Scharf aufs Korn genommen

Beißender Spott beim Politischen Aschermittwoch des CRB

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Einlage der „jungen Wilden“ des CRB: Als Bauern des Umlandes treffen sich Sebastian Dörr, Harald Miller, Thomas Mayer und Nicolas Schnür (von links) zu einem kreativen Brainstorming, um närrische Zwölf Bauernartikel zu formulieren.

Memmingen - „Wir befinden uns im Jahr 2019 nach Christus. Ganz Deutschland hat schon schnelles Internet, einen Ikea und ein Schwimmbad… – ganz Deutschland? Nein! Ein von unbeugsamen Allgäuern bevölkertes Dorf hört nicht auf, den Neuerungen Widerstand zu leisten.“

So begann das „Bauerntheater“ auf dem Politischen Aschermittwoch des Christlichen Rathausblocks, mit dem die vier „jungen Wilden“ des CRB die Memminger zu widerstandsfähigen Galliern stilisieren – nein, nicht den Römern trotzen sie, sondern dem Fortschritt! In einem amüsanten Brainstorming durch die Memminger Themenlandschaft schrieben Sebastian Dörr, Harald Miller, Thomas Mayer und Nicolas Schnür die Zwölf Bauernartikel zur Gaudi des Publikums im Hotel Rohrbecks um. Das Ergebnis waren zwölf „Bauernregeln zu Memmingen“, die unter anderem ein „Retro-Ganzjahresbad“ bis 2030 sowie ein CRB-Monopol im Stadtrat festschreiben und das Bahnhofsareal zum „schwedischen Swingerclub“ umfunktionieren.

Etwas faktenlastiger, aber nicht viel gnädiger fiel das Urteil des „CRB-Beobachters“ Heribert Guschewski aus, der die Brennpunkte der Stadtpolitik in den Fokus seines Fernglases rückte. Der Stadtrat als „schwankendes Schiff“ in einem Oberzentrum, das rückwärts rudert – dieses Bild malte, stellvertretend für den erkrankten Dichter Guschewski, der Fraktionsvorsitzende Wolfgang Courage. In ungestümen Schüttelversen und nicht ohne Selbstironie beschreibt Guschewski in seinem Gedicht, was für „närrische Sachen“ in Memmingen aus der Sicht des CRB seit der letzten Fasnacht passiert sind: Da reimt sich das im Wahlkampf noch viel beschworene „Bürgerbüro“ auf „nirgendwo“ und der „Schreck“ auf „plötzlich war Ikea weg“: Nach 400 Jahren hätten die Schweden wieder mal vor Memmingens Toren gestanden und – anders als damals – waren sie höchst willkommen, doch zogen sie aus freien Stücken wieder ab. Vielleicht schreckte sie die „berüchtigte Memminger Liste“, spekuliert der Beobachter.

Das Aufreger-Thema „Weinmarkt“ sei mittlerweile „sanft entschlafen“, während der „seltsame Brunnen“ dort Feinstaub und Abgase von täglich 6.000 Fahrzeugen vernebele. Erfrischendes Nass genießen auch die Tauben, die – zumindest bislang noch – auf dem Schrannenplatz „Badeurlaub“ mit Vollpension machen. Ein Taubenfütterungsverbot soll ja nun verhindern, dass das Kleinvieh weiter Mist macht. Vom Tauben-Hamam ging‘s zur Bäderfrage, mit der die Memminger sich ihren Berliner Flughafen geschaffen hätten.

Großes Augenmerk richtete der CRB-Beobachter auf die „unendliche Geschichte“ vom Bahnhofsquartier, die durch ein Bürgerbegehren nun eventuell neu geschrieben werden muss. „Alles andere als schick“ hätten Ankommende in Memmingen nun weiterhin „die Ruinenstadt im Blick“, mokierte sich der CRB-Klarseher über das „grausige Gelände“ und den „vergammelten ZOB“. Unter den Unbillen und Baustellen, die dem Fernglasträger ins Auge stechen, befindet sich auch die Hurrenstraße, „das längste Ärgernis im Land“.

Mit dem Geziehe und Gezerre der Engländer um den Brexit vergleicht der kritische Beobachter den „Verhandlungspoker“ um die Klinikenfusion. Durch den gemeinsamen Vorstoß der „Vierer-Fusionspartei“ CSU/ÖDP/FW/Grüne für eine 50:50-Regelung ist der Weg nun frei für die nächste Runde.

Natürlich bekamen auch die politischen Mitbewerber ihr Fett ab: Die ÖDP-Fraktion stellte der Fernglasträger als notorische Projektverhinderungspartei dar und die bayerische SPD tauge nur noch für den Artenschutz. Mit einem schrägen Blick von Memmingen aus auf Europa schloss die CRB-Beobachtungszeit zyklusgemäß ab. Mit Kässpatzen gestärkt geht es nun in die neue Saison. (sol)

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