Antisemitisch und „völkisch“

Rechtsextreme Partei „III. Weg“ in der Region aktiv

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Aufmarsch der Partei "III. Weg" am 1. Mai 2016 in Plauen. Später lieferten sich die Neonazis gewalttätige Auseinandersetzungen mit der Polizei.

Memmingen/Unterallgäu – Memmingen, Benningen, Pleß, Boos, Illerbeuren, Legau, Erkheim, Mindelheim: Immer wieder finden Anwohner Flyer in ihren Briefkästen, die Stimmung gegen Asylbewerber machen, die Wiedereinführung der Todesstrafe fordern oder zum „Heldengedenken“ einladen. Verfasst und verteilt werden diese Zettel vom „III. Weg“. Aber was genau ist das eigentlich für eine Organisation?

Laut Angaben des bayerischen Verfassungsschutzes handelt es sich beim „III. Weg“ um eine Partei, die einen stark neonazistisch geprägten Rechtsextremismus vertritt. Zahlreiche Mitglieder, Fördermitglieder und Sympathisanten stammen aus dem Umfeld des 2014 verbotenen neonazistischen Netzwerks „Freies Netz Süd“ (FNS), das wiederum seinen Ursprung in der 2003 verbotenen „Fränkischen Nationalfront“ hat. Der offizielle Status als Partei hat laut Sebastian Lipp von Allgäu ⇏ rechtsaußen, der sich eingehend mit den Aktivitäten rechtsextremer Gruppierungen in der Region beschäftigt, vor allem einen Grund: Eine Partei kann nur dann verboten werden, wenn sie nicht nur eine verfassungsfeindliche Haltung vertritt, sondern diese Haltung auch in aktiv-kämpferischer, aggressiver Weise umsetzen will. Und das muss erst einmal bewiesen werden. 

Der „III. Weg“ verfügt laut Verfassungsschutz bundesweit über rund 500 Mitglieder, 140 davon in Bayern. Der Stützpunkt Schwaben existierte bis November 2017. Seitdem werde er jedoch nicht mehr in der offiziellen Auflistung geführt. Tatsächlich ist der „III. Weg“ aber immer noch in der Region aktiv. Auch beim Besuch von Angela Merkel in Ottobeuren am 30. September hatten sich Mitglieder des „III. Weg“ unter die Demonstranten gemischt. Auf Fotos von diesem Tag sind sie in Jacken mit der Aufschrift „National – Revolutionär – Sozialistisch“ zu sehen. Einer von ihnen trug Quarzsandhandschuhe; die sollen Faustschläge verstärken und sind bei Versammlungen verboten. Laut Polizei wurde dies als Verstoß gegen das Versammlungsgesetz zur Anzeige gebracht.

Beim Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel am 30. September in Ottobeuren waren Mitglieder des „III. Weg“ vor Ort.

Parallelen zur NSDAP

Die ideologischen Ziele des „III. Weg“ ergeben sich aus dessen Satzung sowie aus einem „Zehn-Punkte-Programm“, das auf Elemente des 25-Punkte-Programms der NSDAP zurückgreift. Beide Programme stützen sich auf einen biologischen Volksbegriff. Die NSDAP hatte festgeschrieben, dass nur derjenige ein „Volksgenosse“ sein könne, der „deutschen Blutes“ sei. Der „III. Weg“ fordert die „Erhaltung und Entwicklung der biologischen Substanz des Volkes“ sowie die „Beibehaltung der nationalen Identität des deutschen Volkes“, die es vor „Überfremdung“ zu schützen gelte. 

In seinem „Zehn-Punkte-Programm“ fordert der „III. Weg“ außerdem die Wiedereinführung der Todesstrafe für Kindermord und andere Kapitalverbrechen sowie die Wiederherstellung „Gesamtdeutschlands in seinen völkerrechtlichen Grenzen“. In diesem Zusammenhang spricht der „III. Weg“ auch von einer „friedlichen Vereinigung des deutschen Volkskörpers im Rahmen der ethnischen Selbstbestimmung und [der] Schaffung eines souveränen deutschen Volksstaates“, was der bayerische Verfassungsschutz als den Zusammenschluss aller deutschsprachigen Gebiete in einem Staat interpretiert. Auch der Antisemitismus ist laut Verfassungsschutz prägend für die Ideologie der Partei. Tatsächlich findet sich auf deren Webseite ein Aufruf, keine israelischen Produkte zu kaufen; die Rede ist hier von „zionistischem Geschwür“.

Seltsames Frauenbild

Vor diesem Hintergrund ist auch das Frauenbild des „III. Weg“ nicht sonderlich überraschend: Im Blog „Weggefährtin“ – angeblich „von Frau zu Frau“ verfasst – ist in einem Beitrag zum hundertjährigen Jubiläum des Frauenwahlrechts zum Beispiel davon die Rede, dass berufliche Führungspositionen nichts für Frauen seien, da sie „mit ihrem Wesen und ihrer Ursprünglichkeit in Konflikt treten“ würden. Nach Aussage dieses Beitrages sei es für Frauen viel wichtiger, „[m]ännlichem Handeln einen Rahmen zu geben und einen Mann als Ganzes zu etwas Höherem zu geleiten“. 

In einem weiteren Blogbeitrag ist die Rede von „völkische[m] Selbstmord, der durch die Überfremdung unseres Vaterlandes buchhalterisch 'ausgeglichen' wird“. Der „III. Weg“ sieht die Aufgabe der Frauen hier, möglichst viele – gesunde – Kinder zur Welt zu bringen und diese der rechtsnationalistischen Ideologie entsprechend zu erziehen.

Warum hier?

Aber warum ist der „III. Weg“ in letzer Zeit im Allgäu so aktiv, wenn der nächste offizielle Stützpunkt in München liegt? Sebastian Lipp vermutet, dass die Organisation in der Region verstärkt Flyer verteilt, eben gerade weil sie hier noch nicht so stark ausgebaut ist wie in anderen Teilen Deutschlands. Das bedeute aber nicht, dass der „III. Weg“ nicht gefährlich sei. Das Risiko sei „auf jeden Fall amtlich“, so Lipp. Denn mit dieser Taktik spreche die Gruppierung eben nicht nur den harten Kern der Neonazis an, sondern auch „Leute, von denen man das nie erwarten würde“. Mit ihren Aktionen würden sie außerdem – gewissermaßen als Nebeneffekt – für Anti-Flüchtlings-Rhetorik empfängliche Menschen auch für andere, etabliertere rechtsextreme Organisationen rekrutieren. (am)

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