Jeder kann einen Beitrag leisten

Exkursionstagung zum Insektenschutz im Günztal

Fünf Männer stehen um Mähwerk eines Traktors
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Stefan Schütz (im Bild links), Landwirtschaftsexperte der Stiftung Kulturlandschaft Günztal, erläutert die Vorteile eines Doppelmessermähwerkes für eine insektenschonende Wiesenbewirtschaftung.

Ottobeuren - Der Insektenschutz ist seit dem Volksbegehren „Rettet die Bienen“ in aller Munde. Doch wie können wir unseren Insekten wirkungsvoll helfen? Welche Strukturen bieten geeigneten Lebensraum und was ist bei deren Anlage oder Pflege zu beachten?

Diese und weitere Fragen wurden kürzlich von 40 Expertinnen und Experten aus Praxis und Wissenschaft im Rahmen einer Exkursionstagung in Ottobeuren diskutiert. Zu dem Fachaustausch hat das Bayerische Artenschutzzentrum (Augsburg), die Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (Laufen) und die Stiftung Kulturlandschaft Günztal nach Ottobeuren eingeladen. Die Stiftung erläuterte den Tagungsbesuchern aus ganz Bayern ihre aktuelle Arbeit im Projekt „Insektenfreundliches Günztal“, das vom Bundesamt für Naturschutz und dem Bayerischen Naturschutzfonds gefördert wird.

Lebensraum-Strukturen schaffen

Der Ökologe Sebastian Hopfenmüller stellte mehrere sogenannte. „Mikrohabitat-Inseln“ vor, die vor Kurzem im Auftrag der Günztalstiftung rund um Ottobeuren angelegt wurden. „Mit diesen Biotopmaßnahmen wollen wir für eine große Vielfalt von Insektenarten Lebensräume auf kompakter Fläche schaffen“. So beschreibt Insektenspezialist Hopfenmüller das Ziel der Maßnahmen. Dabei werden auf jeder Fläche fünf verschiedene, für Insekten besonders wirksame, Lebensraum-Strukturen gestaltet: Blühflächen, Brachestrukturen, offene Bodenflächen, Totholz und Feuchtstellen.

Wie auf landwirtschaftlich genutzten Wiesen künftig mehr für den Insektenschutz getan werden kann, stellte Landwirtschaftsexperte Stefan Schütz gemeinsam mit den beiden Praktikern Julius Edelmann und Jürgen Biechteler vor. Sie führten moderne Mähgeräte mit Doppelmesserbalken vor, die eine deutlich insektenschonendere Bewirtschaftung von Wiesen möglich machen sollen. „Diese Geräte können Landwirte bei uns künftig kostenlos testen“, so Schütz. Er warb dafür, die Ansprüche von leistungsstarker Landwirtschaft und Artenschutz besser zu vereinbaren. Dazu zähle neben dem Einsatz von naturschonenderer Mähtechnik ebenso die Schaffung von Rückzugsmöglichkeiten für die im Grünland lebenden Insekten durch Altgrasstreifen.

Extensive Weideflächen

Nicht zuletzt wurde auch das Projekt „Günztal Weiderind“ als Vorbild für den Insektenschutz genannt. „Extensive Weideflächen sind für Insekten besonders wertvoll, weil sie einen deutlich größeren Strukturreichtum aufweisen als Wiesen“, erläuterte Biologe und Stiftungsvorstand German Weber. Außerdem machte er auf die besondere Rolle der Kuhfladen aufmerksam: „Wir nennen ihn auch den Fladen der Vielfalt“, so Weber, weil sich davon eine Vielzahl von Käfern und anderen Insekten ernähren kann.

Am Ende der Fachtagung wurde als Fazit festgehalten: so vielschichtig die Ursachen für den Insektenrückgang auch sind, so vielfältig sind die Möglichkeiten, für deren Schutz etwas zu tun. Jeder könne zumindest einen kleinen Beitrag leisten, manche sogar einen großen. (MK)

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