Mutmaßliche Diebesbande am Landgericht angeklagt

Prozess in Memmingen: In rund 60 Geschäften in die Kasse gegriffen

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Memmingen – Seit Juni müssen sich drei Männer und zwei Frauen vor der 1. Strafkammer am Memminger Landgericht verantworten. Im Zeitraum von 2017 bis 2019 sollen die Männer von Tschechien aus immer wieder in Deutschland auf Diebestour gegangen sein.

Laut Anklage hätten sie dabei in 61 Geschäften Geld aus der Kasse gestohlen – oder dies zumindest versucht. Der Gesamtschaden beläuft sich auf rund 41.000 Euro. Unter anderem sollen sie dabei auch in Memmingen, Thannhausen und Marktoberdorf unterwegs gewesen sein. Dabei waren die mutmaßlichen Täter nach Ansicht der Staatsanwaltschaft jeweils zu zweit. Einer lenkte das Verkaufspersonal ab, der andere griff in die Kasse. Die beiden Frauen – Ehefrau und Tochter eines Mitangeklagten – sollen sich derweil um die Organisation von Mietwagen und Unterkünften gekümmert haben.

Wie schon beim Prozessauftakt angedeutet, begann der zweite Verhandlungstag mit einem längeren Gespräch zwischen den Mitgliedern der 1. Strafkammer, der Verteidigung und der Staatsanwaltschaft unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Das Ergebnis: Die Prozessbeteiligten einigten sich auf einen von der Kammer vorgeschlagenen Strafrahmen – unter der Bedingung, dass die Angeklagten ein vollumfängliches und nachprüfbares Geständnis ablegen.

Bei der Vernehmung des 48-jährigen mutmaßlichen Kopfes der Bande gab es aber schon die ersten Schwierigkeiten. Seine Verteidigerin hatte bereits darauf hingewiesen, dass ihr Mandant sich aufgrund eines Drogenproblems nicht mehr an alle Details erinnern könne. Wie der Mann selbst aussagte, wisse er nicht einmal mehr, wie viel Geld sie insgesamt gestohlen hätten oder in welchen Städten sie überhaupt unterwegs waren – auch auf Nachfrage konnte er keinen einzigen Ortsnamen nennen. Auch wisse er nicht mehr genau, wie das mit den Diebstählen angefangen habe. Freunde seines Sohnes hätten damals von seiner Drogenabhängigkeit erfahren, darunter auch ein 24-jähriger Mitangeklagter. Der habe ihm dann vorgeschlagen, gemeinsam in Deutschland Diebstähle zu begehen.

Dabei sei es dem 48-Jährigen nach eigener Aussage nicht ums Geld gegangen, sondern darum, seine Drogensucht vor seiner Familie zu verheimlichen. Außerdem gab er an, dass er selbst die Autos gemietet habe, mit denen er und sein Komplize in Deutschland unterwegs waren. An diesem Punkt erinnerte der Vorsitzende Richter Christian Liebhart den Angeklagten bereits zum zweiten Mal daran, dass ein wahrheitsgemäßes Geständnis Teil des Angebots der Kammer war. Und er könne zwar verstehen, dass der 48-Jährige seine Frau schützen wolle, nur entspreche das dann eben nicht der Wahrheit, wie die Daten aus der Chat- und Telefonüberwachung auch belegen würden.

Der Verteidiger der ebenfalls angeklagten 46-jährige Ehefrau erklärte, dass die Anklage grundsätzlich richtig sei und seine Mandantin von Tschechien aus Mietwagen und Unterkünfte für ihren Mann und dessen Komplizen organisiert habe. Wo genau die Männer unterwegs waren, habe sie zwar nicht gewusst, ihr sei jedoch klar gewesen, dass sie in Deutschland auf Diebestour gingen. Die Beute sei in die Haushaltskasse der Familie geflossen. Die 24-jährige Tochter der beiden ließ über ihren Anwalt erklären, dass sie die Unterkünfte für ihren Vater und seine Komplizen gebucht hatte und die Anklage der Staatsanwaltschaft korrekt sei. Weiter wollte sie sich aber nicht äußern.

Diebstahl unter Drogeneinfluss

Der 24-jährige Mitangeklagte, der den 48-Jährigen nach dessen Aussage angeblich zum Diebstahl ermuntert haben soll, erzählte diese Geschichte etwas anders. Nachdem er mit dessen Tochter eine Beziehung angefangen hatte, habe der Vater ihn dazu gedrängt, mit ihm zum Stehlen nach Deutschland zu fahren. Damit das leichter von der Hand geht, habe er dem jungen Mann Methamphetamin gegeben. An alle Einzeltaten könne aber auch er sich nicht mehr erinnern.

Der fünfte Angeklagte, ein 37-Jähriger aus Estland, sprach von einer „Dummheit“, die unter Drogeneinfluss „einfach passiert“ sei. Nachdem er in seiner Heimat eine Haftstrafe abgesessen hatte, sei er nach Tschechien gegangen, um von dort aus eine Mitfahrgelegenheit nach Westeuropa zu suchen – dabei sei er über einen Bekannten auf den 48-Jährigen mutmaßlichen Kopf der Bande gestoßen, der ihn nach Deutschland mitnahm. Laut Anklage war er dort in vier der 61 Fälle als Ablenker an den Diebstählen beteiligt.

Weiter geht der Prozess am 16. Juli, ein Urteil soll voraussichtlich am 21. Juli fallen. (am)

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