Gegen Vertrauensverlust und Bevormundung:

Partei „die Basis“ nominiert Bundestags-Direktkandidaten

Mann mit Bart und Brille links Mann mit T-Shirt rechts
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Florian Mayr (links) und Roman Albrecht kandidieren für die noch junge Partei „die Basis“ für den Bundestag.

Unterallgäu - Die im vergangenen Sommer neu gegründete Partei „die Basis“ hat jetzt für die beiden Bundestagswahlkreise im Unter- und Ostallgäu ihre Direktkandidaten aufgestellt. Roman Albrecht aus Unterkammlach tritt für den Wahlkreis 255 im nördlichen Unterallgäu, den Kreisen Neu-Ulm und Günzburg, im „Nüsslein und Sauter-Land“ wie er augenzwinkernd bemerkt, an. Florian Mayr aus Füssen kandidiert für den Wahlkreis 257 in Memmingen, dem südlichen Unterallgäu und Ostallgäu.

Albrecht und Mayr betonen, dass die Partei - obwohl als Reaktion auf die ersten Freiheitseinschränkungen gegründet - keine „Anti-Corona“-Partei ist. Ihnen wie den bereits über 13.000 Mitgliedern geht es um viel mehr: Mit Basisdemokratie soll das politische Modell von morgen etabliert werden, die „Menschen wieder das Ruder in die eigenen Hände nehmen“ so der 28-jährige Roman Albrecht. Er ist gelernter Elektriker und studiert derzeit an der FH in Kempten. In seinem Heimatort ist er in vielen Vereinen verankert und fühlt sich mit Frau und zwei Kindern wohl im Unterallgäu. Auch der 41-jährige Florian Mayr ist zuhause mit Frau und Kind gut vernetzt: seit 25 Jahren ist er bei der Feuerwehr und hat auch sieben Jahre beim Katastrophenschutz mitgeholfen und ist bei einigen Vereinen vor Ort Mitglied. Der ebenfalls gelernte Elektriker hat sich zum Webdesigner fortgebildet und betreibt mittlerweile seit 20 Jahren schon eine eigene Internetagentur.

Politisch interessiert

Beide Kandidaten waren früher nie in politischen Parteien aktiv und doch politisch interessiert. Wie die meisten anderen Menschen haben sie jahrlang die Verantwortung in die Hände von Politkern gelegt und geglaubt, die machen das schon richtig. „Wir erkennen jetzt, dass wir uns darin getäuscht haben“, so Mayr. Das Konzept der neuen Partei, das auf vier Säulen fußt, hat sie zum Mitmachen ermutigt. Die vier Säulen heißen: Freiheit, Machtbegrenzung, Achtsamkeit und Schwarmintelligenz. Alle Inhalte, Entscheidungen und Formen des Austauschs werden an diesen vier Säulen ausgerichtet. Beherrschung einer Mehrheit über eine Minderheit ist für beide nicht das Mittel der Wahl. In den Kreisverbänden, Arbeitsgruppen und Treffen werde stets mit wertschätzender Kommunikation versucht, einen Konsens zu finden. Beide verweisen auf die Homepage https://diebasis-partei.de/, wo es zwar noch kein abschließendes Parteiprogramm, aber eine Satzung gibt, die die Grundsätze des politischen Handelns vorgeben.

Abgrenzung nach rechts

Beide mussten bereits Anfeindungen über sich ergehen lassen, sei es von anderen Parteien als auch von Menschen aus dem Umfeld. Oft wird ihnen Rechtsradikalität unterstellt, was beide sehr deutlich zurückweisen. „Das Menschenbild, das rechten Gruppen und Parteien zugrunde liegt, verträgt sich überhaupt nicht mit unseren Prinzipien der 4-Säulen“, so Mayr. Er verweist auch auf die Basis-Satzung, dort heißt es: „Von jeder Form extremistischer Bestrebungen, die die freiheitlich-demokratische Ordnung untergraben, grenzen wir uns eindeutig und entschieden ab und versuchen diese aktiv zu verhindern“. Beide Kandidaten verwahren sich auch gegen den Vorwurf einer Tageszeitung, einer der Parteigründer sei ein regelmäßiger Redner auf Querdenker-Veranstaltungen. „Das ist schlichtweg falsch“. Abweichende Meinungen und Kritik an der aktuellen Politik seien kein Privileg von Rechten, vor dem Verfassungsschutz haben beide keine Angst, im Gegenteil: „Wir laden diese Menschen gerne ein, sich mit uns über die freiheitlich-demokratische Grundordnung auseinander zu setzen.“ Es gehe ihnen darum, eine Politik aus der Mitte der Gesellschaft heraus und mit den „Vielen“ zu machen und verweisen auf die Satzung der Partei. Bildung, Forschung und Wissenschaft, Medizin, Kultur, öffentlicher Sport sowie die Medien dürften nicht von wirtschaftlichen oder machtpolitischen Interessen bestimmt werden.

Rasante Mitgliederentwicklung

Das Konzept scheint vielen zu gefallen, aktuell gibt es bereits über 13.000 Mitglieder bundesweit und knapp 3.000 in Bayern. Es gebe bereits einen regelrechten Mitgliederantrags-Stau, die junge Partei sei logistisch noch nicht gerüstet für soviel Zuspruch. Bis zur Bundestagswahl könne noch viel passieren. Derzeit gibt es in Bayern täglich etwa 50 neue Anträge auf Mitgliedschaft. Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg konnte die neue Partei schon gute Erfahrungen sammeln, auch wenn sie noch nicht überall zur Wahl angetreten ist. So konnten unter anderem Stimmenanteile in Kehl mit 3,5 Prozent, in Offenburg mit 2,4 Prozent und Baden-Baden mit 2,2 Prozent erzielt werden. In der Stadt Oberkirch ist die grade gegründete Partei mit 6,59 Prozent auf Anhieb fünftstärkste Kraft geworden.

Es sei „zwar unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich“ so Roman Albrecht, dass sie als Direktkandidaten in den Bundestag einzögen, aber vielleicht über die Landesliste. „Die Basis“ werde gerade zur neuen starken Kraft und vereine Menschen, die in Frieden und Freiheit leben und miteinander bessere Entscheidungen treffen möchten, sind beide überzeugt. (Tom Otto)

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