„Das Ziel wurde nicht erreicht“

Projekt „ Energiewende Unterallgäu Nordwest“ läuft aus

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Diskutierten über die dezentrale Energiewende (von links): Daniel Höder, (BayWa renewable energy), Professor Michael Sterner (Hochschule Regensburg), Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, Moderator Martin Sambale (eza), Norbert Schürmann (LEW) und Wendelin Einsiedler (Windpark Wilpoldsried).

Günz - Rund um das Thema Energieversorgung der Zukunft ging es bei der zweitägigen Abschlussveranstaltung des Energie- und Umweltzentrums Allgäu (eza) und der Agentur für erneuerbare Energien in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Unterallgäu und der Lechwerke AG., beim Projekt Modellregion „Energiewende Unterallgäu Nordwest“ im Gasthaus Laupheimer. An der abschließenden Podiumsdiskussion nahm auch der neue Bayerische Wirtschaftsminister, Hubert Aiwanger, teil.

„Wie kann in einer ländlichen Region eine beschleunigte Energiewende mit einer überwiegend auf erneuerbaren Energien basierende Versorgung gelingen?“. Diese Frage stand im Mittelpunkt der Diskussion. Eine Energiewende im Zeitraffer zu schaffen, daran wurde in den vergangenen drei Jahren im nordwestlichen Unterallgäu mit Hochdruck gearbeitet. Die Förderung für das im Mai 2016 mit Energieteams in 27 Gemeinden der Modellregion gestartete Projekt mit dem Ziel, den Anteil erneuerbarer Energien am Strom- und Wärmeverbrauch innerhalb von fünf Jahren auf über 60 Prozent zu steigern, endet im März 2019. Das Ziel wurde nicht erreicht. 

Politische Rahmenbedingungen fehlen

„Wir müssen das, was wir haben auf die Straße bringen und wir haben durchaus das Potential, uns in Bayern selbst zu versorgen“, erklärte Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger. „Die Zukunft wird dezentral sein und wir müssen flexibler werden“, ergänzt Norbert Schürmann von der LEW. „Was uns fehlt sind politische Rahmenbedingungen. Die Politik muss Anreize schaffen“, sagte Daniel Hölder von der BayWa r.e. Clean Energy Sourcing GmbH. Problematisch sei derzeit der Ausbau der Windenergie. 

Grund dafür sei die von den Referenten kritisierte 10H-Regelung die vorsieht, dass eine neue Windkraftanlage soweit von einer Wohnbebauung entfernt sein muss, wie der Mast hoch ist. Der ehemalige bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer hatte diese Regelung vor fünf Jahren erlassen. Landrat Hans-Joachim Weirather ging auf die damalige Entwicklung ein und schilderte, wie das im Unterallgäu gelaufen ist. „Wir haben 2013 die Projektentwicklungsgesellschaft Windenergie gegründet und planten, mit Bürgern als Miteigentümern, Anlagen zu bauen. Wir waren gut aufgestellt. Dann kam die 10H-Regelung und wir waren erledigt“. 2018 wurde die Gesellschaft liquidiert. Weirather bezweifelte auch „ob wir die Begeisterung für den Bau von Windkraftanlagen ein zweites Mal herstellen können“. Notwendig sei eine mutige Politik, auf die man sich verlassen könne, so seine Forderung. 

Modelle entwickeln

„Wir müssen jetzt Modelle entwickeln, um die Windenergie wieder in Gang zu bringen“, bemerkte dazu Aiwanger, demzufolge es jedem Bürgermeister erlaubt ist, die 10H-Regelung zu unterlaufen, wenn er im Gemeinderat dafür eine tragfähige Mehrheit findet. Der Wirtschaftsminister setzt künftig auf eine Kombination aus erneuerbaren Energien und Gaskraftwerken, um die Grundversorgung an Strom zu sichern. Doch was passiert, wenn eine CO2-Steuer eingeführt wird, fragte Martin Sambale, Geschäftsführer des Energie- und Umweltzentrums Allgäu (Eza). Dann würde nicht nur der Strom teurer, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit darunter leiden, so Aiwanger, der derartige Steuern ablehnt. 

Dass die Energiewende trotzdem geschafft werden kann, davon ist Norbert Schürmann von den Lechwerken überzeugt. „Unser Ziel ist es, bis zum Jahr 2050 hundert Prozent erneuerbare Einergiequellen für den Strom zu erreichen“. Dazu müssten aber sowohl die Erzeugung als auch der Absatz regionaler werden. Wichtig sei die Gründung von Solarparks, die dann den selbst erzeugten Strom, inklusive Batteriespeicher, in Unternehmen wie auch in Privathäusern einsetzen können. „Wir haben die Basis, den Anteil erneuerbarer Energien wesentlich zu erhöhen“, so Schürmann.  (jw)

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