Haus zur Schützenkultur landet vor Gericht

Das „Dorf im Dorf“ wächst

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Dieser Entwurf zeigt die angestrebte Geländeentwicklung des Schwäbischen Bauernhofmuseums Illerbeuren.

Kronburg-Illerbeuren - Das Schwäbische Bauernhofmuseum Illerbeuren wird größer – und das verdankt es Anton Gregg. Denn ihm gehört die rund drei Hektar große Fläche, für die das Museum im November das Erbbaurecht erhalten hat.

Dass es soweit gekommen ist, liegt vor allem an Jürgen Reichert, Bezirkstagspräsident und Vorsitzender des Zweckverbandes „Schwäbisches Bauernhofmuseum Illerbeuren“. Er hat immer wieder das Gespräch mit Gregg gesucht, um ihn vom Nutzen seines Grundes für das Museum zu überzeugen. Dieser ist schon seit Generationen in Familienbesitz und macht über zehn Prozent von Greggs Betriebsfläche aus – sich davon zu trennen, fällt schwer. Auch innerhalb der Familie wurde lange und ausführlich darüber diskutiert, bis dann im November feststand: Das Gelände wird mittels eines Erbbauvertrags dem Museum zur Verfügung gestellt. 

Das bedeutet konkret, dass Gregg weiterhin der Eigentümer bleibt und das Bauernhofmuseum diese Fläche frei nutzen kann – und das vorerst für die für solch einen Vertrag typischen 99 Jahre. Die neue Fläche verbindet bereits vorhandene Areale des Freilichtmuseums, die bisher jedoch noch nicht zugänglich waren. Die gesamte Erweiterung von rund acht Hektar erstreckt sich als Hochebene über das bisherige Museumsgelände. 

Hans-Joachim Weirather, Landrat und stellvertretender Verbandsvorsitzender, drückte seinen Stolz darüber aus, ein solches Museum in der Region zu haben. Es bestehe aber für den Landkreis auch eine große Verantwortung, diese Einrichtung – auch finanziell – weiterhin zu unterstützen. Dies könnte laut Reichert auch bedeuten, mehr Personal einzustellen, wobei er hier vor allem von Leuten sprach, die sich um Führungen und die Pflege der Häuser kümmern. Ob in Zukunft auch mehr Mitarbeiter für die Forschung abgestellt werden, steht hingegen noch offen.

Ganz Schwaben in einem Dorf 

Auf jeden Fall kommt mit der Erweiterung einiges an Arbeit auf die Museumsmitarbeiter zu. Denn für den Ausbau des Geländes sind in den letzten Jahren bereits acht historische Häuser an ihren Ursprungsstandorten abgetragen und eingelagert worden. Drei Baustellen gibt es am Museumsrand bereits zu sehen: Ein Bauernhaus aus der Einöde bei Engenberg (Westallgäu), eine kleine Fachwerkkapelle aus Luttenried (Ostallgäu) sowie ein Bauernhaus aus Weicht (Ostallgäu) werden gerade aufgebaut. Weitere fünf Gebäude warten noch darauf, im Museum wiederaufzuerstehen. 

Besonders interessant ist dabei der Wohnteil einer Sölde aus Stölzlings bei Kempten, das nachweislich älteste Bauernhaus im Allgäu. Teile dieses Hauses stammen aus dem Jahr 1467 und sind damit älter als zum Beispiel die Zwölf Bauernartikel. Außerdem sollen eine Sennerei aus Unterbetzisried bei Ottobeuren, ein Kleinbauernhof aus Gundremmingen (Landkreis Günzburg), eine Sölde aus Deiningen und ein Bauernhaus aus Reimlingen (beide Landkreis Donau-Ries) nach und nach aufgebaut werden. 

Jedes dieser Gebäude wird vorher bauhistorisch untersucht, wobei auch die Geschichte der Bewohner eine wichtige Rolle spielt. Waren diese Menschen arm oder reich, gebildet oder ungebildet, verbrachten sie ihr ganzes Leben im selben Ort oder wanderten sie vielleicht sogar nach Bessarabien oder Odessa aus, wie es im frühen 19. Jahrhundert in Gundremmingen häufig der Fall war? 

Ziel dieser umfangreichen Erweiterung ist es, die charakteristischen Regionen Schwabens – vom Ries bis ins Allgäu – darzustellen. Und vielleicht locken die neuen Gebäude auch Besucher aus den etwas weiter entfernten Teilen Schwabens an, wenn nun auch deren Geschichte in Illerbeuren sichtbar gemacht wird.

Haus zur Schützenkultur 

Weniger gut steht es um das Haus zur Schützenkultur. Im Sommer 2016 hätte dieses Prestigeprojekt eigentlich feierlich eröffnet werden sollen. Wegen eines schweren und kostspieligen Wasserschadens hat die Ausstellung bis heute jedoch keinen einzigen Besucher gesehen. Nun kommt es zum äußersten Schritt: Im Januar wird die Klageschrift beim Landgericht Memmingen eingereicht, um die Schuld- und Kostenfrage nun endlich zu klären. In der Suche nach der Ursache hätten sich die am Bau Beteiligten laut Bezirkstagspräsident Reichert unkooperativ gezeigt. So sehe er keine Möglichkeit mehr, das Problem anderweitig zu lösen. Auch Landrat Hans-Joachim Weirather steht hinter diesem Schritt. 

Um die Forschung und die viele Arbeit, die über Jahre in die Ausstellung geflossen sind, trotzdem der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, soll im kommenden Jahr ein Buch über das Haus zur Schützenkultur und dessen Exponate veröffentlicht werden. Über QR-Codes sollen diese dann zumindest virtuell besichtigt werden können. (am)

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