1. kurierverlag-de
  2. Memmingen

Runder Tisch für das FFH–Gebiet „Benninger Ried“

Erstellt:

Von: Rainer Becker

Kommentare

Mehrere Leute auf hölzerner Plattform im Grünen
Ein Teil der Besucher auf der Plattform im Benninger Ried. © Rainer Becker

Benningen - Unter der Bezeichnung „Natura 2000“ wurde europaweit ein Netz bedeutender Fauna-Flora-Habitat-Gebiete (FFH-Gebiete) und Vogelschutzgebiete (SPA-Gebiete) eingerichtet. Zur Sicherung eines günstigen Erhaltungszustands werden für diese Gebiete „Managementpläne“ erarbeitet.

Hauptanliegen ist dabei die Erhaltung des heimischen Naturerbes. Das FFH-Gebiet „Benninger Ried“ gehört zu diesem Natura 2000 Netz. Der „Entwurf des Managementplanes“ für das Gebiet liegt mittlerweile vor. Die Ergebnisse der durchgeführten Erhebungen sowie die vorgeschlagenen Maßnahmen wurden in einer Veranstaltung „Runder Tisch Benninger Ried“ in der „Riedkapelle zum Hochwürdigen Gut“ vorgestellt. Dazu wurden alle Grundstückseigentümer, Landwirte, Vertreter der Gemeinden und Verbände, Behördenvertreter sowie interessierte Bürger direkt vor Ort eingeladen, die auch zahlreich erschienen. Auch Memmingens Oberbürgermeister Manfred Schilder war vor Ort und lauschte mit den Gästen interessiert den Ausführungen von Claudia Eglseer (Regierung von Schwaben) und Hubert Anwander (Biologe), die sich seit vielen Jahren um die Erhaltung der biologischen Vielfalt im Benninger Ried bemühen.

Der Managementplan

Im Maßnahmenteil des Managementplan wird nach den Erhebungen konkret gezeigt, was für die Erhaltung oder Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustands der Lebensräume und Arten notwendig ist. Dies ist in vielen Fällen die Weiterführung der bisherigen Bewirtschaftung und Pflege, kann aber auch die Wiederaufnahme einer bestimmten Bewirtschaftungsart oder eine Renaturierung bedeuten. Für die Bewirtschafter zeigt der Managementplan auch Fördermöglichkeiten auf, da für angepasste Nutzungen, Bewirtschaftungserschwernisse oder Ertragsminderungen Ausgleich gezahlt werden kann.

Der Plan wird vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Krumbach (Schwaben) – Mindelheim zusammen mit der Regierung von Schwaben und der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes Unterallgäu sowie der Stadt Memmingen erarbeitet. Der Planentwurf wird mit den Betroffenen, vor allem Grundbesitzern, Bewirtschaftern und Kommunen abgestimmt. Durch eine möglichst breite Akzeptanz der Ziele und Maßnahmen soll die Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung geschaffen werden.

96 Hektar großes Gebiet

Das rund 96 Hektar große FFH-Gebiet „Benninger Ried“ stellt den Rest eines ursprünglich viel ausgedehnteren Kalkquellmoores dar. Seine naturschutzfachliche Bedeutung erlangt es vor allem durch den 22 Hektar großen, zugleich als Naturschutzgebiet geschützten Kernbereich mit dem letzten gut und flächig erhaltenen Kalkquellsumpf des nördlichen Alpenvorlandes. Das Gebiet beherbergt hochgradig gefährdete Lebensgemeinschaften wie Kopfbinsenriede, Schneidried-Sümpfe, Kalktuffquellen und die Riednelke, einem weltweit nur noch im Benninger Ried vorkommenden Endemiten. Das bis auf randliche Holznutzung ungenutzte Kerngebiet ist geprägt durch flächige Quellaustritte und Vernässungen über Kalkschotter mit Alm- und Kalktuffabscheidungen. Diese sind Voraussetzung für die Existenz von speziell an diese Bedingungen angepasste Lebensgemeinschaften mit einer Vielzahl zum Teil gefährdeter Pflanzen- und Tierarten, darunter die FFH-Arten Helm-Azurjungfer, Kriechender Sellerie sowie die Goppe und die Schmale Windelschnecke.  

Zoologische Artenvielfalt

Auch weist das Benninger Ried eine enorme zoologische Artenvielfalt auf und beherbergt zahlreiche Raritäten, darunter 17 Neu- beziehungsweise Wiederfunde für Bayern beziehungsweise Deutschland. Unter den Tagfaltern sind die Vorkommen des Großen Wiesenvögelchen und des Randring-Perlmutterfalters hervorzuheben. Unter den Nachtfaltern ist beispielsweise der stark gefährdete Rauschbeerenspanner hervorzuheben. Die Libellenfauna zeichnet sich neben der Helm-Azurjungfer durch den Kleinen Blaupfeil, die Gefleckte Heidelibelle und durch die 2017/2018 erstmals nachgewiesene Gefleckte Smaragdlibelle aus.

Zum Erhalt oder der Wiederherstellung des Arten- und Lebensraumspektrums im FFH-Gebiet werden im Entwurf des Managementplans folgende übergeordnete Maßnahmen vorgeschlagen: Erhalt beziehungsweise Wiederherstellung des Wasserhaushaltes durch Einleitung von Grundwasser, Einbau von Brunnen in den Quellbächen im Kerngebiet und einem schonenden Grabenunterhalt, keine Vertiefung von Gräben im Umfeld des Kerngebietes zur Verringerung des Abflusses, Reduzierung von Nährstoffeinträgen durch Extensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung im FFH-Gebiet sowie möglichst auch im unmittelbar angrenzenden Anstrombereich, Erhalt beziehungsweise Wiederherstellung des Offenlandcharakters durch Entbuschung und Gehölzentfernung sowie Fortsetzung der Informations- und Öffentlichkeitsarbeit.

Weitere Maßnahmen zum Erhalt der einzelnen Pflanzen und Tiere sind ebenfalls erläutert worden und können beispielsweise im Internet oder bei der Stadt Memmingen, Untere Naturschutzbehörde, Marktplatz 1 in Memmingen eingesehen werden.

Auch interessant

Kommentare