Jugendarbeit ist ein Schwerpunkt

Neujahrsempfang des Alevitischen Kulturvereins

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Der Co-Vorsitzende des Bundes der Alevitischen Jugendlichen in Bayern Caner Yener berichtete über die Jugendarbeit der Aleviten.

Memmingen – Einen umfassenden Rückblick auf das vergangene Jahr, gab es beim Neujahrsempfang des Alevitischen Kulturvereins Memmingen in dessen Räumen. Die Vorsitzende Senem Kaya begrüßte die Gäste und betonte die Wichtigkeit der Jugendförderung in ihrer Rede. Eine große Rolle spiele hierbei der Respekt gegenüber anderen Religionen und Kulturen. Man arbeite deshalb auch eng mit anderen Gruppen wie dem Stadtjugendring zusammen, so Kaya.

Otfried Richter und sein Chor „Silk Road“ sorgten für den musikalischen Rahmen beim Neujahrsempfang.

Beim Rückblick auf das vergangene Jahr kamen unter anderem die Beziehungen zwischen der Türkei und Deutschland zur Sprache. Diese Beziehungen würden wegen Erdogan eskalieren und betreffen auch die Memminger Gemeinde. Die Polizei sei bei einigen Mitgliedern gewesen um sie zu warnen, weil sie auf einer schwarzen Liste stünden. Die türkische Regierung versuche, die Alevitische Gemeinde in Deutschland zu spalten, weil sie Erdogan ein Dorn im Auge sei.

Entscheidendes Jahr

Oberbürgermeister Manfred Schilder betonte in seiner Rede die beispielgebende Gemeinschaft und prognostizierte, 2019 werde ein ganz entscheidendes Jahr werden. Der Ausstieg des Vereinigten Königreiches aus der EU stelle alle vor große Herausforderungen und zeichne eine Weggabelung für Europa und unsere ganze Gesellschaft vor. „Wollen wir Europa den Menschen vor die Füße werfen, oder es ihnen zurückgeben?“, fragte Schilder. Es komme darauf an, die richtigen Weichen zu stellen, denn es werde uns alle betreffen. Schilder wies in diesem Zusammenhang sowohl auf die Europawahl, als auch auf die Landtagswahlen im Osten Deutschlands in diesem Jahr hin. Man müsse Europa als Friedensprojekt sichern. Niemand sollte glauben, dass Deutschland alleine einen Handelskrieg gegen China gewinnen oder sich gegen die neuen Aggressoren der Welt absichern könne. 

Die Welt verändere sich, führt Schilder weiter aus. Klimawandel, Krisen, Kriege und Konflikte auch zwischen Großmächten und ein amerikanischer Präsident, der in 700 Tagen seiner Amtszeit 6.500 Unwahrheiten in die Welt gesetzt habe, machen ihn nachdenklich. Bei der Europawahl gehe es um die Frage, ob Populisten die Grundidee Europas erschüttern oder ob die Menschen ja zu Europa sagen, so der OB.

Der Ausländerbeauftragte Antonino Tortorici freute sich, dass man es seit der Ankunft der ersten Gastarbeiter in den 60er Jahren geschafft habe zusammen zu leben. Tortorici betonte in diesem Zusammenhang das Fest der Kulturen, welches jedes Jahr dazu beitrage, die verschiedenen in der Stadt ansässigen Kulturen näher zusammenzubringen. 

Caner Yener sprach in seinem Vortrag über die Jugendarbeit des „Bund der Alevitischen Jugendlichen in Bayern“. Der 23-jährige Co-Vorsitzende des Bundes erläuterte die humanistische Religionsgemeinschaft der Aleviten, die sich an den Werten des Menschen, anstatt an einem Buch orientieren würde. Das wichtigste zu lesende Buch sei der Mensch, führte Yener aus. Es gebe in der Religionsgemeinschaft auch keine Differenzierung zwischen Mann und Frau oder arm und reich. Die Aleviten stammen zu 95 Prozent aus der Türkei und von den Türken in Deutschland seien 20 Prozent Aleviten. In der Türkei sehen sich die Aleviten Repressalien ausgesetzt. Yener sprach ausführlich über die Jugendarbeit der Religionsgemeinschaft. Die Anzahl der Ortsjugenden habe sich in Bayern in den vergangenen Jahren stark erhöht und man sei endlich auch als Vollmitglied im Bayerischen Jugendring vertreten. Wichtig sei den Jugendlichen der Erhalt der Alevitischen Lehre. Dafür gebe es Seminare, die auch in Bayern sehr gut angenommen werden. Man sei auch gut vernetzt um sich auszutauschen und zu lernen. Der Bund helfe auch bei der Bildung neuer Jugendgruppen und unterstütze diese nachhaltig. 

Musikalisch unterstützt wurde der Neujahrsempfang von Mitgliedern der Gemeinde und Otfried Richter mit seinem Chor „Silk Road“. (ew)

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