Schwerer sexueller Missbrauch eines Kindes

Prozess am Landgericht Memmingen: Schwester der Ehefrau missbraucht

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Memmingen/Region - Ein 34-Jähriger ist angeklagt, die kleine Schwester seiner Ehefrau über Jahre hinweg sexuell missbraucht zu haben. Angezeigt hat ihn das heute 17-jährige Mädchen – und er selbst.

Seit Freitag sitzt der Mann am Memminger Landgericht auf der Anklagebank. Zu Beginn der Übergriffe, die laut Staatsanwaltschaft mit der Zeit immer schwerwiegender wurden, war das Mädchen neun Jahre alt.

Der Vorsitzende Richter Christian Liebhart ging an den ersten beiden Verhandlungstagen mit dem Angeklagten detailliert dessen Sichtweise auf die Vorwürfe durch. „Ich bin Täter“, sagte der 34-Jährige auf die Fragen der Jugendschutzkammer. Seine Aussagen deckten sich größtenteils mit den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft. So gab er zu, das Kind unter anderem im Intimbereich angefasst und gestreichelt zu haben. Auch habe das Mädchen ihn oral befriedigen müssen. Der Angeklagte zeigte sich reuig, sprach jedoch davon, dass er die kleine Schwester seiner Frau zu nichts gezwungen hätte: „Sie hat da quasi mitgemacht.“

Die Staatsanwaltschaft und das Mädchen sehen das anders. Der Polizei hatte die heute 17-Jährige berichtet, dass der Angeklagte sie psychisch unter Druck gesetzt habe, niemandem etwas zu erzählen. So habe er ihr gesagt, dass sich ihre Schwester sonst von ihm scheiden lassen und seine vier Kinder dann ohne Vater dastehen würden. Auch habe das Mädchen sich anfangs noch gewehrt, habe aber im Lauf der Zeit aufgegeben und die Taten einfach über sich ergehen lassen.

Angezeigt hatte sie ihren Schwager im Januar dieses Jahres, nachdem sie sich im November 2018 einer älteren Schwester anvertraut hatte. Wie diese und der Angeklagte vor Gericht übereinstimmend erzählten, habe er die Übergriffe seiner Frau derweil schon 2017 gestanden – letztendlich habe diese ihm verziehen. Laut ihrer anderen Schwester habe die Frau des Angeklagten stattdessen dem Kind die Schuld an den Übergriffen gegeben. Erfahren habe von ihr niemand etwas. Der Rest der Familie hat erst davon gehört, als das Mädchen sich dazu überwand, ihrer Schwester davon zu erzählen. Drei Tage, nachdem sie ihren Schwager angezeigt hatte, ging dieser selbst zur Polizei, um sich wegen sexuellen Missbrauchs zu stellen.

Laut ihrer Schwester geht es der heute 17-Jährigen immer noch „sehr schlecht“. Die Jugendliche wird auf Antrag ihrer Anwältin am nächsten Prozesstag unter Ausschluss der Öffentlichkeit per Videovernehmung befragt. Damit soll ihr eine direkte Konfrontation mit dem Angeklagten erspart werden. Momentan befindet sie sich wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung in psychiatrischer Behandlung. Ein Urteil soll voraussichtlich nächste Woche fallen. (am)

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