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Mordprozess in Memmingen beendet

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Von: Klaus D. Treude

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Memminger Landgerichts-Vizepräsident vor der Presse
Am Donnerstagmorgen gab der Vizepräsident des Landgerichts Memmingen, Jürgen Brinkmann, das Urteil gegen die beiden Angeklagten im Mordprozess an der 16-jährigen Hannah W. bekannt. © Treude

Memmingen - Der Fall hatte vor einem Jahr überregional Aufsehen erregt und auch der Prozessbeginn vor dem Landgericht Memmingen im Sommer dieses Jahres stand im Zeichen eines großen Zuschauer- und Medieninteresses. Denis G. (26) und Angelina A. (16) waren angeklagt, im November 2021 südlich des Memminger Flughafens die 16-jährige Hannah W. getötet zu haben. 

Heute wurde das Urteil gesprochen: Wegen gemeinschaftlichen heimtückischen Mordes erhielt der Angeklagte G. eine lebenslange Freiheitsstrafe, diese Strafe sieht das Gesetz bei Mord grundsätzlich vor. Die Angeklagte wurde zu neun Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Bei ihr wurde das Jugendstrafrecht angewandt, welches eine Höchststrafe von maximal zehn Jahren vorsieht. Wut und Rache über die gescheiterte Freundschaft mit Hannah W. seien für die Angeklagte die hauptsächlichen Auslöser für die Tat gewesen. 

Um 8:30 Uhr hat der Vorsitzende Richter Thomas Hörmann das Urteil der Jugendkammer im Verfahren gegen den 26-jährigen Denis G. und die 16 Jahre alte Angelina A. verkündet und fast eineinhalb Stunden lang begründet. Nach 23 Verhandlungstagen, der Vernehmung zahlreicher Zeugen und Sachverständiger ist die Kammer zu der Überzeugung gekommen, dass die beiden Angeklagten des gemeinschaftlichen Mordes schuldig sind. Beim Angeklagten Denis G. wurde darüber hinaus, auf Grund seines Betäubungsmittelkonsums, die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet. Darüber hinaus muss er den Eltern der Getöteten ein Schmerzensgeld von 50.000 Euro bezahlen. Zur Überzeugung des Gerichts, das in seiner Begründung ausführlich auf die für die Beurteilung des Tatgeschehens maßgebliche Vorgeschichte, das heißt die Persönlichkeiten des Opfers und der Angeklagten und ihre Beziehungen zueinander einging, bestand bei der Angeklagten Angelina A. eine Motivlage aus Rache und Wut, beim Angeklagten in erster Linie das Motiv der Angeklagten zu helfen. Dies führte dann nach Überzeugung des Gerichts zum Tatplan der Angeklagten, den die beiden dann gemeinschaftlich umsetzten.

Laut Gericht hat der Angeklagte die Tat eingeräumt, sie jedoch als Kurzschlusshandlung dargestellt. Die Angeklagte räumte ihre Anwesenheit ein, bestritt jedoch eine Tatbeteiligung.

Das Urteil wurde in nicht-öffentlicher Sitzung verkündet, bereits zu Beginn des zweiten Verhandlungstages (15. September) waren Zuschauer und Medienvertreter zum Schutz der Angeklagten für den Rest des Verfahrens ausgeschlossen worden.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Über eine Revision müsste der Bundesgerichtshof entscheiden, wobei dann jedoch keine neuerliche Beweisaufnahme vorgenommen würde.

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