„Dann haben wir ein echtes Problem“

Pflegende Angehörige immer stärker belastet

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Stefan Gutermann von der Diakonie Memmingen beklagt, dass Entlastungsangebote für pflegende Angehörige nicht kostendeckend finanziert würden.

Memmingen – „Jeder spricht vom Fachkräftemangel in der Pflege“, sagt Irene Richter, fachliche Leiterin der Gruppe der pflegenden Angehörigen der Diakonie Memmingen. „Berechtigterweise. Aber mindestens genauso problematisch ist, dass zukünftig definitiv weniger pflegende Angehörige zur Verfügung stehen, die obendrein noch stark belastet sind. Und dann haben wir ein echtes Problem.“ Immerhin würden 70 Prozent der Pflegebedürftigen von Angehörigen zu Hause versorgt.

Entlastungsleistungen müssen geschaffen und genutzt werden, darüber ist man sich einig, aber wie sollten diese aussehen? Schulungsmaßnahmen sind ein wichtiger Punkt, aber auch ein Ausbau an Entlastungsangeboten wie Tages- und Kurzzeitpflegeplätzen. Ein weiteres Thema: niedrigschwellige Entlastungsleistungen wie Hilfen im Haushalt, stundenweise Betreuung oder Betreuungsgruppen, Hilfe bei Antragsstellungen oder Botengänge.

 „Aus Sicht der Träger müssen die Voraussetzungen geschaffen werden, um entlastende Angebote wie zum Beispiel die Kurzzeitpflege auch kostendeckend darstellen zu können“, sagt Stefan Gutermann, Vorstand der Diakonie Memmingen. „Derzeit ist das nicht der Fall.“ Aber auch der Austausch der Angehörigen untereinander sei ein wesentlicher Eckpfeiler, betont Richter. So erhielten Angehörige Bestätigung im Gespräch mit anderen Betroffenen. Ihnen könne so vermittelt werden, dass sie auch für sich selbst sorgen müssten und Hilfestellungen getrost in Anspruch nehmen dürften.

Der finanzielle Aspekt

Aus der Sicht von Gutermann und Richter müsse es einen Budgettopf geben, der allerdings individuell einsetzbar sein sollte. Als Beispiel: Gelder für die Tagespflege würden nur dann Sinn machen, wenn das Angebot auch für den Betroffenen verfügbar sei oder genutzt werden könnte, zum Beispiel aufgrund der Schwere der Erkrankung eines Angehörigen. „Was ist, wenn Angehörige im Beruf kürzer treten oder komplett aussteigen? Wie kann dies finanziell einigermaßen ausgeglichen werden? Die Pflegeleistungen müssen ja in der Regel für entsprechende Dienste, Medikamente oder sonstige Ausgaben für die Pflege in Anspruch genommen werden“, sagt Irene Richter. 

Es gibt bereits Angebote um der Erschöpfung pflegender Angehöriger vorzubeugen, die Diakonie Memmingen bietet derzeit folgende an:

  • Tagespflege und Kurzzeitpflege in Memmingen und bald auch in Erkheim 
  • Gruppe pflegende Angehörige zur Information und zum Erfahrungsaustausch 
  • Soziale Beratung für pflegende Angehörige 
  • Oasenzeit – Betreuungsnachmittage in Steinheim, Erkheim und Lauben für (pflegebedürftige) Senioren unter fachlicher Leitung 
  • ambulante Pflege und hauswirtschaftliche Versorgung (MK)

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