Frau soll ihren Nachbarn mit Messer und Pfanne verletzt haben

Prozess am Landgericht Memmingen: War es versuchter Totschlag?

Statue der Justitia
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Eine 27-Jährige soll ihren Nachbarn angegriffen und verletzt haben. Nun ist sie wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung angeklagt.
  • vonAnna Müller
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Memmingen – Eine 27-Jährige ist am Memminger Landgericht wegen versuchten Totschlags mit gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Sie soll im April mit einem Messer auf ihren Nachbarn eingestochen haben. Eine Bratpfanne war wohl auch involviert.

Im April lebten beide in einer Unterkunft für sozial Schwache in Memmingen. Wie die Angeklagte dort gelandet war, das erzählte sie der 1. Strafkammer am zweiten Prozesstag. So sei das Verhältnis zu ihren Eltern schon immer schwierig gewesen; mittlerweile habe sie weder zur Mutter noch zum Vater Kontakt.

Die 27-Jährige erzählte von einem Leben geprägt von ernsthaften gesundheitlichen Problemen – körperlich wie psychisch – die sich zum Teil bis in die Gegenwart ziehen. So sei sie auch immer wieder wegen unterschiedlicher Erkrankungen in Behandlung gewesen. Dazu kam ein früher Drogenkonsum, der letztendlich in die Abhängigkeit führte. Nach dem Verlust ihrer letzten Arbeitsstelle und ihrer Wohnung fand sie einen Platz in der Memminger Unterkunft.

Über ihre persönlichen Verhältnisse gab die junge Frau bereitwillig und detailliert Auskunft, aber zu den Tatvorwürfen wollte sie nichts sagen – vorerst, wie ihre Verteidigerin Anja Mack erklärte.

Was genau in dieser Aprilnacht passiert ist, das wollte die Strafkammer von dem Nachbarn wissen, der mehrere Stichverletzungen davongetragen hatte. Dessen erste Aussage war, dass die Angeklagte nur ihren Freund habe verteidigen wollen und sie ihn „relativ oberflächlich“ verletzt habe. „Ich nehm’s ihr gar nicht böse“, sagte der junge Mann vor Gericht. Aus seiner Perspektive begann alles damit, dass der Partner der Angeklagten in dieser Nacht lautstark und „rabiat“ an die Nachbarstür klopfte. Davon genervt, habe er ihm „zwei mitgegeben“, sprich mit der Faust zugeschlagen, und ihn auf den Boden gedrückt.

Die Angeklagte sei dazwischen gegangen und habe schlichten wollen. Laut Zeugenaussagen soll der Nachbar ihr eine Kopfnuss verpasst haben. Darauf angesprochen, erklärte dieser, dass er sich daran nicht mehr erinnern könne: „Wenn Sie wüssten, wie viel Promille wir alle hatten“, sagte er zum Vorsitzenden Richter Christian Liebhart. Er habe die 27-Jährige laut eigener Aussage verbal provoziert, an den genauen Wortlaut könne er sich aber ebenfalls nicht mehr erinnern.

Laut Staatsanwaltschaft habe die Angeklagte ihrem Nachbarn dann mit einer Bratpfanne auf den Kopf geschlagen. Danach soll sie ein Küchenmesser gegriffen und damit auf ihn eingestochen haben. Ihr Nachbar erzählte vor Gericht, wie er „Mach doch, mach doch!“ gerufen hat, als sie mit dem Messer vor ihm stand. Er habe dabei „nicht damit gerechnet, dass sie den Mumm hat“. Dann habe sie mehrmals auf seinen Oberkörper eingestochen. Die Verletzungen waren laut Staatsanwaltschaft oberflächlich – das Messer hatte sich verbogen.

Nach dem Angriff zog sich der junge Mann in die Wohnung seiner Freundin zurück. Durch die Tür habe er gehört, wie die Angeklagte laut nach einem Handy rief, um die Polizei zu alarmieren. Auf die Frage, warum nicht er oder seine Partnerin den Notruf gewählt hatten, erklärte er, dass es „nicht so schlimm“ gewesen sei: „Pack schlägt sich, Pack verträgt sich“, sagte er der Strafkammer. Die Entschuldigung der Angeklagten vor Gericht nahm er an.

Auch der Partner der Angeklagten, mit dessen Klopfen alles losgegangen war, gab vor Gericht an, sich an viele Dinge nicht mehr zu erinnern. So habe er von der Bratpfanne erst bei der polizeilichen Vernehmung gehört, obwohl er während des Angriffs nur wenig entfernt auf dem Boden gesessen habe. Dass der Nachbar der Angeklagten eine Kopfnuss gegeben hat, darüber war sich der junge Mann aber relativ sicher. Sowohl er als auch die Partnerin des Nachbarn beschrieben diesen als impulsiv und unter Alkoholeinfluss auch aggressiv.

Für den Prozess sind vorerst vier weitere Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil soll Anfang März fallen. (am)

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