Auf guten (Rad-)Wegen unterwegs

Radverkehrskonzept für Memmingen erstellt

Die Ausschussmitglieder sprachen sich einstimmig für das vorgestellte Radwegekonzept aus.
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Die Ausschussmitglieder sprachen sich einstimmig für das vorgestellte Radwegekonzept aus.

Memmingen - Wer in Memmingen mit dem Fahrrad unterwegs ist, der merkt schnell: Das Verkehrskonzept ist sehr in die Jahre gekommen und zu wenig auf Radfahrer ausgerichtet. Zwar weist die Stadt bereits ein dichtes Netz an Radverkehrsanlagen auf, allerdings herrscht hier noch ein starker Bedarf an Verbesserungen.

Deshalb hat die Stadt Memmingen unter der Federführung des Tiefbauamtes durch die Stadtplaner des Ingenieurbüros brenner BERNARD aus Aalen ein umfangreiches Radverkehrskonzept erarbeiten lassen. Herausgekommen ist ein Katalog mit 271 Maßnahmen, die die Sicherheit und den Komfort der Radfahrer in der Stadt verbessern sollen.

In Memmingen wird viel mit dem Rad gefahren, wie der Radverkehrsanteil von 25 Prozent zeigt. Um diese Entwicklung zu unterstützen, ist eine adäquate Radverkehrsinfrastruktur sowohl für den Alltags- als auch für den Freizeitverkehr erforderlich. Mit großem Interesse wurde in der letzten Sitzung des Ausschusses für Öffentliche Sicherheit, ÖPNV und Verkehr die Vorstellung des ausgearbeiteten Konzeptes verfolgt. Sämtliche der in dem Radverkehrskonzept aufgeführten 271 Maßnahmen wurden von den Planern mit einer pauschalen Kostenschätzung unterlegt und nach Bedeutung, Sicherheit und Ausbauqualität bewertet. Auf der Agenda steht unter anderem die Verbreiterung des Radstreifens entlang der Bismarkstraße von der Wallensteinstraße bis zum Königsgraben. Dieser Streifen soll von der bisherigen Breite von 1,5 Meter auf mindestens 1,85 Meter verbreitert werden. Die Verbreiterung des Radstreifens an der Bismarkstraße hat mit fünf von acht Punkten eine mittlere Priorität. Für diese Maßnahme haben die Planer Kosten in Höhe von 23.000 Euro veranschlagt.

Mit einfachen Mitteln

Mehr als die Hälfte des Radverkehrskonzeptes, nämlich 171 Punkte, sind Sofortmaßnahmen, die ohne größeren Aufwand in naher Zukunft umgesetzt werden können. „Wir könnten etwa 40 Punkte abarbeiten, wenn wir Grundstückseigentümer anschreiben, dass sie ihre Hecken zurückschneiden sollen“, meinte Urs Keil, der Radverkehrsbeauftragte der Stadt. Weitere Sofortmaßnahmen wären beispielsweise das Auffüllen eines Schlaglochs am Kaisergraben sowie das Anbringen von roten Fahrradfurten an Grundstückseinfahrten an der Dr.-Karl-Lenz-Straße.

Mehr Abstellmöglichkeiten

Das Radverkehrskonzept soll im Wesentlichen der Verwaltung als Orientierungs- und Handlungsrahmen bei der Entwicklung der Infrastruktur für die nächsten acht bis zehn Jahre dienen. Dies sei zudem nötig, erklärte Keil, damit Memmingen den Titel einer fahrradfreundlichen Stadt erhalten könne. Die Gesamtkosten für die 271 Maßnahmen geben die Planer mit rund zehn Millionen Euro an, verteilt auf Stadt, Freistaat und andere Träger. Kleinmaßnahmen können mit Mitteln aus dem laufenden Straßenunterhalt umgesetzt werden. Umfangreichere Maßnahmen bedürfen einer genaueren Planung und der Anmeldung von Haushaltsmitteln sowie der Entscheidung des Ausschusses beziehungsweise des Plenums.

Ausschussmitglied Prof. Dr. Dieter Buchberger (Grüne) regte an, ob der Radweg nach Dickenreishausen nicht mit Spritzasphalt geteert werden könnte. Was seiner Ansicht nach nicht nur schneller, sondern auch günstiger wäre. Grundsätzlich zeigte sich Buchberger begeistert von dem Konzept und den darin aufgeführten Maßnahmen. Zweite Bürgermeisterin Margareta Böckh (CSU) freute sich darüber, dass in Memmingen so viel mit dem Rad gefahren werde, dadurch würden aber auch mehr Fahrradparkplätze benötigt. Heike Eßmann (ÖDP) bemängelte, dass die Abstellplätze am Bahnhof voll mit alten und defekten Rädern seien. Mitarbeiter der Stadt würden diese zweimal jährlich freiräumen, erklärte Urs Keil.

Bessere Beleuchtung

Mehrere Ausschussmitglieder setzten sich für eine bessere Beleuchtung entlang der Radwege - vor allem außerhalb geschlossener Ortschaften - ein. Besonderes Augenmerk legte Gottfried Voigt (FW) auf den Radweg über den „Monte Schutto“ an der Buxacher Straße. „Fahrt mal bei Dunkelheit den Berg hoch, das ist nicht angenehm“, empfahl er den Kolleginnen und Kollegen. Es komme auch aus vielen Ortsteilen der Wunsch, die Radwege zu beleuchten, sagte Oberbürgermeister Manfred Schilder. An zwei Strecken habe die Stadt bereits Randmarkierungen anbringen lassen, wodurch die Wege besser erkennbar seien. Bei einer grundsätzlichen Beleuchtung der Radwege würde natürlich ebenfalls die Lichtverschmutzung ansteigen. Dem widersprach Dieter Buchberger: Es gebe durchaus Lösungen, um die Lichtverschmutzung gering zu halten und verwies auf das Lichtkonzept der Stadt Mindelheim. „Lieber kommt ein Insekt zu Schaden als ein Kind“, so Buchberger. Auch zwischen Ferthofen und Volkratshofen befinde sich ein „wunderbar dunkler“ Radweg, ergänzte Michael Ruppert (CSU). Das Thema Radwegbeleuchtung würde sich sicherlich lohnen, einmal komplett darüberzuschauen, schlug Ruppert vor.

Das Votum der Ausschussmitglieder fiel einstimmig für das vorgestellte Radwegekonzept aus. Der Stadtrat soll im Herbst diesen Jahres das Verkehrskonzept und dessen Umsetzung in den nächsten Jahren beschließen. (mb)

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