Pressekonferenz mit Ministerpräsident Markus Söder

Schneller impfen und Wechselunterricht: So setzt Bayern die Corona-Beschlüsse um

Weiße FFP2-Maske made in Germany.
+
Die FFP2-Maskenpflicht bleibt in Bayern bestehen.
  • vonAnna Müller
    schließen

Bayern - Mittlerweile hat es fast schon Routine: Nach dem Bund-Länder-Gipfel tagt der bayerische Ministerrat und konkretisiert die Corona-Maßnahmen der Regierung. Und so gab Ministerpräsident Markus Söder am Donnerstag wieder eine Pressekonferenz zum weiteren Vorgehen.

Am Mittwoch hatten Bund und Länder den Lockdown bis zum 28. März verlängert und gleichzeitig Öffnungen beschlossen. Einzelhandel, Kontaktbeschränkungen, Kinos, Museen und Sport: Wie weit gelockert wird, hängt vom Sieben-Tage-Inzidenzwert in der jeweiligen Region ab. Bayern hält sich im Großen und Ganzen an diese Linie.

„Wir stehen jetzt vor wichtigen Weichenstellungen in einer ganz sensiblen Phase der Pandemie“, begann Söder die Pressekonferenz am Donnerstag. „Fakt ist: Alle sind genervt, viele sind gestresst, manch einer verliert die Nerven.“ Die Regierung dürfe das aber nicht. Man müsse in dieser Phase klug abwägen, wie man weiter vorgeht. Die zweite Corona-Welle sei besiegt, aber „die dritte Welle rollt“, so Söder. Er warnte vor der erhöhten Ansteckungsgefahr durch die neuartigen Mutationen des Virus: „Ungeduld darf nicht zur Gefährdungslage werden.“ Die jetzt gefassten Beschlüsse seien Versuch und Konzeption, „Sicherheit und Freiheit in die richtige Balance zu bringen“.

Das Konzept basiere laut Söder auf drei Säulen. Die erste davon: Vorsicht. So bleibt in Bayern die FFP2-Maskenpflicht bestehen ebenso wie die nächtliche Ausgangssperre in Corona-Hotspots. Und ab einer Inzidenz über 100 greift die am Mittwoch beschlossene „Notbremse“; die betroffene Region muss also wieder herunterfahren.

Die zweite Säule: Vertrauen. Die Menschen sollen mehr Möglichkeiten haben, die Situation selbst abzuwägen und die Dinge wieder mehr in die Hand zu nehmen. Daraus folgt der dritte Punkt: Verantwortung. Jeder habe die Verantwortung, die Maßnahmen vernünftig umzusetzen. Ob es einen entspannten Osterurlaub oder einen neuen Osterlockdown gibt, hänge von jedem einzelnen ab, so der Ministerpräsident.

Wie schon die Bundeskanzlerin ging Söder auf die Tests und Impfungen als wichtige „Begleitinstrumente“ ein. Jedoch seien auf deutscher Ebene bisher zu wenige Tests vorhanden. Für Bayern wurden laut Söder bereits 100 Millionen Tests bestellt und davon Millionen in Umlauf gebracht. Kommunale Testzentren sollen dann auch gleich die entsprechenden Nachweise liefern, mit denen man sich für 24 Stunden „freitesten“ kann. Verpflichtend sollen diese Tests übrigens nicht sein.

Impfen sei „die einzige wirkliche Langzeitstrategie“ gegen das Coronavirus. Als „Kardinalfehler“ bezeichnete Söder den schleppenden Ablauf der Impfungen in Deutschland. Ein Problem sei auch die Zurückhaltung vieler Menschen beim Impfstoff von AstraZeneca. Dabei bleibe immer noch zu viel Impfstoff übrig.

„Alles muss verimpft werden, was geht“, erklärte Söder. „Es kann nicht sein, dass Leute, die geimpft werden wollen, nicht geimpft werden dürfen.“ Deswegen würden nun Lehrkräfte, Erzieher und Polizisten in der Reihenfolge priorisiert. Für Hotspots soll es in Bayern eine zusätzliche Priorität geben. Diese Regionen - meist Grenzgebiete - würden sonst Gefahr laufen, zu Mutationsgebieten zu werden. Zudem sei die Impfbürokratie noch viel zu unflexibel und schwerfällig. Deswegen sollen möglichst bald - Söder sprach von Ende März - Haus- und Fachärzte gegen Corona impfen. Zusätzlich sollen die Kapazitäten der Impfzentren verdoppelt werden. Aus der starren Imfpriorisierung soll eine Empfehlung werden, damit die Ärzte selbst freier entscheiden können.

Lockern je nach Inzidenzwert

76 Landkreise und Städte liegen in Bayern aktuell unter einem Inzidenzwert von 100 - das sind 87 Prozent der Bevölkerung. 13 Prozent - 20 Regionen - liegen über diesem Wert. So erfährt der Großteil der bayerischen Bevölkerung ab kommender Woche die nächsten Lockerungen.

Unter einer Inzidenz von 100 gilt: Es dürfen sich fünf Personen aus zwei Halshalten treffen; Kinder unter 14 Jahren werden nicht mitgerechnet. Unter dem Wert von 35 dürfen sich zehn Menschen aus drei Haushalten treffen.

Bei Handel, Kultur und Sport liegt der Knackpunkt an der 50er-Inzidenz. Liegt der Wert in einer Region darunter, kann der Einzelhandel am 8. März öffnen - mit Maskenpflicht und Quadratmeterbegrenzung. Museen, Zoos, Galerien, Bibliotheken, Gedenkstätten darf man dann ebenfalls wieder besuchen. Auch Möglichkeiten zum Sport im Freien soll es dann wieder geben. Bleibt dieser Wert 14 Tage lang stabil, soll es Konzepte für die Außengastronomie, Theater, Oper und Kino geben. Auch für den Sport soll es dann weitere Lockerungen geben.

Liegt der Wert zwischen 50 und 100, kann man beim Einzelhandel mit Termin einkaufen, auch „Click & Meet“ genannt. Auch im Kulturbereich könnte man dann mit Terminvereinbarung öffnen. Bleibt dieser Wert stabil, dürfen Außengastronomie, Theater und Kino ebenfalls den Betrieb aufnehmen, aber dann nur mit Tests.

Bei einem Inzidenzwert über 100 bleibt es bei den bestehenden Regeln.

Präsenz- und Wechselunterricht

Die Maskenpflicht in den bayerischen Schulen bleibt bestehen. Zweimal die Woche soll auf das Coronavirus getestet werden. Die langsame Rückkehr in den Präsenzunterricht soll ab dem 15. März beginnen, ebenfalls abhängig vom Inzidenzwert. Liegt dieser unter 50, wird der Präsenzunterricht für die Klassen eingeführt, die bis jetzt im Wechselunterricht waren. Das betrifft die erste bis vierte Jahrgangsstufe der Grund- und Förderschulen. Alle anderen gehen vom Distanz- in den Wechselunterricht. Bei einer Inzidenz zwischen 50 und 100 gehen alle Schüler in den Wechselunterricht. Bei über 100 bleibt es beim Distanzunterricht. Dann sind nur die Abschlussklassen in der Schule. Die bayerische Regierung hält übrigens an den Osterferien fest und will diese laut Söder nicht kürzen.

Bei den Kitas läuft es ähnlich ab: normaler Betrieb unter 50, eingeschränkter Regelbetrieb bei einem Wert zwischen 50 und 100, Notbetreuung ab einer Inzidenz über 100. (am)

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Memminger Bauausschuss löst Sanierungsstau auf
Memminger Bauausschuss löst Sanierungsstau auf
Weiterhin viel zu tun für „Donum Vitae“ in Memmingen
Weiterhin viel zu tun für „Donum Vitae“ in Memmingen
Corona in Memmingen: Notbetreuung, kein Präsenzunterricht und Testpflicht, das gilt nächste Woche für Kinderbetreuungseinrichtungen und an Schulen
Corona in Memmingen: Notbetreuung, kein Präsenzunterricht und Testpflicht, das gilt nächste Woche für Kinderbetreuungseinrichtungen und an Schulen
AfD-Kreistagsfraktion verurteilt Angriffe auf Landrat
AfD-Kreistagsfraktion verurteilt Angriffe auf Landrat

Kommentare