Umwelt, Gier und Hedonismus

„Reset Now“: Landestheater Schwaben stellt Programm für Spielzeit 2021/22 vor

leerer Zuschauerraum im Landestheater Schwaben
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Noch bleiben die Sitzreihen im Großen Haus des Landestheaters Schwaben leer, hoffentlich aber nicht mehr allzu lange. Das Programm für die kommende Spielzeit steht auf jeden Fall schon.
  • vonAnna Müller
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Memmingen – „Mit ein bisschen Wehmut“, präsentierte Dr. Kathrin Mädler am Mittwoch das neue Programm am Landestheater Schwaben. Ist es doch die letzte Spielzeit der Intendantin in Memmingen, bevor sie nach Oberhausen wechselt. Der kommenden Spielzeit blicke man am LTS „vorsichtig optimistisch“ entgegen und mit „großer Sehnsucht, wieder spielen zu können“.

Die Kulturlandschaft ist von der Corona-Krise mit ihren Einschränkungen stark gebeutelt. Das Landestheater Schwaben bildet da keine Ausnahme. Die Zuschauerränge blieben leer, Stücke mussten verschoben oder ins Internet verlegt werden. Das tut der Kreativität und Vorfreude auf die kommende Spielzeit am Landestheater aber keinen Abbruch. Thematisch passen die aktuellen Zustände und das Motto „Reset Now“ sogar ganz gut zusammen – und das, obwohl der neue Spielplan bereits feststand, bevor die Corona-Pandemie das vorherrschende Thema war.

Über den Umgang mit Krisen

Ab Herbst geht es am Landestheater um den Klimawandel und seine Folgen, um menschliche Gier, Hybris, Hedonismus und unsere zerstörerischen – aber auch schöpferischen – Tendenzen. Die großen Fragen, die hier gestellt werden, sind: Wie gehen wir mit Krisen um? Welche Veränderungen wünschen wir uns für unsere Gesellschaft und unseren Planeten? Und wie setzen wir diese verantwortlich um? Dabei soll laut Mädler auch immer eine „große Portion Optimismus und Idealismus“ mitschwingen.

13 Premieren stehen ab Herbst am LTS an; den Anfang macht die Uraufführung von „Wackersdorf“, die die Geschichte der bürgerlichen Proteste gegen den Bau einer atomaren Wiederaufbereitungsanlage in den 80er Jahren erzählt. „Lügnerin“, nach dem Roman der israelischen Autorin Ayelet Gundar-Goshen, handelt derweil von der jungen Nuphar, die durch eine spontane und nicht durchdachte Lüge die Aufmerksamkeit bekommt, nach der sie sich schon immer gesehnt hat.

Die boshafte Komödie „Natur“ hat der Dramatiker Lukas Hammerstein eigens für das Landestheater Schwaben geschrieben: Erlebnistouristen warten in einem Wellness-Resort auf einen bevorstehenden spektakulären Felssturz – hervorgerufen durch den Klimawandel. Das Stück handelt von der menschlichen Hybris im Umgang mit der Umwelt, unserer Gier nach großen Bildern und unserer manchmal schon heuchlerischen Fähigkeit, das eigene Gewissen zu beruhigen.

Nur 140 Wörter am Tag sprechen: Das wird den Figuren in der deutschen Erstaufführung von Sam Steiners „Zitronen, Zitronen, Zitronen“ aufdiktiert. Das Drama kreist um die Sprache, ihre Anpassungsfähigkeit und ihre Macht. „Lampedusa“ hätte laut Chefdramaturgin Anne Verena Freybott eigentlich schon in der laufenden Spielzeit auf die Bühne kommen sollen, musste aber wegen des Lockdowns verschoben werden. Nun feiert das Stück über Humanität und Solidarität im November Premiere.

Die Komödie „Wunsch und Wunder“ beschäftigt sich mit den Möglichkeiten der modernen Reproduktionsmedizin und den dadurch enststandenen Schöpfungsfantasien, während „Ausverkauft“ als Rechercheprojekt aufgebaut ist. Es geht um unsere Einstellung zu Lebensmitteln und dem, was wir jeden Tag konsumieren.

Auch große Klassiker der Weltliteratur sind in der nächsten Spielzeit vertreten: Goethes „Iphigenie auf Tauris“ reiht sich aneinander mit Schillers „Die Jungfrau von Orleans“ und Mary Shelleys „Frankenstein“, letzteres in einer Neubearbeitung von Nick Dear.

Schon für Juni hat das LTS eine besondere Open-Air-Vorstellung geplant. Dann will man auf dem obersten Deck des Parkhauses in der Memminger Schwesterstraße das Stück „Emmas Glück“ zeigen. Bisher ist Platz für rund 120 Zuschauer vorgesehen – gesetzt den Fall, dass solche Veranstaltungen bis dahin wieder erlaubt sind.

Unter dem Titel „Neues Schwaben, neues Glück“ widmet sich das Landestheater seinem über den ganzen Bezirk verstreuten Publikum. Wie Freybott mit sichtlicher Vorfreude erklärte, sollen bei diesem interaktiven, digitalen und analogen Projekt Kulturschaffende aus vier Gastspielorten in der Region die lokal geprägte Geschichte eines positiven Neustarts nach der Krise erzählen. Im Lauf des Projekts nehmen sie dabei immer mehr aufeinander Bezug und verbinden ihre Geschichten zu einem gemeinsamen Finale. Die erste Gruppe aus Kaufbeuren ist schon mit dabei. Gefördert wird dieses Projekt von der Kulturstiftung des Bundes.

Neue Sparte „Junges Landestheater Schwaben“

Ab der kommenden Spielzeit bekommt das LTS zudem eine eigene Sparte für junges Publikum. Wie Theaterpädagogin Claudia Hoyer ausführte, soll diese in einer dreijährigen Aufbauphase etabliert werden. Geplant ist ein dreiköpfiges Ensemble, das jedes Jahr neue Produktionen für alle Altersklassen präsentieren soll.

Schon in dieser Spielzeit bezieht das „Junge Landestheater Schwaben“ seine neue Spielstätte am Schweizerberg in Memmingen und bringt „Das Dschungelbuch“, „Als die Bohne Achterbahn fuhr“ und „Die beste Kuh der Welt“ auf die Bühne.

Claudia Hoyer sieht in dieser neuen Sparte – gerade in dieser für die Kultur schweren Zeit – „eine wahnsinnige Chance“ und freut sich über dieses Zeichen, wie wichtig dem Bezirk Schwaben und dem Zweckverband des Landestheaters kulturelle Angebote für die Jugend seien .Generell, so Mädler, würde das Landestheater Schwaben von seinem Zweckverband „treu getragen“ und auch auf die Unterstützung der Zuschauer und Abonnenten sei Verlass. So freute sich die Intendantin über rund 900 Zuschauer, die man mit online gestreamten Vorstellungen erreicht habe.

Für Abonnenten soll es in der neuen Spielzeit wieder feste Vorstellungstermine geben, um hier – auch in komplizierten Zeiten – wieder mehr Verlässlichkeit zu schaffen. Bleibt zu hoffen, dass das LTS die neue Spielzeit wie geplant umsetzen kann – spannend wird es auf jeden Fall.

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