Biotopverbunde sollen gefährdete Tiere vorm Aussterben retten

Neues Schutzprojekt im Unterallgäu: 14 bedrohte Arten in "Arche Noah" aufgenommen

Der Nördliche Kammmolch, eine Amphibienart aus der Ordnung der Schwanzlurche, gehört zu den bedrohten Arten.
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Der Nördliche Kammmolch, eine Amphibienart aus der Ordnung der Schwanzlurche, gehört zu den bedrohten Arten.

Unterallgäu – Zum Schutz der Lebensräume von 14 im Landkreis Unterallgäu hochgradig bedrohten Arten ist das neue Biodiversitäts-Projekt „Arche Noah“ gestartet. Schutz in der Arche finden Kammmolch, Kriechender Sellerie, Vogel-Azurjungfer, zwei Heuschrecken-Arten wie beispielsweise der Warzenbeißer sowie neun Tagfalter-Arten wie das Rotbraune Wiesenvögelchen und der Randring-Perlmuttfalter. Das Projektmanagement wurde der Umweltwissenschaftlerin Steffi Gansbühler sowie dem Diplom-Biologen Dr. Michael Schneider übertragen.

„Die Projekt-Arten stehen auf der Roten Liste, sind in Bayern gefährdet oder stark gefährdet, zwei Arten deutschlandweit sogar vom Aussterben bedroht. Außerdem ist knapp die Hälfte der Arten europaweit durch die Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Richtlinie geschützt.“, so Gansbühler, die mehrjährige Erfahrung in der Naturschutzverwaltung mitbringt. Laut Schneider, der bereits in den vergangenen fünf Jahren das Biodiversitäts-Projekt „Bachmuschel- und Libellenbäche im Landkreis Unterallgäu“ betreute, wurden in vielen Fällen dramatische Bestandsrückgänge der einzelnen Arten festgestellt. Deshalb bedürfe es in den nächsten Jahren dringender Schutzmaßnahmen, um die Arten in der Region zu erhalten und Ausbreitungschancen zu eröffnen. Der Abwärtstrend sei der Isolation der einzelnen Vorkommen geschuldet, ferner ungünstigen Veränderungen der Lebensräume durch Verschattung, Überdüngung, Trockenlegung oder Klimaänderungen.

Der Warzenbeißer gehört zur Familie der Laubheuschrecken. Er trägt einen für Heuschrecken eher seltsamen Namen. Auf Grund seiner ätzenden Verdauungssäfte ließ man früher das Tier in Warzen beißen und erhoffte sich dadurch eine heilende Wirkung.

Um die Projektziele zu erreichen und die Vorkommen zu sichern, sollen nun die Lebensräume optimiert werden, die Beeinträchtigungen verringert sowie die Populationen durch Schaffung von Biotoptverbunden miteinander vernetzt werden. So soll die Ausbreitung der Zielarten entlang von Korridoren ermöglicht werden. „14 Zielarten auf geschätzten 200 Hektar über den ganzen Landkreis von Bad Grönenbach bis Markt Wald und von Bad Wörishofen bis Kettershausen verteilt, das wäre unmöglich ohne die jahrelange Erfahrung der Projektträger Landschaftspflegeverband Unterallgäu, Bund Naturschutz Bayern (BN) sowie Landesbund für Vogelschutz (LBV) im Hintergrund“, erklärt Gansbühler. Hilfreich sei außerdem das bestehende Netzwerk aus Landkreis, Gemeinden, Behörden, Landwirtschaft und Naturschutzverbänden. Schließlich werde es ehrenamtliche Kümmerer geben, die vor Ort nach dem Rechten sehen und bei der Suche nach den Zielarten helfen. Wer Interesse habe, sei willkommen und möge sich beim Landschaftspflegeverband melden.

Bei den Azurjungfern handelt es sich um meist kleine Libellen mit Flügelspannweiten und Körperlängen um fünf Zentimeter.

Schneider fügt hinzu: „Der Dialog mit allen Beteiligten ist der Garant für eine erfolgreiche Projektarbeit.“ Landwirte als Grundstücksbesitzer spielten dabei eine Schlüsselrolle, außerdem verfügten sie über Spezialmaschinen für Pflegearbeiten wie Mahd und Entbuschung. Aber auch Grundstücksankäufe seien vorgesehen, um Flächen langfristig für den Naturschutz zu sichern. Zusätzlich solle der Öffentlichkeit die naturschutzfachliche Bedeutung der Projektarten sowie naturnaher Auenzonen durch Exkursionen, Vorträge, neue Medien und Infomaterialien vermittelt werden. Was die Ziele für die nächsten Monate seinen, beantwortet Schneider: „Zunächst verschaffen wir uns einen Überblick über die Zielarten, ihre Lebensräume und Gefährdungsfaktoren. Bei der Suche nach Kammmolch und Kriechendem Sellerie konnten wir bereits mehrere bislang unbekannte Vorkommen entdecken. Ab Juni folgt dann die Suche nach Tagfaltern und Heuschrecken.“ „Erfreulicherweise haben sich schon drei Ehrenamtliche gefunden vom LBV und dem BN, die sich an der Suche nach Molchen beteiligen. Außerdem arbeiten wir an einem Internetauftritt, so dass die Öffentlichkeit bald mehr Neuigkeiten von der „Arche Noah“ erhält“, so Gansbühler. (MK)

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