„Wir machen schön, nicht krank!“

Schweigen, um gehört zu werden: Stiller Protest des Friseurhandwerks vor der Memminger Stadthalle

Friseure demonstrieren vor der Memminger Stadthalle.
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„Wir stehen vor dem Nix!“ - Mit Plakaten und Grablichtern auf Hockern machten Friseurinnen und Friseure der Innung Memmingen-Mindelheim mit einem stillen Protest vor der Memminger Stadthalle auf die Probleme ihres Berufsstandes durch den Lockdown aufmerksam.

Memmingen – Unter dem Motto „Jetzt reicht’s!!!“ versammelten sich am vergangenen Montag rund 200 selbständige Friseurinnen und Friseure zu einem stillen Protest am Vorplatz der Memminger Stadthalle, um auf die desolate finanzielle Lage ihres Berufsstandes hinzuweisen. Auch in weiteren Städten gab es Demonstrationen gegen die zweite Schließung der Friseursalons innerhalb eines Jahres. Besonders, da der seit 16. Dezember vergangenen Jahres geltende Lockdown in dieser Woche bis 14. Februar verlängert wurde.

„Wir distanzieren uns klar von jeglicher rechten Szene, Covid-19-Leugnern und Querdenker-Szene. Wir stehen hier nur für unser Handwerk“, betonte Initiator Enrico Karrer, Obermeister der Friseurinnung Memmingen-Mindelheim gleich zu Beginn der Veranstaltung. Einen stillen Protest statt Pauken und Trompeten habe er gewählt, weil es in Zeiten von Fake News, Shit Storms und leerer Versprechungen einfach an der Zeit sei, still zu sein.

„Wir wollen einfach zeigen, dass es uns reicht.“ Die Anwesenden stünden hier stellvertretend für 80.000 Friseurbetriebe, 250.000 Angestellte, 20.000 Auszubildende und einem ganzen Land voller treuer Kunden, so Karrer. Hierbei gehe es letztendlich nicht um ein Hobby, das aus Spaß an der Freude ausgeübt werde, sondern um Unternehmerexistenzen sowie um Arbeits- und Ausbildungsplätze.

Es gehe auch um das Wohlfühlerlebnis der Kunden, um Menschen, die sich vielleicht aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr selbst die Haare frisieren können. Obwohl Friseurbetriebe eine wichtige Funktion in der alltagsbezogenen Grundversorgung der Bevölkerung ausüben, wurden diese trotz hohen Hygienestandards in den zweiten Lockdown einbezogen. Friseurbetriebe seien keine Hotspots, hob der Obermeister hervor. Es gebe keinerlei gemeldete Rückverfolgung, auch nach der Schließung der Friseurbranche keine Reduzierung der Infektionszahlen. „Wir möchten nicht jammern oder meckern, aber wir fordern, dass man sich unserer Situation auf politischer Ebene annimmt“, so Karrer. Politiker und Verbände sollen sich zusammensetzen, um gemeinsam nachhaltige Konzepte auszuarbeiten, damit die Friseure wieder öffnen und ihrem Handwerk nachgehen können. Ebenfalls wurde eine zielgerechte und unbürokratische Unterstützung für Friseurbetriebe gefordert – kommunal sowie landes- und bundesweit.

Andauernde Schließung ist „Mord auf Raten“

„Am 15. Dezember letzten Jahres mussten wir schließen und am Tag darauf flatterten die Steuervoraus- und -nachzahlungen ins Haus und es hieß es vom Finanzamt ‚Kohle her‘“, monierte Thomas Wagner, Vorstandsmitglied der Friseurinnung und Lehrlingswart. Eine Stundung helfe nicht, sondern führe nur zur Verlagerung des Problems. Viele Betriebe hätten aufgrund der hohen bürokratischen Hürden keinen Anspruch auf die angekündigten Finanzhilfen oder bereits beantragte Hilfen seien noch nicht ausbezahlt.  

Memmingen: Stiller Protest der Friseure gegen anhaltenden Corona-Lockdown

Friseure der Friseurinnung Memmingen-Mindelheim demonstrieren vor der Stadthalle Memmingen.
Mit Plakaten und Grablichtern auf Hockern machten Friseurinnen und Friseure der Innung Memmingen-Mindelheim mit einem stillen Protest vor der Memminger Stadthalle auf die Probleme ihres Berufsstandes durch den Lockdown aufmerksam. © Breuninger
Friseurdemo in Memmingen
Obermeister Enrico Karrer erntete lauten Beifall für seine Ansprache. © Breuninger
Friseurdemo in Memmingen.
Mit Plakaten und Grablichtern auf Hockern machten Friseurinnen und Friseure der Innung Memmingen-Mindelheim mit einem stillen Protest vor der Memminger Stadthalle auf die Probleme ihres Berufsstandes durch den Lockdown aufmerksam. © Breuninger
Friseurdemo in Memmingen
Mit Plakaten und Grablichtern auf Hockern machten Friseurinnen und Friseure der Innung Memmingen-Mindelheim mit einem stillen Protest vor der Memminger Stadthalle auf die Probleme ihres Berufsstandes durch den Lockdown aufmerksam. © Breuninger
Friseurdemo in Memmingen.
Mit Plakaten und Grablichtern auf Hockern machten Friseurinnen und Friseure der Innung Memmingen-Mindelheim mit einem stillen Protest vor der Memminger Stadthalle auf die Probleme ihres Berufsstandes durch den Lockdown aufmerksam. © Breuninger
Friseurdemo in Memmingen.
Mit Plakaten und Grablichtern auf Hockern machten Friseurinnen und Friseure der Innung Memmingen-Mindelheim mit einem stillen Protest vor der Memminger Stadthalle auf die Probleme ihres Berufsstandes durch den Lockdown aufmerksam. © Breuninger
Friseurdemo in Memmingen.
Obermeister Enrico Karrer erntete lauten Beifall für seine Ansprache. © Breuninger
Friseurdemo in Memmingen
Mit Plakaten und Grablichtern auf Hockern machten Friseurinnen und Friseure der Innung Memmingen-Mindelheim mit einem stillen Protest vor der Memminger Stadthalle auf die Probleme ihres Berufsstandes durch den Lockdown aufmerksam. © Breuninger
Friseurdemo in Memmingen
Mit Plakaten und Grablichtern auf Hockern machten Friseurinnen und Friseure der Innung Memmingen-Mindelheim mit einem stillen Protest vor der Memminger Stadthalle auf die Probleme ihres Berufsstandes durch den Lockdown aufmerksam. © Breuninger
Friseurdemo in Memmingen.
Mit Plakaten und Grablichtern auf Hockern machten Friseurinnen und Friseure der Innung Memmingen-Mindelheim mit einem stillen Protest vor der Memminger Stadthalle auf die Probleme ihres Berufsstandes durch den Lockdown aufmerksam. © Breuninger
Friseurdemo in Memmingen
Mit Plakaten und Grablichtern auf Hockern machten Friseurinnen und Friseure der Innung Memmingen-Mindelheim mit einem stillen Protest vor der Memminger Stadthalle auf die Probleme ihres Berufsstandes durch den Lockdown aufmerksam. © Breuninger
Friseurdemo in Memmingen
Mit Plakaten und Grablichtern auf Hockern machten Friseurinnen und Friseure der Innung Memmingen-Mindelheim mit einem stillen Protest vor der Memminger Stadthalle auf die Probleme ihres Berufsstandes durch den Lockdown aufmerksam. © Breuninger

„Wir haben 100 Prozent Verpflichtung und gefühlt null Prozent Unterstützung“, klagt der Friseurmeister. Wer noch nicht lange selbständig sei und keine Rücklagen gebildet habe, überstehe das nicht. Die andauernde Schließung der Friseurbetriebe sei „Mord auf Raten“, so Wagner.

Die Situation gemeinsam meistern

Um sich auch in der Stille Gehör zu verschaffen, war der Ort des Protestes bewusst gewählt worden: Zeitgleich fand nämlich in der Stadthalle eine Sitzung des Memminger Stadtrates statt. Oberbürgermeister Manfred Schilder richtete nach der Sitzung ebenfalls das Wort an die Friseure und bekundete sein Verständnis für die prekäre Situation des Friseurgewerbes. „Aber die Gesetzeslage ist wie sie ist und über die Sinnhaftigkeit lässt sich trefflich diskutieren und streiten. Aber wir sind gefordert, die Situation gemeinsam zu meistern und die ist nicht einfach. Ich glaube aber, dass wir gut beraten sind, die Dinge ernst zu nehmen“, riet das Memminger Stadtoberhaupt.

(mb)

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