätze zu übernehmen: „Schließlich heißt 40 Jahre aktive Dienstzeit auch 40 Jahre Entbehrungen für den Partner“, erklärte der Kreisbrandrat. Jedoch sind im Landkreis noch immer nicht alle Gemeinden mit dabei: Von 131 Feuerwehren werden bei 117 die Partnerplätze übernommen.

Tag der offenen Tür 2019

Der Höhepunkt des vergangenen Jahres war für Möbus der Kreisfeuerwehrtag in Mindelheim, an dem auch die Unterallgäuer Jugend ihr 35-jähriges Bestehen feierte. 47 junge Leute haben hier die Jugendflamme abgelegt. Dementsprechend stand der Tag ganz im Zeichen der Jugendfeuerwehr. Der nächste große Anlass steht übrigens schon vor der Tür: Am Samstag, 21. September, beziehungsweise am Sonntag, 22. September, laden die Feuerwehren in ganz Schwaben zum Tag der offenen Tür ein.

Auszeichnung für Josef Heinzler

Eine besondere Auszeichnung gab es am Ende dieses Abends für Josef Heinzler. Er ist seit der Gründung der Fachbereiche auf Verbandsebene im Fachbereich 1 des Bezirksfeuerwehrverbands Schwaben als Vertreter aus dem Unterallgäu tätig – mittlerweile über 25 Jahre. „Er stellte nie sein persönliches Interesse sowie seine Person in den Vordergrund, sondern vertrat alle Feuerwehren des Landkreises Unterallgäu“, so Möbus in seiner Laudatio. Für seinen hohen Sachverstand, seine Erfahrung und seine von den Kameraden besonders geschätzte praktische Ausrichtung überreichte der Kreisbrandrat ihm das Feuerwehrehrenkreuz in Silber des Bezirksfeuerwehrverbandes Schwaben. (am)

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