Nach Hymnen-Eklat

„Maske des Saubermanns gefallen“: Offener Brief von Stadtrat an AfD-Mann Maier

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Der AfD-Abgeordnete Christoph Maier steht massiv in der Kritik, weil er die erste Strophe des Deutschlandlieds gesungen hat.

Memmingen – Zu einem weiteren Eklat kam es bei einem AfD-Treffen des nationalistischen „Flügels“ der Partei in Bayern am 4. Mai im Hypodrom Greding im mittelfränkischen Landkreis Roth, unter anderem mit dem AfD-Rechtsaußen Björn Höcke und der Fraktionsvorsitzenden der Partei im Bayerischen Landtag, Katrin Ebner-Steiner.

Stein des medialen und politischen Anstoßes dieser Veranstaltung war, dass die anwesenden Vertreter der rechtspopulistischen AfD im Anschluss an die Rede des Rechtsaußen Höcke die deutsche Nationalhymne anstimmten. An sich nichts Verwerfliches – allerdings wird üblicherweise lediglich die dritte Strophe gesungen. Nicht so in Greding. Im Hintergrund wurde ein Tonband abgespielt und es erklangen zunächst die ersten beiden Strophen des Deutschlandliedes. Nun ist es zwar nicht ausdrücklich verboten, diese zu singen, aufgrund ihres Inhalts und der damit verbundenen Nähe zum Nationalsozialismus wird dies jedoch unterlassen.

Nicht so bei der AfD in Greding. Zu den illustren Gästen dieser Veranstaltung zählte auch der in Memmingen ansässige Rechtsanwalt Christoph Maier, seit Herbst 2018 Mitglied des Bayerischen Landtages und dort Parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion – und stellvertretender Vorsitzender im „Ausschuss für Verfassung, Recht, Parlamentsfragen und Integration“. Auf einem Video (Quelle: Bild) ist der Memminger Rechtsanwalt klar zu erkennen, wie er stolz und inbrünstig „Deutschland, Deutschland über alles...“ intoniert.

Diese Vorkomnisse haben jetzt den SPD/FDP-Fraktionsvorsitzenden im Memminger Stadtrat, Matthias Ressler, dazu bewogen, dem AfD-Mann Maier einen offenen Brief zu schreiben. Hier der Brief in ungekürzter Fassung:

"Sehr geehrter Herr Maier, 

ich muss Ihnen sagen, dass mir angesichts der jüngsten Ereignisse die höfliche Anrede in diesem offenen Brief einigermaßen schwerfällt. Wie ich der Presse entnehmen kann haben Sie und Ihre Parteifreunde in Greding es sich nicht nehmen lassen, bei der deutschen Nationalhymne die 1. Strophe zu singen.

„Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt, wenn es stets zu Schutz und Trutze brüderlich zusammenhält. Von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt - Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt!“

Als Sie beim letzten OB-Wahlkampf und bei der Landtagswahl in Memmingen angetreten sind, haben Sie noch versucht, den Eindruck zu erwecken, der nette Saubermann von nebenan zu sein. Mit einem freundlichen Lächeln von den Wahlplakaten haben Sie Ergebnisse im zweistelligen Bereich geholt. Die Maske des Saubermanns ist lange gefallen. Schon Ihre Auftritte, zum Beispiel beim Besuch der Kanzlerin, in Ottobeuren haben gezeigt, dass Sie stramm in der rechten Ecke stehen.

Ich glaube nicht, dass das Singen der 1. Strophe des Deutschlandliedes nur die übliche AfD-Provokation war. Ich befürchte es ist ein Ausdruck Ihrer Grundwerte. Das Deutschland, das Sie besingen, hat mit meinem Deutschland nichts zu tun. Ihr Deutschland, welches von der Maas bis an die Memel und von der Etsch bis an den Belt reicht, hat nur Krieg und Mord über die Welt gebracht. Mein Deutschland ist das von Recht und Freiheit, von Brüderlichkeit, das Deutschland von Völkerverständigung und Menschenrechten. Und auch das Deutschland des Grundgesetzes, auf dessen Boden Sie anscheinend nicht stehen.

Sie vertreten nicht nur Ihre und die Interessen Ihrer Partei in der Öffentlichkeit, sondern auch die Memmingens. In dieser Hinsicht haben Sie unserer Stadt einen schlechten Dienst erwiesen. Denn das Memmingen, dass ich liebe und schätze, ist ein Memmingen der Freiheit und des Miteinanders und nicht eine Stadt der Ausgrenzung und des Hasses.

Sie sollten sich vor allem bei den Menschen entschuldigen, die Sie gewählt und die Ihnen Ihr Vertrauen geschenkt haben. Ihr Verhalten war schändlich. 

Auch wenn ich nicht so freundlich gestimmt bin, gebietet mir die Höflichkeit… 

freundliche Grüße Matthias Ressler, Fraktionsvorsitzender SPD/FDP-Stadtratsfraktion"

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