Pfarrer Martin Kreiser von der Gemeinde verabschiedet

»Alle Tassen im Gemeindeschrank!«

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Dekan Ludwig Waldmüller (rechts) verabschiedet Pfarrer Martin Kreiser mit einem »katholischen Andenken«.

Memmingen - Einen bewegenden Abschied bereitete die Evangelische Kirchengemeinde der evangelisch-lutherischen Versöhnungskirche dem scheidenden Pfarrer Martin Kreiser und seiner Familie im Rahmen eines Gottesdienstes und einem anschließenden Stehempfang im Pfarrgarten. Die Bestätigung für seinen unermüdlichen Einsatz in der zehnjährigen Gemeindearbeit erhielt Pfarrer Kreiser dabei nicht nur von Seiten der eigenen Gemeinde und des Dekanats, auch Gesellschaft und Politik bekundeten ihre Anerkennung.

Vor zehn Jahren kam Martin Kreiser mit seiner Ehefrau Lore und den zwei Töchtern von Baden-Württemberg in die Gemeinde im Westen der Stadt. Bedingt durch den bayernweiten personalen Engpass an Pfarrern wurde der württembergische Seelsorger für fünf Jahre nach Memmingen »ausgeliehen«. Eine erneute Verlängerung um weitere fünf Jahre konnte der Kirchenvorstand der Versöhnungskirche von der Landeskirche erwirken. Jetzt verlässt der beliebte Pfarrer Bayern und kehrt nach Baden-Württemberg zurück. Die neue Pfarrei, in der er tätig sein wird, ist ihm bis dato noch nicht bekannt. Die Gemeinde der Versöhnungskirche wird bis auf weiteres vakant bleiben. Martin Kreiser schaute in seiner Zeit als Gemeindepfarrer auch immer gerne »über den Tellerrand hinaus«, wie es der Vertrauensmann des Kirchenvorstandes Markus Walcher formulierte. »Am Städtebauförderungsprogramm »Soziale Stadt« war Pfarrer Kreiser maßgeblich beteiligt, wobei er den Neubau mit auf den Weg brachte«, so Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger. Im Zuge der Umgestaltung des Ernst-Reuter-Platzes erhält die Gemeinde demnächst einen eigenständigen Kirchturm. Die Solidarität mit sozial schwachen Menschen vor der Haustüre war Pfarrer Kreiser immer ein großes Anliegen, das die Leiterin des benachbarten Wartburgkindergartens, Barbara Schelle, als »gelebte Nächstenliebe« bezeichnete. Dekan Kurt Kräß überbrachte den Dank des Dekanats für das erbrachte Engagement und den Dienst als Botschafter des Evangeliums. Mit Martin Kreiser verliert das Marianum in Buxheim einen hochgeschätzten Kollegen, so der stellvertretende Schulleiter Volkmar Lutz. Der Vorstand des Diakonischen Werkes Alexander von der Marwitz beschrieb Martin Kreiser in seiner Ansprache als Mensch, der aufmerksam den anderen gegenübersteht und sich in der Not konkret einsetzt. »Im Westen ist sozialer Spengstoff«, an dieses Zitat aus den Anfängen von Martin Kreiser erinnerte Pfarrer Franz Weingärtner in seiner Laudatio. Nach den beeindruckenden Reden folgten Einlagen des Kirchenvorstandes und einiger Gemeindemitglieder, denen der Abschiedsschmerz nach der zweieinhalbstündigen Verabschiedung ins Gesicht geschrieben stand. Zum Schluss kleidete Pfarrer Martin Kreiser selbst seine zehn Jahre in der Versöhnungskirche in eine Geschichte. »Von der württembergischen Kaffeekanne, die zum bunten Geschirr »made in Bavaria«, der Versöhnungskirche kam und sich unter den ganzen Tassen und Tellern erst mal ihren Platz suchen musste.«. Die Kaffeekanne wurde in den letzten zehn Jahren gerne und häufig benutzt und füllte viele Tassen mit Inhalt. Jetzt wird sie ihren Dienst in einem anderen Porzellan-Ensemble verrichten. Den Tassen und Tellern im Schrank der Versöhnungskirche wird die Kaffeekanne fehlen. (ds)

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